{"id":7080,"date":"2014-03-05T09:55:00","date_gmt":"2014-03-05T08:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=7080"},"modified":"2021-02-19T17:49:32","modified_gmt":"2021-02-19T16:49:32","slug":"im-glauben-der-kirche-vereint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/im-glauben-der-kirche-vereint\/","title":{"rendered":"\u201eIm Glauben der Kirche vereint\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Hirtenschreiben der Schweizer Bisch\u00f6fe zum ersten Fastensonntag, 9. M\u00e4rz 2014<\/h5>\n\n\n\n<p><strong>Vor f\u00fcnfzig Jahren tagte in Rom das Zweite Vatikanische Konzil. Das zweite Jubil\u00e4umsjahr, welches an dieses Ereignis erinnert und es wachhalten soll, feiert die katholische Kirche in der Schweiz im Jahr 2014 unter dem Motto \u201eIm Glauben verbunden\u201c. In den letzten f\u00fcnfzig Jahren hat sich in der Welt und in der Kirche vieles ver\u00e4ndert. Auch heute sind die Bisch\u00f6fe oft mit dem Wunsch nach Ver\u00e4nderungen in der Kirche konfrontiert. Doch was ist die Kirche? Manche Vorschl\u00e4ge scheinen vorauszusetzen, dass die Kirche eine Art internationaler Konzern oder eine Nichtregierungsorganisation ist. Sie k\u00f6nnte dann ganz nach unserem Ermessen gestaltet werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"yui_3_15_0_1_1611305456485_198\"><em>Gott offenbart sich in Christus<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was Kirche ist, h\u00e4ngt davon ab, was wir unter Christentum verstehen. Denn die Kirche gibt es nur wegen Christus und weil Menschen an ihn glauben. Das Herz des christlichen Glaubens ist die Menschwerdung Gottes: Gott ist Mensch geworden. Er wird Mensch in Jesus Christus. Er kommt als Mensch zu uns. Er offenbart sich uns in Jesus Christus. Christsein heisst deshalb nicht, seine eigenen Vorstellungen zu bekennen, sondern dankbar anzuerkennen, dass Gott zu uns kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zweite Vatikanische Konzil zeigt gewisse Merkmale der christlichen Offenbarung auf.<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Christus selbst ist die F\u00fclle der Offenbarung, und nicht nur ihr Botschafter. [1]<\/li><li>Diese h\u00f6chste Offenbarung \u2013 Gott wird Mensch \u2013 ist endg\u00fcltig und abschliessend. [2] Wir k\u00f6nnen und sollen diese Offenbarung stets besser und tiefer verstehen. \u00c4ndern k\u00f6nnen wir sie aber nicht. [3]<\/li><li>Gott wusste genau, dass wir riskieren, das unendliche Geschenk zu verlieren, wenn er sich offenbart. Deshalb traf er Vorkehrungen, damit das, was offenbart wurde, nicht verlorengeht [4]. Christus sandte die Apostel aus, um in der Gemeinschaft, die er gr\u00fcndete, zu predigen und die Sakramente zu feiern. Ferner, damit \u201edas Evangelium in der Kirche f\u00fcr immer unversehrt und lebendig bewahrt werde, haben die Apostel Bisch\u00f6fe als ihre Nachfolger zur\u00fcckgelassen und ihnen \u201aihr eigenes Lehramt \u00fcberliefert\u2018.\u201c [5] Die Einheit der Bisch\u00f6fe untereinander ist durch ihre Einheit mit dem Nachfolger des Petrus garantiert. [6]<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><em>Gott ist am Werk<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Grundannahmen des katholischen Glaubens wirken sich darauf aus, wie wir Kirche verstehen. Zuerst gilt: Was die Kirche ist, was ihr Glaube ist und was ihre Sakramente sind, ist zun\u00e4chst nicht Menschenwerk, sondern etwas, was wir von Gott erhalten. