{"id":8726,"date":"2021-05-20T08:20:15","date_gmt":"2021-05-20T06:20:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=8726"},"modified":"2021-07-16T08:26:36","modified_gmt":"2021-07-16T06:26:36","slug":"ethische-ueberlegungen-zur-trinkwasser-und-pestizid-initiative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/ethische-ueberlegungen-zur-trinkwasser-und-pestizid-initiative\/","title":{"rendered":"Ethische \u00dcberlegungen zur Trinkwasser- und Pestizid-Initiative"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Medienmitteilung<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Schweizerische Nationalkommission Justitia et Pax hat sich intensiv mit den Anliegen und Vorschl\u00e4gen von <em>Trinkwasser- und Pestizidinitiative<\/em> befasst. Die Anliegen beider Initiativen sind gut begr\u00fcndet: Es besteht un\u00fcbersehbarer Handlungsbedarf. Allerdings braucht es aus ethischer Sicht eine grundlegendere politische Entscheidung, wie Umweltziele in der Landwirtschaft erreicht werden sollen. Nachfrageseite und KonsumentInnen sind in diesen grundlegenden Wandel bei der Herstellung landwirtschaftlicher G\u00fcter miteinzubeziehen.<\/strong><\/p>\n<p>Am 13. Juni 2021 stehen in der Schweiz zwei Initiativen zur Abstimmung, die im Zusammenhang mit der Schweizer Agrarpolitik stehen und einen besseren Umweltschutz verfolgen: Die Volksinitiative \u00abF\u00fcr sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung &#8211; Keine Subventionen f\u00fcr den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz\u00bb (Trinkwasserinitiative) und die Initiative f\u00fcr \u00abEine Schweiz ohne synthetische Pestizide\u00bb (Pestizidinitiative). Der Handlungsbedarf im Bereich Trinkwasser und Pestizidbelastung der B\u00f6den wird kaum bestritten. Mit der \u00abAgrarpolitik 22+\u00bb wollte der Bundesrat den Pestizideinsatz und die Stickstoff\u00fcbersch\u00fcsse in der Landwirtschaft senken und den Treibhausgasausstoss mindern. Mit der Ablehnung der bundesr\u00e4tlichen Vorlage durch die eidgen\u00f6ssischen R\u00e4te, unterst\u00fctzt durch den Bauernverband, erhalten beide Initiativen ein besonderes Gewicht. Wer m\u00f6chte, dass die Schweizer Landwirtschaftspolitik st\u00e4rker auf eine nachhaltige und umweltschonende Weise ausgerichtet wird, d\u00fcrfte beiden Initiativen grosse Aufmerksamkeit schenken.<\/p>\n<p><br><span style=\"color: #333399\">Anliegen der Trinkwasserinitiative<\/span><br>Die Trinkwasserinitiative will gesunde Lebensmittel und sauberes Trinkwasser. B\u00e4uerliche Betriebe in der Schweiz sollen nur noch Direktzahlungen bekommen, wenn sie auf Pestizide ganz und auf Antibiotika weitgehend verzichten sowie den Tierbestand ihrem selbst produzierten Futter anpassen. Der Import landwirtschaftlicher Produkte w\u00fcrde von dieser Verfassungs\u00e4nderung nicht erfasst.<\/p>\n<p><br><span style=\"color: #333399\">Anliegen der Pestizidinitiative<\/span><br>Die Pestizidinitiative beabsichtigt ein generelles Verbot des Einsatzes synthetischer Pestizide in der Landwirtschaft, bei der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege. Dieses Verbot gilt auch f\u00fcr den Import von Lebensmitteln.<\/p>\n<p><br><span style=\"color: #333399\">Handlungsbedarf un\u00fcbersehbar<\/span><br>Die Schweizerische Nationalkommission Justitia et Pax teilt die Sorgen und Anliegen der Initiantinnen. Unser Trinkwasser ist in vielen Regionen stark mit Nitraten und Pestiziden belastet. Die mehrheitlich agroindustrielle Ausrichtung der Schweizer Landwirtschaft ist unter umweltethischen Gesichtspunkten nicht nachhaltig und riskiert, das Naturkapital f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen nachhaltig zu besch\u00e4digen. Die Annahme der Initiativen w\u00fcrde