{"id":6908,"date":"2021-01-14T18:59:50","date_gmt":"2021-01-14T17:59:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=6908"},"modified":"2021-03-29T15:18:47","modified_gmt":"2021-03-29T13:18:47","slug":"10-jahre-tag-des-judentums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/10-jahre-tag-des-judentums\/","title":{"rendered":"Zweiter Fastensonntag 2021 &#8211; 10 Jahre \u00abTag des Judentums\u00bb"},"content":{"rendered":"<div class=\"attribute-short_description\">\n<p><strong>Seit 2011 wird in der r\u00f6m.-kath. Kirche der Schweiz der \u00abTag des Judentums\u00bb am zweiten Fastensonntag begangen.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"attribute-description\">\n<p>Das Judentum ist n\u00e4mlich \u00abnicht etwas \u2018\u00c4usserliches\u2019, sondern geh\u00f6rt in gewisser Weise zum \u2018Innern\u2019\u00bb des Christentums, betonte Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in der Synagoge von Rom 1986. Schon die Konzilserkl\u00e4rung <i>Nostra aetate<\/i> rief in Erinnerung, dass Jesus, seine nat\u00fcrliche Familie wie auch die J\u00fcnger und Apostel j\u00fcdisch waren. Nach Jesu Auferstehung breitete sich die j\u00fcdische-messianische Gemeinde rasch auch unter den V\u00f6lkern aus. Die Evangelien wie die Paulusbriefe sind j\u00fcdisch-messianische Glaubenszeugnisse und setzen die Hebr\u00e4ische Bibel voraus. Sie werden erst als Neues Testament zusammen mit dem Alten Testament die Grundlage des Christentums. Rabbinisches Judentum und fr\u00fches Christentum entstehen in Ann\u00e4herung und Abgrenzung zueinander. Mit dem Ausdruck \u00abDas Auseinandergehen der Wege\u00bb werden diese Jahrhunderte in der Sp\u00e4tantike heute bezeichnet.<\/p>\n<p>Juden und Christen werden zu Recht als \u00abGeschwister im Glauben\u00bb bezeichnet. Geschwister sind oft sehr unterschiedlich. Sie k\u00f6nnen sich sogar bek\u00e4mpfen. Die Rivalit\u00e4t zwischen Judentum und Christentum um das biblische Erbe hat tats\u00e4chlich die Jahrhunderte gepr\u00e4gt. Ein christlicher Antijudaismus hat viel Leiden \u00fcber das j\u00fcdische Volk gebracht. Er hat dazu beigetragen, dass in der Moderne der Antisemitismus entstehen konnte, der seinen traurigen H\u00f6hepunkt in der Schoa gefunden hat, in der sechs Millionen Juden und J\u00fcdinnen umgebracht wurden. Der \u00abTag des Judentums\u00bb ist ein Tag in der Fastenzeit, in der die Kirche Busse tut und umkehrt. Sie sucht Vers\u00f6hnung auch mit der Schuld, die sie in Bezug auf das j\u00fcdische Volk in Wort und Tat auf sich geladen hat. Nur so kann sie guten Herzens auf Ostern zugehen und verstehen, was Jesu Abschiedsmahl, sein Leiden und seine Auferstehung wirklich bedeuten. Diese Ereignisse geschahen in den Tagen von Pessach und erhalten einen Teil ihrer Bedeutung aus diesem Fest, an dem die j\u00fcdische Tradition die Befreiung aus der Sklaverei \u00c4gyptens feiert. So suchen Christen und Christinnen heute ein vertieftes Verstehen des Judentums. Ein friedvolles, sich gegenseitig wertsch\u00e4tzendes und geschwisterliches Verh\u00e4ltnis ist allen katholischen Gl\u00e4ubigen aufgetragen.<\/p>\n<p>Der \u00abTag des Judentums\u00bb will nicht nur zur\u00fcckschauen und aufarbeiten. Papst Franziskus unterstreicht in <i>Evangelii gaudium 249<\/i>: \u00abGott wirkt weiterhin im Volk des Alten Bundes.\u00bb Das \u00abgemeinsame geistliche Erbe\u00bb (<i>Nostra Aetate 4<\/i>) ist reich und will lebendig gehalten werden. So wurde in der Schweiz bewusst ein Sontag f\u00fcr den \u00abTag des Judentums\u00bb gew\u00e4hlt. Der Sonntag ist die Schwester des Sabbats. Beide verpflichten je ihre Glaubensgemeinschaft, die Freiheit aus Gefangenschaft und die \u00dcberwindung der Todeskr\u00e4fte zu feiern. Juden wie Christen sind zu einem Leben in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor Gott berufen. (Ex 19,5f; Lk 1,75) Die Bischofskonferenzen in Italien, Polen oder der Niederlande zum Beispiel, haben den 17. Januar als \u00abTag des Judentums\u00bb festgelegt. Auch das macht Sinn, denn es ist der Tag vor der \u00abWoche f\u00fcr die Einheit der Christen\u00bb. Das \u00f6kumenische Anliegen und die j\u00fcdisch-christliche Beziehung geh\u00f6ren zueinander. Wie die Kirchen n\u00e4mlich den Auftrag haben, in einer zerrissenen Welt Einheit zu stiften, so will das j\u00fcdische Volk Licht f\u00fcr die V\u00f6lker sein, wie gerade das Dokument der orthodoxen Rabbiner \u00abZwischen Jerusalem und Rom\u00bb aus dem Jahr 2017 unterstreicht.<\/p>\n<p>Am \u00abTag des Judentums\u00bb soll im r\u00f6m.