{"id":7140,"date":"2010-08-04T15:38:00","date_gmt":"2010-08-04T13:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=7140"},"modified":"2021-02-01T10:45:25","modified_gmt":"2021-02-01T09:45:25","slug":"ansprache-von-papst-benedikt-xvi-vom-4-08-2010-an-die-ministranten-und-ministrantinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/ansprache-von-papst-benedikt-xvi-vom-4-08-2010-an-die-ministranten-und-ministrantinnen\/","title":{"rendered":"Ansprache von Papst Benedikt XVI. vom 4.08.2010 an die Ministranten und Ministrantinnen"},"content":{"rendered":"\n<p id=\"yui_3_15_0_1_1611326146832_196\">Liebe Ministrantinnen und Ministranten, liebe Freunde, liebe deutschsprachige Pilger, willkommen hier in Rom!<\/p>\n\n\n\n<p>Mit euch gr\u00fcsse ich den Kardinalstaatssekret\u00e4r Tarcisio Bertone; er heisst Tarcisio wie euer Patron. Ihr habt ihn freundlicherweise eingeladen, und er, der den amen des heiligen Tarzisius tr\u00e4gt, freut sich, dass er mit unter den Ministranten der Welt und unter den deutschen Ministranten sein kann. Ich gr\u00fcsse die lieben Mitbr\u00fcder im Bischofsamt sowie die Priester und Diakone, die an dieser Audienz teilnehmen. Von Herzen danke ich Weihbischof Martin G\u00e4chter aus Basel, dem Pr\u00e4sident des \u00bbCoetus Internationalis inistrantium\u00ab, f\u00fcr die Begr\u00fcssungsworte, die er an mich gerichtet hat, f\u00fcr das grosse Geschenk der Tarzisiusstatue und f\u00fcr das Halstuch, das er mir \u00fcberreicht hat. All das erinnert mich an die Zeit, als ich selber ein Ministrant war. Weihbischof G\u00e4chter danke ich in euer aller Namen auch f\u00fcr den grossen Einsatz, den er unter euch leistet. Ebenso danke ich seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und allen, die dieses fr\u00f6hliche Beisammensein m\u00f6glich gemacht haben. Mein Dank gilt auch den F\u00f6rderern aus der Schweiz und allen, die auf vielf\u00e4ltige Weise mitgeholfen haben, die grosse Statue des heiligen Tarzisius zu realisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr seid in grosser Zahl hier! Ich habe mit dem Hubschrauber schon den Petersplatz \u00fcberflogen und all die Farben und die Freude gesehen, die auf diesem Petersplatz zugegen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>So sorgt ihr nicht nur f\u00fcr eine gute Stimmung auf diesem Platz, sondern vermehrt auch die Freude in meinem Herzen! Vielen Dank! Die Tarzisiusstatue hat schon einen langen Pilgerweg hinter sich. Im September 2008 wurde sie im Beisein von 8.000 Ministranten erstmals in der Schweiz pr\u00e4sentiert. Sicher waren einige von euch damals schon dabei. Von dort wurde sie \u00fcber Luxemburg bis nach Ungarn gebracht. Heute nehmen wir sie hier festlich in Empfang und freuen uns, diese Gestalt aus den ersten Jahrhunderten der Kirche besser kennenzulernen. Sp\u00e4ter wird die Statue, wie Weihbischof G\u00e4chter schon gesagt hat, bei den Kalixtuskatakomben aufgestellt werden, wo sich das Grab des heiligen Tarzisius befindet. Vor euch allen \u00e4ussere ich meinen Wunsch, dass dieser Ort, die Kalixtuskatakomben und diese Statue, ein Bezugspunkt f\u00fcr die Ministrantinnen und Ministranten wird sowie f\u00fcr alle, die Jesus als Priester, Ordensleute und Missionare unmittelbarer nachfolgen wollen. Sie alle k\u00f6nnen auf diesen mutigen und starken jungen Menschen hinschauen und dabei ihre Freundschaft mit dem Herrn selber erneuern. So lernen wir, immer mit Gott zu leben und dem Weg zu folgen, den er uns mit seinem Wort und durch das Zeugnis so vieler Heiliger und M\u00e4rtyrer zeigt, von denen wir durch die Taufe Br\u00fcder und Schwestern sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer war der heilige Tarzisius? Wir haben nicht viele