{"id":7138,"date":"2010-10-22T15:30:00","date_gmt":"2010-10-22T13:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=7138"},"modified":"2021-02-01T10:44:13","modified_gmt":"2021-02-01T09:44:13","slug":"schreiben-von-papst-benedikt-xvi-an-die-seminaristen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/schreiben-von-papst-benedikt-xvi-an-die-seminaristen\/","title":{"rendered":"Schreiben von Papst Benedikt XVI. an die Seminaristen"},"content":{"rendered":"\n<p id=\"yui_3_15_0_1_1611325377452_197\"><em>Liebe Seminaristen!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich im Dezember 1944 zum Soldatendienst eingezogen wurde, fragte der Kompaniechef jeden einzelnen von uns, welchen Beruf er f\u00fcr die Zukunft anstrebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich antwortete, ich wolle katholischer Priester werden. Darauf der Leutnant: Da m\u00fcssen Sie sich etwas anderes suchen. Im neuen Deutschland werden Priester nicht mehr gebraucht. Ich wu\u00dfte, da\u00df dieses \u201eneue Deutschland\u201c bereits am Ende war und da\u00df nach den ungeheuren Verw\u00fcstungen, die dieser Wahn \u00fcber das Land gebracht hatte, erst recht wieder Priester n\u00f6tig sein w\u00fcrden. Heute ist die Lage ganz anders. Aber in unterschiedlichen Weisen denken auch heute viele Leute, da\u00df das katholische Priestertum kein Beruf f\u00fcr die Zukunft sei, sondern eher der Vergangenheit angeh\u00f6re. Ihr, liebe Freunde, habt Euch entschieden, ins Priesterseminar einzutreten und habt Euch damit auf den Weg zum Dienst des Priesters in der katholischen Kirche gemacht, gegen solche Vorstellungen und Meinungen. Ihr habt gut daran getan. Denn die Menschen werden immer, auch in der Periode der technischen Beherrschung der Welt und der Globalisierung, Gott ben\u00f6tigen &#8211; den Gott, der sich uns gezeigt hat in Jesus Christus und der uns versammelt in der weltweiten Kirche, um mit ihm und durch ihn das rechte Leben zu erlernen und die Ma\u00dfst\u00e4be der wahren Menschlichkeit gegenw\u00e4rtig und wirksam zu halten. Wo der Mensch Gott nicht mehr wahrnimmt, wird das Leben leer. Alles ist zu wenig. Er sucht dann seine Zuflucht im Rausch oder in der Gewalt, von der gerade die Jugend heute zunehmend bedroht wird. Gott lebt. Er hat jeden von uns geschaffen und kennt daher jeden. Er ist so gro\u00df, da\u00df er Zeit hat f\u00fcr unsere Kleinigkeiten: \u201eAlle Haare eures Hauptes sind gez\u00e4hlt.\u201c Gott lebt, und er braucht Menschen, die f\u00fcr ihn da sind und die ihn zu den anderen Menschen bringen. Ja, es hat Sinn, Priester zu werden: Die Welt braucht Priester, Hirten, heute, morgen und immer, so lange sie besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Priesterseminar ist Weggemeinschaft auf den priesterlichen Dienst zu. Damit ist schon etwas sehr Wichtiges gesagt: Priester wird man nicht allein. Es braucht die \u201eJ\u00fcngergemeinschaft\u201c, das Miteinander derer, die der gemeinsamen Kirche dienen wollen. In diesem Brief m\u00f6chte ich \u2013 auch r\u00fcckschauend auf meine eigene Seminarzeit \u2013 ein paar Elemente herausstellen, die f\u00fcr diese Jahre des Unterwegsseins wichtig sind.