-kath. Gottesdienst auf die j\u00fcdische Glaubenstradition Bezug genommen werden. Predigtworte zum Psalm und zur Eucharistie, die zahlreiche \u00c4hnlichkeiten zur j\u00fcdischen Liturgie aufweist, sind w\u00fcnschenswert. Das Evangelium ist an diesem Sonntag die Verkl\u00e4rung Jesu auf einem Berg. (Mk 9,2-10) Dieser Berg, im Evangelium nicht n\u00e4her bezeichnet, spielt auf den Sinai an, wo Mose und Elija das Wort Gottes erhalten haben. Mit ihnen ist Jesus bei der Verkl\u00e4rung im Gespr\u00e4ch. Drei Juden unterhalten sich dar\u00fcber, wie die Weisung Gottes auszulegen ist. Normativ, aber nicht exklusiv sollen Christen auf Jesu Stimme und seine Auslegung h\u00f6ren. Mit dieser Anweisung steigen Petrus, Jakobus und Johannes vom Berg herunter, ohne dass sie schon verstanden h\u00e4tten, was damit genau gemeint ist. Haben wir heute verstanden? M\u00fcssten wir nicht mit Juden und J\u00fcdinnen zusammen die Bibel auslegen und eine Lerngemeinschaft bilden?<\/p>\n<p>Die p\u00e4pstliche Bibelkommission zeigt in ihrem Dokument \u00abDas j\u00fcdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel\u00bb von 2001 auf, wie Juden und Christen gemeinsam die Heilige Schrift lesen k\u00f6nnen. Der \u00abTag des Judentums\u00bb bietet dazu Gelegenheit, wenn die erste Lesung aus Genesis 22 genommen wird: Die sogenannte \u00abOpferung Isaaks\u00bb wird in der j\u00fcdischen Tradition \u00abBindung Isaaks\u00bb genannt. Die Erz\u00e4hlung endet damit, dass ein Widder, nicht Isaak als Brandopfer dargebracht wurde. Oder musste Abraham seinen geliebten Sohn und mit ihm die g\u00f6ttliche Verheissung loslassen? Gleichsam Gott um Gottes willen lassen, also \u00abopfern\u00bb? W\u00e4hrend die Religionswissenschaft den Text als \u00dcbergang vom Menschopfer zum Tieropfer interpretiert und die christliche Tradition ihn oft als eine Vorschau auf den Kreuzestod Jesu verstanden hat, beschreibt die rabbinische Auslegung das Ringen Abrahams in seiner Beziehung zu Gott. Er sucht nach dem Willen Gottes horchend gehorsam und doch selbstverantwortet. Dabei kommt auch Sara, die Perspektive der Frau, in den Blick, denn ihr Tod wird gleich im Kapitel danach geschildert. Es gibt kaum einen so vielschichtigen und aktuellen Text in der Hebr\u00e4ischen Bibel wie Genesis 22. Er beschliesst die Abrahamserz\u00e4hlung im engeren Sinn.<\/p>\n<p>Gen 12, wo Gott zum ersten Mal Abraham Land und Nachkommen verspricht, wie auch Gen 17, Gottes Bundesschluss mit Abraham, werden in anderen Jahren am \u00abTag des Judentums\u00bb gelesen. Dabei ist die Botschaft einerseits: Land und Nachkommen geh\u00f6ren beide zum Bund. Andererseits ist der Bund mit Abraham durch den neuen Bund im Blut Jesu nicht aufgel\u00f6st. Johannes Paul II. hat den Ausdruck des \u00abnie gek\u00fcndigten Bundes\u00bb gepr\u00e4gt, denn Gott ist treu. Gerade Paulus unterstreicht dies in R\u00f6m 9-11, wenn er \u00fcber Israel nachdenkt. Die Kirche ist in der Heilsgeschichte nicht an die Stelle von Israel getreten. Das Volk Gottes hat heute vielmehr eine Doppelgestalt: \u00abJuden und Christen \u2013 das eine Volk Gottes\u00bb lautet ein Buchtitel von Kardinal Walter Kasper (2020). Paulus nennt die gegenseitige Verwiesenheit von Juden und Christen ein Geheimnis und eine Weisheit Gottes. (R\u00f6m 11,30f) Der \u00abTag des Judentums\u00bb will helfen, diesem Geheimnis nachzusp\u00fcren und diese Weisheit zu erforschen.<\/p>\n<p>Die <i>J\u00fcdisch\/R\u00f6m.-kath. Gespr\u00e4chskommission<\/i> (JRGK) der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) hat schon 2012 eine Handreichung zum \u00abTag des Judentums\u00bb geschaffen. Zusammen mit den j\u00e4hrlichen Impulstexten auf <a title=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\" href=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.bischoefe.ch<\/a> zu finden. Auf der Homepage des Liturgischen Instituts der Schweiz <a title=\"https:\/\/www.liturgie.ch\" href=\"https:\/\/www.liturgie.ch\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.liturgie.ch<\/a> werden auch jedes Jahr F\u00fcrbitten f\u00fcr den Gottesdienst formuliert. Am \u00abTag des Judentums\u00bb sind Katholiken und Katholikinnen zudem eingeladen, durch verschiedene Veranstaltungen den Dialog und die Begegnung mit J\u00fcdinnen und Juden zu suchen.<\/p>\n<p>JRGK, Januar 2021<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2011 wird in der r\u00f6m.-kath. Kirche der Schweiz der \u00abTag des Judentums\u00bb am zweiten Fastensonntag begangen. Das Judentum ist n\u00e4mlich \u00abnicht etwas \u2018\u00c4usserliches\u2019, sondern geh\u00f6rt in gewisser Weise zum \u2018Innern\u2019\u00bb des Christentums, betonte Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in der Synagoge von Rom 1986. Schon die Konzilserkl\u00e4rung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":8068,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[140],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6908"}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6908"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6908\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7167,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6908\/revisions\/7167"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8068"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6908"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6908"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}