Ausk\u00fcnfte \u00fcber ihn. Er lebte in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte, n\u00e4herhin im 3. Jahrhundert. Man erz\u00e4hlt sich, dass Tarzisius ein Junge war, der regelm\u00e4ssig die Kalixtuskatakomben hier in Rom besuchte nd seine Pflichten als Christ besonders treu erf\u00fcllte. Er hatte eine grosse Liebe zur Eucharistie, und aufgrund einiger Anhaltspunkte kommen wir zu dem Schluss, dass er vermutlich ein Akolyth, also ein Ministrant gewesen ist. In jenen Jahren verfolgte Kaiser Valerian die Christen mit aller H\u00e4rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie mussten sich heimlich in ihren Privath\u00e4usern oder gelegentlich auch in den Katakomben treffen, um das Wort Gottes zu h\u00f6ren, miteinander zu beten und die heilige Messe zu feiern. Auch der Brauch, die Eucharistie zu den Gefangenen und Kranken zu bringen, wurde immer gef\u00e4hrlicher. Eines Tages fragt der Priester wie gewohnt, wer bereit sei, die Eucharistie zu den Br\u00fcdern und Schwestern zu bringen, die darauf warteten. Da erhob sich der junge Tarzisius und sagte: \u00bbSchicke mich!\u00ab Dieser Junge schien aber noch zu klein f\u00fcr eine so schwierige Aufgabe. \u00bbMein junges Alter\u00ab, erwiderte Tarzisius, \u00bbwird der beste Schutz f\u00fcr die Eucharistie sein.\u00ab Das \u00fcberzeugte den Priester, und er vertraute ihm das kostbare Lebensbrot an und sagte: \u00bbTarzisius, denk daran, dass du einen himmlischen Schatz in deinen schwachen H\u00e4nden h\u00e4ltst. Vermeide die vollen Strassen und vergiss nicht, dass die heiligen Dinge nicht den Hunden und die Edelsteine nicht den Schweinen vorgeworfen werden d\u00fcrfen. Wirst du die heiligen Geheimnisse treu und sicher bewahren?\u00ab \u00bbIch werde eher sterben, als sie mir wegnehmen zu lassen\u00ab, erwiderte Tarzisius. Unterwegs traf er ein paar Freunde, die auf ihn zukamen und ihn einluden, mit ihnen zu gehen. Als er ablehnte \u2013 es waren Heiden \u2013, wurden sie misstrauisch und aufdringlich. Dann bemerkten sie, dass er etwas an seine Brust dr\u00fcckte, als wollte er es verteidigen. Sie versuchten, es ihm zu entreissen, aber vergeblich. Der Kampf urde immer wilder, vor allem als sie erfuhren, dass Tarzisius Christ war. Sie traten ihn mit den F\u00fcssen, bewarfen ihn mit Steinen, aber er gab nicht nach. Von einem Pr\u00e4torianergardisten namens Quadratus, der auch heimlich Christ geworden war, wurde der Sterbende zu einem Priester gebracht. Sein K\u00f6rper war bereits leblos, aber an seiner Brust hielt er immer noch das kleine Leinentuch mit der Eucharistie. Gleich danach wurde er in den Kalixtuskatakomben begraben. Papst Damasus hat eine Inschrift f\u00fcr das Grab des heiligen Tarzisius verfasst, gem\u00e4ss der er im Jahr 257 gestorben ist. Das R\u00f6mische Martyrologium legt den Todestag auf den 15. August fest und gibt auch die sch\u00f6ne m\u00fcndliche \u00dcberlieferung wieder, nach der das Allerheiligste nicht am K\u00f6rper des heiligen Tarzisius gefunden wurde, nicht in seinen H\u00e4nden und auch nicht in seiner Kleidung. Das legte man so aus, dass die geweihte Hostie, die der kleine M\u00e4rtyrer mit seinem Leben verteidigt hatte, Fleisch von seinem Fleisch geworden war und so mit seinem eigenen Leib vereint ein einziges makelloses Opfer, das Gott dargebracht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Ministrantinnen und Ministranten, das Zeugnis des heiligen Tarzisius und diese sch\u00f6ne \u00dcberlieferung zeigen uns die tiefe Liebe und die grosse Verehrung, die wir f\u00fcr die Eucharistie haben m\u00fcssen: Sie ist ein kostbares Gut, ein Schatz von unermesslichem Wert, sie ist das Brot des Lebens, sie ist Jesus selbst, der f\u00fcr uns zur Speise wird, St\u00fctze