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Wer Priester werden will, mu\u00df vor allem ein \u201eGottesmensch\u201c sein, wie der heilige Paulus es ausdr\u00fcckt (<em>1Tim 6,11). <\/em>Gott ist f\u00fcr uns nicht eine ferne Hypothese, nicht ein Unbekannter, der sich nach dem Urknall zur\u00fcckgezogen hat. Gott hat sich gezeigt in Jesus Christus. Im Gesicht Jesu Christi sehen wir das Gesicht Gottes. In seinen Worten h\u00f6ren wir Gott selbst mit uns reden. Deshalb ist das Allerwichtigste auf dem Weg zum Priestertum und das ganze Priesterleben hindurch die pers\u00f6nliche Beziehung zu Gott in Jesus Christus. Der Priester ist nicht der Verwalter irgendeines Vereins, dessen Mitgliederzahl er zu erhalten und zu vergr\u00f6\u00dfern versucht. Er ist der Bote Gottes unter den Menschen. Er will zu Gott hinf\u00fchren und so auch die rechte Gemeinschaft der Menschen untereinander wachsen lassen. Deshalb ist es so wichtig, liebe Freunde, da\u00df Ihr im stetigen Kontakt mit Gott zu leben lernt. Wenn der Herr sagt: \u201eBetet allezeit\u201c, dann fordert er uns nat\u00fcrlich nicht dazu auf, dauernd Gebetsworte zu sprechen, sondern dazu, den inneren Kontakt mit Gott nie zu verlieren. In ihn uns einzu\u00fcben, ist der Sinn unseres Betens. Deshalb ist es wichtig, da\u00df der Tag mit Gebet beginnt und mit Gebet endet. Da\u00df wir in der Schriftlesung ihm zuh\u00f6ren. Da\u00df wir ihm unsere W\u00fcnsche und Hoffnungen, unsere Freuden und Leiden, unsere Fehler und unseren Dank f\u00fcr alles Sch\u00f6ne mitteilen und so ihn als Bezugspunkt unseres Lebens immer vor Augen haben. So werden wir sensibel f\u00fcr unsere Fehler und lernen, an uns zu arbeiten; sensibel aber auch f\u00fcr all das Sch\u00f6ne und Gute, das wir wie selbstverst\u00e4ndlich Tag um Tag empfangen, und so w\u00e4chst Dankbarkeit. Mit der Dankbarkeit w\u00e4chst die Freude, da\u00df Gott uns nahe ist und da\u00df wir ihm dienen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>2.&nbsp;Gott ist f\u00fcr uns nicht nur Wort. In den Sakramenten schenkt er sich uns leibhaftig, durch leibliche Dinge hindurch. Mitte unserer Gottesbeziehung und unserer Lebensgestaltung ist die Eucharistie. Sie von innen her mitzufeiern und so Christus leibhaftig zu begegnen, mu\u00df Zentrum aller unserer Tage sein. Der heilige Zyprian hat die Evangelienbitte \u201eunser t\u00e4gliches Brot gib uns heute\u201c unter anderem so ausgelegt, da\u00df er sagt: <em>&nbsp;\u201eUnser\u201c <\/em>Brot, das Brot, das wir als Christen in der Kirche empfangen d\u00fcrfen, ist der eucharistische Herr selbst. In der Vaterunser-Bitte beten wir demnach darum, da\u00df er uns dieses \u201eunser\u201c Brot t\u00e4glich schenkt; da\u00df es immerfort die Nahrung unseres Lebens sei. Da\u00df der auferstandene Christus, der sich uns in der Eucharistie gibt, wirklich unser ganzes Leben durchforme mit dem Glanz seiner g\u00f6ttlichen Liebe. Zur rechten Eucharistiefeier geh\u00f6rt es auch, da\u00df wir die Liturgie der Kirche in ihrer konkreten Gestalt kennen, verstehen und lieben lernen. In der Liturgie beten wir mit den Gl\u00e4ubigen aller Jahrhunderte \u2013 Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ber\u00fchren sich in einem einzigen gro\u00dfen Chor des Gebetes. Allm\u00e4hlich verstehen zu lernen, wie dies alles gewachsen ist, wie viel Erfahrung des Glaubens im Aufbau der Me\u00dfliturgie liegt, wie viele Generationen sie betend geformt haben, ist etwas Begeisterndes, wie ich von meinem pers\u00f6nlichen Weg her sagen darf.<\/p>\n\n\n\n<p>3<em>.&nbsp;<\/em>Auch das Bu\u00dfsakrament ist wichtig. Es lehrt mich, mich von Gott her anzuschauen und zwingt mich zur Ehrlichkeit mir selbst gegen\u00fcber. Es f\u00fchrt mich zur Demut. Der Pfarrer von Ars hat einmal gesagt: Ihr findet es nicht sinnvoll, heute die Lossprechung zu empfangen, da ihr wi\u00dft, da\u00df ihr morgen doch wieder die gleichen S\u00fcnden tun werdet. Aber \u2013 so sagt er: Gott selbst vergi\u00dft im Augenblick eure S\u00fcnden von morgen, um euch heute seine Gnade zu geben. Auch wenn wir immer wieder mit den gleichen Fehlern zu ringen haben, ist es wichtig, der seelischen Verwilderung entgegenzuwirken; der Gleichg\u00fcltigkeit, die sich damit abfindet, da\u00df ich nun einmal so bin. Es ist wichtig, auf dem Weg zu bleiben &#8211; ohne Skrupulosit\u00e4t, in dem dankbaren Bewu\u00dftsein, da\u00df Gott mir immer neu vergibt. Aber auch ohne Gleichg\u00fcltigkeit, die nicht mehr um die Heiligkeit und um das Besserwerden ringen w\u00fcrde. Und indem ich mir vergeben lasse, lerne ich auch, den anderen zu vergeben. Indem ich meine eigene Armseligkeit erkenne, werde ich auch toleranter und verst\u00e4ndiger mit der Schw\u00e4che des N\u00e4chsten.