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn es nicht wegen Gott, sondern nur aufgrund irgendeiner menschlichen Absicht gesch\u00e4he, w\u00e4re es absurd zu glauben, dass Brot Leib Christi werden kann, oder dass Christus vom Heiligen Geist empfangen wurde. Auch deshalb waren die Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer von Jesus selbst schockiert, als sie die Einladung h\u00f6rten, seinen Leib zu essen [7], und Maria fragte, wie sie denn empfangen k\u00f6nne, ohne einen Mann zu \u201eerkennen\u201c [8]. Die Eucharistie und die Geburt von Jesus aus der Jungfrau Maria zeigen, dass zun\u00e4chst Gott am Werk ist, nicht Menschen. So ist es auch mit der Beziehung von Christus zur Kirche. Gott ist am Werk.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Kirche ist ein Sakrament<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Um das auszudr\u00fccken, nennt das Konzil die Kirche ein Sakrament: \u201eDie Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heisst Zeichen und Werkzeug f\u00fcr die innigste Vereinigung mit Gott wie f\u00fcr die Einheit der ganzen Menschheit\u201c [9]. Die Kirche ist ein Zeichen und ein Werkzeug. Ihr Ziel ist die Einheit mit Gott und den Menschen. Weil die Kirche nur das Zeichen ihres Herrn ist und in keiner Art und Weise der Herr selbst, besitzt sie keine Macht, das zu \u00e4ndern, was sie selbst erhalten hat. Der Glaube bleibt. Nat\u00fcrlich gab es immer schon ein Nachfragen \u00fcber Schwierigkeiten mit dem Glauben. In der Kultur und Zeit der fr\u00fchen Kirche machte Paulus diese Erfahrung, als er in Athen von der Auferstehung der Toten sprach. [10]\n\n\n\n<p><em>Die Kirche ist keine NGO<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Dinge in der Kirche, die sich \u00e4ndern k\u00f6nnen, und solche, die sich nicht ver\u00e4ndern. Jene, die sich nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen, geh\u00f6ren zum Glauben bzw. zur Grundstruktur der Kirche (z.B. die Notwendigkeit des Weihesakramentes f\u00fcr die Feier der Eucharistie). Andere Dinge k\u00f6nnen sich \u00e4ndern [11]. Wie geschieht das? In der Kirche geschehen Ver\u00e4nderungen anders als in einem Unternehmen. Denn die Kirche ist keine Nichtregierungsorganisation und auch kein multinationales Unternehmen, wie Papst Franziskus schon mehrmals gesagt hat. [12] Die Kirche wird nicht von einem allm\u00e4chtigen Generaldirektor gef\u00fchrt und kann sich nicht nach freiem Ermessen den jeweiligen Gegebenheiten des Marktes anpassen. W\u00e4re die Kirche ein solches Unternehmen, g\u00e4be es letztlich wenig Gr\u00fcnde, sich f\u00fcr sie zu interessieren, und noch weniger, dazuzugeh\u00f6ren. Alle wichtigen Ver\u00e4nderungen in der Kirche dienen dazu, den Glauben klarer und deutlicher ans Licht zu bringen. Ein solches <em>aggiornamento<\/em>, um ein Lieblingswort von Johannes XXIII. zu gebrauchen, geschieht f\u00fcr die gesamte Kirche. Deswegen muss auch die ganze Kirche auf geeignete Weise einbezogen sein, besonders die Bist\u00fcmer auf der ganzen Welt. Vor allem aber geschieht jede Ver\u00e4nderung durch begleitendes Gebet.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ver\u00e4nderungen beginnen durch Umkehr<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist normal, dass in einer Gesellschaft, welche sich im Umbruch befindet, viele Menschen Fragen haben. Gerade weil es sich um Fragen handelt, ist es nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass die Antwort eine Angleichung an die vorherrschende Kultur sein muss. Die Erfahrung zeigt, dass dann, wenn man den Glauben an die jeweils dominierenden Ansichten angleichen will, die Kirche nur noch fade und uninteressant wird. [13] Wenn man nicht von der Beziehung zu Gott ausgeht, also auch von der Spiritualit\u00e4t im Leben, h\u00f6rt man sehr schnell und zurecht damit auf, sich f\u00fcr die Kirche zu interessieren. Die Bitte nach aufmerksamem Verst\u00e4ndnis der Situation der Menschen ist immer n\u00f6tig. Die Kirche kann hier bestimmt noch mehr tun, und wir Bisch\u00f6fe sind f\u00fcr alle