einen grundlegenden Wandel in der hiesigen Agrarpolitik bedeuten. Beide Initiativen haben die Produktionsseite landwirtschaftlicher Produkte im Blick, die Verantwortung der Verbraucherinnen und Konsumenten steht nicht im Fokus. <br><br>Die Trinkwasserinitiative nimmt sogar nur die Landwirte in der Schweiz in die Pflicht, der Einsatz von Pestiziden durch die \u00f6ffentliche Hand oder Hobbyg\u00e4rtnerinnen bleibt erlaubt. Sie macht auch keine Vorgaben zu importierten Lebensmitteln. <br><br>Die Pestizidinitiative ist hier koh\u00e4renter, sie will auch ein Verbot des Imports landwirtschaftlicher Produkte, die mit synthetischen Pestiziden hergestellt wurden.<br><br>Die Gegner der Initiativen kritisieren vor allem die einseitige Fokussierung auf Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion. Sie bef\u00fcrchten einen Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen und einen R\u00fcckgang der inl\u00e4ndischen landwirtschaftlichen Produktion. Mehr Importe aus dem Ausland w\u00e4ren dadurch n\u00f6tig. Auch f\u00fcrchten sie um die Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t bei einer Annahme der Initiativen.<\/p>\n<p><br><span style=\"color: #333399\">Ethische Einsch\u00e4tzung<\/span><br>Aus ethischer Sicht stellen beide Initiativen eine Herausforderung dar: Der Handlungsbedarf ist evident, um Umwelt- und Klimaziele zu erreichen. Allerdings bleibt offen, ob die vorgeschlagenen Instrumente geeignet sind, um diese Ziele zu erreichen. Verlagerungseffekte ins Ausland sind denkbar, wodurch die CO2-Bilanz einiger Lebensmittel deutlich schlechter ausfallen w\u00fcrde als beim Status quo. <br><br>Weil bei der Trinkwasserinitiative weder Importschutz noch sonstige wirtschaftliche Unterst\u00fctzung vorgesehen sind, besteht die Gefahr, dass besonders intensive Bereiche wie Poulet- und Schweinemast, Beeren-, Gem\u00fcse und Weinanbau zum Schluss kommen, dass es f\u00fcr sie lohnender ist, die Produktion noch mehr zu intensivieren und auf Direktzahlungen zu verzichten. Sie w\u00fcrden \u00d6konomie vor \u00d6kologie stellen. Dieses Dilemma stellt sich bei der Pestizidinitiative weit weniger.<br><br>Mit Papst Franziskus ist daran zu erinnern, dass unsere Welt nur f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen lebenswert erhalten werden kann, wenn wir zu Umwelt und benachteiligten Menschen gleichermassen Sorge tragen \u2013 und dass insbesondere reiche und m\u00e4chtige Spieler Verantwortung \u00fcbernehmen und ein neues wirtschaftliches Denken anstossen m\u00fcssen. Solidarit\u00e4t mit Natur und Menschen ist letztlich nicht gratis zu haben, und (Human-)\u00d6kologie vor \u00d6konomie zu stellen ist.<br><br>Es bedarf einer grundlegenderen \u2013 auch sozialethisch gepr\u00e4gten &#8211; politischen Entscheidung, wie die Umweltziele in der Landwirtschaft erreicht werden sollen. Die bisherige agroindustrielle Ausrichtung der Landwirtschaft muss durch eine umfassende Agrar\u00f6kologie ersetzt werden. Nachfrageseite und KonsumentInnen sind in diesen grundlegenden Wandel bei der Herstellung landwirtschaftlicher G\u00fcter miteinzubeziehen.<\/p>\n<p>Wolfgang B\u00fcrgstein, 12.05.2021<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/05\/210512-Trinkwasser-und-Pestizid-Initiative_d.pdf\" download>\u00dcberlegungen zu Trinkwasser- und Pestizidinitiative aus ethischer Sicht <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medienmitteilung Die Schweizerische Nationalkommission Justitia et Pax hat sich intensiv mit den Anliegen und Vorschl\u00e4gen von Trinkwasser- und Pestizidinitiative befasst. Die Anliegen beider Initiativen sind gut begr\u00fcndet: Es besteht un\u00fcbersehbarer Handlungsbedarf. 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