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Bewahrt Euch auch den Sinn f\u00fcr die Volksfr\u00f6mmigkeit, die in allen Kulturen verschieden und doch auch immer wieder ganz \u00e4hnlich ist, weil das Herz des Menschen letztlich immer dasselbe ist. Gewi\u00df, die Volksfr\u00f6mmigkeit tendiert zur Irrationalit\u00e4t, vielleicht auch manchmal zur \u00c4u\u00dferlichkeit. Sie zu \u00e4chten ist dennoch ganz verkehrt. In ihr ist der Glaube in das Herz der Menschen eingetreten, ist Teil ihres Empfindens, ihrer Gewohnheiten, ihres gemeinsamen F\u00fchlens und Lebens geworden. Deswegen ist die Volksfr\u00f6mmigkeit ein gro\u00dfer Schatz der Kirche. Der Glaube hat Fleisch und Blut angenommen. Sie mu\u00df sicher immer wieder gereinigt, auf die Mitte hin bezogen werden, aber sie verdient unsere Liebe, und sie macht uns selber auf ganz reale Weise zu \u201eVolk Gottes\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>5.&nbsp;Die Zeit im Seminar ist vor allem auch Zeit des Studiums. Der christliche Glaube hat eine rationale und eine intellektuelle Dimension, die ihm wesentlich ist. Ohne sie w\u00e4re er nicht er selber. Paulus spricht von einem \u201eTypus der Lehre\u201c, in den hinein wir in der Taufe \u00fcbergeben worden sind (R\u00f6m 6,17). Ihr alle kennt das Wort des heiligen Petrus, das den mittelalterlichen Theologen als Begr\u00fcndung f\u00fcr eine rationale, wissenschaftlich ausgearbeitete Theologie galt: \u201eSeid stets bereit, jedem Antwort zu geben, der euch nach der \u201aVernunft\u2018 (Logos) eurer Hoffnung fragt\u201c (1&nbsp;Petr 3,15). Die F\u00e4higkeit zu solchen Antworten zu lernen, ist eine Hauptaufgabe der Jahre im Priesterseminar. Ich kann Euch nur dringend bitten: Studiert eifrig! N\u00fctzt die Jahre des Studiums! Ihr werdet es nicht bereuen. Sicher, oft erscheinen Materien des Studiums weit von der Praxis des christlichen Lebens und des pastoralen Dienstes entfernt. Aber es ist trotzdem ganz verkehrt, immer sogleich die pragmatische Frage zu stellen: Kann ich das einmal brauchen? Hat das praktischen, pastoralen Nutzen? Es geht eben nicht blo\u00df darum, das augenscheinlich N\u00fctzliche zu erlernen, sondern darum, das innere Gef\u00fcge des Glaubens so in seiner Ganzheit zu kennen und zu verstehen, da\u00df es Antwort auf die Fragen der Menschen wird, die \u00e4u\u00dferlich gesehen von Generation zu Generation wechseln und doch in ihrem tiefsten Grund dieselben bleiben. Deswegen ist es wichtig, hinter die wechselnden Fragen des Augenblicks zu kommen, um die eigentlichen Fragen zu begreifen und so auch die Antworten als Antworten zu verstehen. Es ist wichtig, die Heilige Schrift als ganze, in ihrer Einheit aus Altem und Neuem Testament gr\u00fcndlich kennenzulernen \u2013 die Gestaltwerdung der Texte, ihre literarische Eigenart, ihr Zusammenwachsen zum Kanon der heiligen B\u00fccher, die dynamische innere Einheit, die nicht auf der Oberfl\u00e4che liegt, aber doch allen einzelnen Texten erst ihre volle Bedeutung gibt. Es ist wichtig, die V\u00e4ter und die gro\u00dfen Konzilien kennenzulernen, in denen die Kirche sich die wesentlichen Aussagen der Schrift denkend und glaubend angeeignet