guten Anregungen dankbar. Aber der Wegfall des Rufs nach Umkehr, die immer Teil des christlichen Lebens ist, bedeutet den Verlust des Geschmacks der Kirche als Salz der Erde. [14] Die Umkehr betrifft zuerst den Glauben. Die Kirche verbindet uns im Glauben an Jesus Christus. Im Glauben der Kirche sind wir vereint. Diesen Glauben wachzuhalten, zu leben und zu bezeugen, ist die erste Aufgabe, die uns das Konzil in diesem Jubil\u00e4umsjahr aufgibt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Schweizer Bisch\u00f6fe<\/em><\/p>\n\n\n\n[1] Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution \u00fcber die g\u00f6ttliche Offenbarung <em>Dei Verbum<\/em> (18. November 1965), \u00a7 2&nbsp;: \u201eDie Tiefe der durch diese Offenbarung \u00fcber Gott und \u00fcber das Heil des Menschen erschlossenen Wahrheit leuchtet uns auf in Christus, der zugleich der Mittler und die F\u00fclle der ganzen Offenbarung ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n[2] \u201eDaher ist die christliche Heilsordnung, n\u00e4mlich der neue und endg\u00fcltige Bund, un\u00fcberholbar, und es ist keine neue \u00f6ffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit\u201c (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution \u00fcber die g\u00f6ttliche Offenbarung <em>Dei Verbum<\/em> [18. November 1965], \u00a7 4).<\/p>\n\n\n\n[3] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution \u00fcber die g\u00f6ttliche Offenbarung <em>Dei Verbum<\/em> (18. November 1965), \u00a7 8.<\/p>\n\n\n\n[4] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution \u00fcber die g\u00f6ttliche Offenbarung <em>Dei Verbum<\/em> (18. November 1965), \u00a7 7&nbsp;: \u201eWas Gott zum Heil aller V\u00f6lker offenbart hatte, das sollte \u2013 so hat er in G\u00fcte verf\u00fcgt \u2013 f\u00fcr alle Zeiten erhalten bleiben und allen Geschlechtern weitergegeben werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n[5] Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution \u00fcber die g\u00f6ttliche Offenbarung <em>Dei Verbum<\/em> (18. November 1965), \u00a7 7.<\/p>\n\n\n\n[6] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution \u00fcber die Kirche <em>Lumen Gentium<\/em> (21. November 1964), \u00a7 18.<\/p>\n\n\n\n[7] Vgl. Joh 6,51-68.<\/p>\n\n\n\n[8] Vgl. Lk 1,34.<\/p>\n\n\n\n[9] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution \u00fcber die Kirche <em>Lumen Gentium<\/em> (21. November 1964), \u00a7 1.<\/p>\n\n\n\n[10] Vgl. Apg 17,32&nbsp;: \u201eAls sie von der Auferstehung der Toten h\u00f6rten, spotteten die einen, andere aber sagten: Dar\u00fcber wollen wir dich ein andermal h\u00f6ren.\u201c<\/p>\n\n\n\n[11] Zum Beispiel \u00e4nderte Papst Pius XII. in der Apostolischen Konstitution <em>Sacramentum Ordinis<\/em> vom 30. November 1947 gewisse Modalit\u00e4ten der Diakonen-, Priester- und Bischofsweihe. Damit \u00e4nderte er aber das Sakrament der Weihe nicht. In gleicher Weise \u00e4nderte das Zweite Vatikanische Konzil das Wesen der Liturgie oder der Sakramente nicht.<\/p>\n\n\n\n[12] Z.B. bei der Pfingstvigil am 31. Mai 2013.<\/p>\n\n\n\n[13] Vgl. Walter Kardinal Kasper, \u201eKommen wir zur Sache\u201c, <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em>, 11.02.2011, Nr. 35, S. 9.<\/p>\n\n\n\n[14] Vgl. Mt 5,13&nbsp;: \u201eIhr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hirtenschreiben der Schweizer Bisch\u00f6fe zum ersten Fastensonntag, 9. M\u00e4rz 2014 Vor f\u00fcnfzig Jahren tagte in Rom das Zweite Vatikanische Konzil. Das zweite Jubil\u00e4umsjahr, welches an dieses Ereignis erinnert und es wachhalten soll, feiert die katholische Kirche in der Schweiz im Jahr 2014 unter dem Motto \u201eIm Glauben verbunden\u201c. 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