und Kraft f\u00fcr unseren t\u00e4glichen Weg und ein Pfad, der zum ewigen Leben f\u00fchrt; sie ist das gr\u00f6sste Geschenk, das Jesus uns hinterlassen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>So wende ich mich an euch, die ihr hier versammelt seid, und durch euch an alle Ministrantinnen und Ministranten der Welt: Tut grossz\u00fcgig euren Dienst an Jesus, der in der Eucharistie gegenw\u00e4rtig ist! Das ist eine wichtige Aufgabe, die euch erlaubt, besonders nahe beim Herrn zu sein und in einer tiefen wirklichen Freundschaft mit ihm zu wachsen. Bewahrt diese Freundschaft voll Eifer in eurem Herzen, so wie der heilige Tarzisius, und seid bereit, daf\u00fcr einzustehen, daf\u00fcr zu ringen, daf\u00fcr euer Leben hinzugeben, damit Jesus zu allen Menschen kommt. Teilt auch ihr euren Altersgef\u00e4hrten das Geschenk dieser Freundschaft mit, mit Freude und Begeisterung und ohne Angst, dass sie sp\u00fcren, ihr kennt es, es ist wahr, und ihr liebt dieses Geheimnis! Jedes Mal, wenn ihr zum Altar hintretet, habt ihr das Gl\u00fcck, bei der grossen Liebestat Gottes dabei zu sein, der sich auch heute jedem von uns schenken will, uns nahe sein will, uns helfen will und Kraft geben will, damit wir richtig leben. Bei der Wandlung, ihr wisst es, wird dieses kleine St\u00fcck Brot Leib Christi, und der Wein wird Blut Christi. Ihr habt das grosse Gl\u00fcck, dieses unsagbare Geheimnis aus n\u00e4chster N\u00e4he erleben zu d\u00fcrfen! Erf\u00fcllt eure Aufgaben als Ministranten mit Liebe, Andacht und Treue und kommt nicht einfach irgendwie herein, sondern bereitet euch inwendig auf die heilige Messe vor! Wenn ihr euren Priestern beim Dienst am Altar helft, tragt ihr dazu bei, dass Jesus mehr erfahrbar wird, dass die Menschen mehr sp\u00fcren und erkennen: er ist da, dass er in dieser Welt, im Alltag, in der Kirche und an jedem Ort immer mehr gegenw\u00e4rtig sein kann. Liebe Freunde, ihr leiht Jesus eure H\u00e4nde, eure Gedanken, eure Zeit. Das wird er euch vergelten, indem er euch die wahre Freude schenkt und sp\u00fcren l\u00e4sst, wo das wirkliche Gl\u00fcck zu Hause ist. Der heilige Tarzisius hat uns gezeigt, dass jemand sogar sein Leben f\u00fcr ein wirkliches Gut, f\u00fcr das wahre Gut, f\u00fcr den Herrn aus Liebe hingeben kann.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"yui_3_15_0_1_1611326146832_199\">Von uns wird nicht sogleich das Martyrium verlangt, aber Jesus bittet um die Treue in den kleinen Dingen, um die innere Sammlung, das innere Mit-dabei-Sein, unseren Glauben, und darum, dass wir uns m\u00fchen, im Alltag diesen Schatz gegenw\u00e4rtig zu halten. Er bittet uns um Treue in den t\u00e4glichen Aufgaben, um das Zeugnisgeben f\u00fcr seine Liebe, indem wir in die Kirche gehen aus innerer \u00dcberzeugung und Freude, dass er da ist. So k\u00f6nnen wir auch f\u00fcr unsere Freunde erfahrbar machen, dass Jesus lebt. Dabei helfe uns die F\u00fcrsprache des heiligen Johannes Maria Vianney, dessen Gedenktag wir heute feiern, des dem\u00fctigen Pfarrers von Frankreich, der eine kleine Gemeinde umgewandelt und der Welt damit ein neues Licht geschenkt hat. Das Beispiel der Heiligen Tarcisius und Johannes Maria Vianney ermutige uns jeden Tag, Jesus zu lieben und seinen Willen zu erf\u00fcllen, so wie die Jungfrau Maria, die ihrem Sohn bis zum Ende treu war. Noch einmal herzlichen Dank euch allen! Gesegnete Tage und gute Heimkehr!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Ministrantinnen und Ministranten, liebe Freunde, liebe deutschsprachige Pilger, willkommen hier in Rom! Mit euch gr\u00fcsse ich den Kardinalstaatssekret\u00e4r Tarcisio Bertone; er heisst Tarcisio wie euer Patron. 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