hat. So k\u00f6nnte ich fortfahren: Was wir Dogmatik nennen, ist das Verstehen der einzelnen Inhalte des Glaubens in ihrer Einheit, ja, ihrer letzten Einfachheit: Alles Einzelne ist letztlich nur Entfaltung des Glaubens an den einen Gott, der sich uns gezeigt hat und zeigt. Da\u00df es wichtig ist, die wesentlichen Fragen der Moraltheologie und der katholischen Soziallehre zu kennen, brauche ich nicht eigens zu sagen. Wie wichtig heute die \u00f6kumenische Theologie ist, das Kennenlernen der verschiedenen christlichen Gemeinschaften, liegt auf der Hand, desgleichen die Notwendigkeit einer Grundorientierung \u00fcber die gro\u00dfen Religionen und nicht zuletzt die Philosophie: das Verstehen des menschlichen Suchens und Fragens, auf das der Glaube Antwort sein will. Lernt aber auch, das Kirchenrecht in seiner inneren Notwendigkeit und in seinen praktischen Anwendungsformen zu verstehen und \u2013 ich wage es zu sagen \u2013 zu lieben: Eine Gesellschaft ohne Recht w\u00e4re eine rechtlose Gesellschaft. Recht ist die Bedingung der Liebe. Ich will nun nicht weiter aufz\u00e4hlen, sondern nur noch einmal sagen: Liebt das Studium der Theologie, und folgt ihm mit dem wachen Sinn f\u00fcr die Verankerung der Theologie in der lebendigen Gemeinschaft der Kirche, die mit ihrer Autorit\u00e4t nicht etwa ein Gegenpol zur theologischen Wissenschaft, sondern ihre Voraussetzung ist. Ohne die glaubende Kirche h\u00f6rt Theologie auf, sie selber zu sein und wird zu einem B\u00fcndel verschiedener Disziplinen ohne innere Einheit.<\/p>\n\n\n\n<p>6.&nbsp;Die Jahre im Priesterseminar m\u00fcssen auch eine Zeit des menschlichen Reifens sein. F\u00fcr den Priester, der andere auf dem Weg durchs Leben und bis zur Pforte des Todes begleiten soll, ist es wichtig, da\u00df er selbst Herz und Verstand, Vernunft und Gef\u00fchl, Leib und Seele ins rechte Gleichgewicht gebracht hat und menschlich \u201eintakt\u201c ist. Die christliche \u00dcberlieferung hat daher immer mit den \u201eg\u00f6ttlichen Tugenden\u201c auch die von der Erfahrung des Menschseins, von der Philosophie her gefundenen \u201eKardinaltugenden\u201c und \u00fcberhaupt die gesunde ethische \u00dcberlieferung der Menschheit verbunden. Paulus sagt das sehr deutlich zu den Philippern: \u201eSchlie\u00dflich, Br\u00fcder: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend hei\u00dft und lobenswert ist, darauf seid bedacht!\u201c (4,8) In diesen Zusammenhang geh\u00f6rt auch die Integration der Sexualit\u00e4t ins Ganze der Pers\u00f6nlichkeit. Die Sexualit\u00e4t ist eine Gabe des Sch\u00f6pfers, aber auch eine Aufgabe an das eigene Menschwerden. Wenn sie nicht in die Person integriert ist, dann wird sie banal und zerst\u00f6rerisch zugleich. Wir sehen das heute an vielen Beispielen in unserer Gesellschaft. In letzter Zeit haben wir mit gro\u00dfem Bedauern feststellen m\u00fcssen, da\u00df Priester durch sexuellen Mi\u00dfbrauch von Kindern und Jugendlichen ein Zerrbild ihres Amtes abgegeben haben. Statt Menschen zu reifer Menschlichkeit hinzuf\u00fchren und sie ihnen selbst vorzuleben, haben sie durch ihren Mi\u00dfbrauch Zerst\u00f6rungen hervorgerufen, die wir mit tiefem Schmerz bedauern. Ob alledem kann bei vielen Menschen, wohl auch bei Euch selber, die Frage aufkommen, ob es gut sei, ein Priester zu werden; ob der Z\u00f6libat ein sinnvoller Weg menschlichen Lebens sei. Aber der zutiefst zu mi\u00dfbilligende Mi\u00dfbrauch kann die priesterliche Sendung nicht diskreditieren, die gro\u00df und rein bleibt. Gottlob kennen wir alle \u00fcberzeugende, von ihrem Glauben geformte Priester, an denen uns sichtbar wird, da\u00df man in diesem Stand und gerade auch im Leben des Z\u00f6libats zu wirklicher, reiner und reifer Menschlichkeit kommen kann. Das Geschehene mu\u00df uns freilich wacher und aufmerksamer machen, gerade auf dem Weg zum Priestertum sich selber vor Gott gr\u00fcndlich zu befragen, ob dies sein Wille f\u00fcr mich ist. Es ist Aufgabe der Beichtv\u00e4ter und Eurer Vorgesetzten, Euch auf dem Weg dieser Entscheidung zu begleiten und zu helfen. Es ist ein grundlegendes Element Eures Weges, im Aufblick zu dem in Christus offenbaren Gott die grundlegenden Tugenden des Menschseins zu \u00fcben und von ihm her immer neu reinigen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>7.&nbsp;Die Anf\u00e4nge priesterlicher Berufung sind heute vielf\u00e4ltiger und unterschiedlicher als in den fr\u00fcheren Jahren. Der Entscheid f\u00fcr das Priestertum bildet sich heute oft in den Erfahrungen eines schon erlernten weltlichen Berufes. Er w\u00e4chst h\u00e4ufig in Gemeinschaften, besonders in den Movimenti, die einer gemeinsamen Begegnung mit Christus und seiner Kirche, einer spirituellen Erfahrung und der Freude am Dienst des Glaubens f\u00f6rderlich sind. Er reift auch in ganz pers\u00f6nlichen Begegnungen mit der Gr\u00f6\u00dfe und der Not des Menschseins. So leben oft Priesterkandidaten auf ganz verschiedenen spirituellen Kontinenten. Es kann schwer sein, die Gemeinsamkeit des k\u00fcnftigen Auftrags und seines spirituellen Weges zu erkennen. Gerade deshalb ist das Priesterseminar wichtig als Weggemeinschaft \u00fcber die verschiedenen Formen der Spiritualit\u00e4t hin. Die Movimenti sind eine gro\u00dfartige Sache. Ihr wi\u00dft, wie sehr ich sie als Gabe des Heiligen Geistes an die Kirche sch\u00e4tze und liebe. Aber sie m\u00fcssen daran gemessen werden, wie sie alle auf das gemeinsame Katholische, auf das Leben der gemeinsamen Kirche Christi offen sind, die in aller Vielfalt doch nur eine ist. Das Priesterseminar ist die Zeit, in der Ihr miteinander und voneinander lernt. In dem manchmal vielleicht schwierigen Miteinander m\u00fc\u00dft Ihr die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Toleranz erlernen, einander nicht nur ertragen, sondern gegenseitig bereichern, so da\u00df jeder seine spezifische Gabe ins Ganze einbringen kann, aber doch alle der gleichen Kirche, dem gleichen Herrn dienen. Diese Schule der Toleranz, mehr: des Sich-Annehmens und des Sich-Verstehens in der Einheit des Leibes Christi geh\u00f6rt zu den wichtigen Elementen der Jahre im Priesterseminar.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Seminaristen! Mit diesen Zeilen wollte ich Euch zeigen, wie sehr ich mit Euch gerade in diesen schwierigen Zeiten mitdenke und wie sehr ich Euch im Gebet nahe bin. Betet auch f\u00fcr mich, damit ich meinen Dienst recht zu tun vermag, solang der Herr es will. Ich vertraue Euch auf Eurem Weg der Vorbereitung auf das Priestertum dem m\u00fctterlichen Schutz Marias an, deren Haus eine Schule des Guten und St\u00e4tte der Gnade war. Es segne Euch alle der allm\u00e4chtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aus dem Vatikan, am 18. Oktober 2010, dem Fest des heiligen Evangelisten Lukas.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Herrn Euer<br><strong>&nbsp;BENEDIKT PP XVI.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"yui_3_15_0_1_1611325377452_201\"><em>&nbsp;\u00a9<\/em> Copyright 2010 &#8211; Libreria Editrice Vaticana<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Seminaristen! Als ich im Dezember 1944 zum Soldatendienst eingezogen wurde, fragte der Kompaniechef jeden einzelnen von uns, welchen Beruf er f\u00fcr die Zukunft anstrebe. Ich antwortete, ich wolle katholischer Priester werden. 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