{"id":6778,"date":"2020-12-11T07:03:25","date_gmt":"2020-12-11T06:03:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=6778"},"modified":"2021-01-06T10:13:28","modified_gmt":"2021-01-06T09:13:28","slug":"wortes-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wortes-gottes\/","title":{"rendered":"\u00ab\u2026 und Gott sprach \u2026\u00bb"},"content":{"rendered":"<div class=\"attribute-sub_title\">\n<p><strong>Hirtenwort zur W\u00fcrde des Wortes Gottes<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"attribute-description\">\n<p><i><br \/>\n6. Dezember 2019<\/i><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder im Glauben<\/p>\n<p>Papst Franziskus hat mit dem Apostolischen Schreiben \u00abAperuit Illis\u00bb vom 30. September 2019 allen Gl\u00e4ubigen die Wichtigkeit der Beziehung zum lebendigen Wort Gottes in Erinnerung gerufen. Das Ewige Wort, das von Anfang an beim Vater war, ist in Jesus Christus Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt (vgl. Joh 1). Dieses Geheimnis d\u00fcrfen wir in den kommenden Festtagen erneut staunend meditieren. Der Geist Gottes ist \u00fcberall da gegenw\u00e4rtig, wo das Wort Gottes geh\u00f6rt und meditiert wird.<\/p>\n<p>Dem Papst ist eine lebendige und horchende Beziehung mit dem Wort Gottes ein grosses Anliegen. Darum schreibt er: \u201eWir verspu\u0308ren [&#8230;] die dringende Notwendigkeit, uns mit der Heiligen Schrift und dem Auferstandenen eng vertraut zu machen, der nie aufh\u00f6rt, das Wort und das Brot in der Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen zu brechen. Aus diesem Grund mu\u0308ssen wir zu einer st\u00e4ndigen Vertrautheit mit der Heiligen Schrift gelangen, sonst bleibt das Herz kalt und die Augen verschlossen, da wir, wie wir nun einmal sind, von unz\u00e4hligen Formen der Blindheit betroffen sind.\u201c [1]\n<p>Um dieses Anliegen zu st\u00e4rken, hat Papst Franziskus einen Sonntag des Wortes Gottes festgelegt, der j\u00e4hrlich am 3. Sonntag im Jahreskreis, Mitte Januar, begangen wird. Wir Bisch\u00f6fe und Territorial\u00e4bte nehmen das Anliegen des Papstes gerne auf und wenden uns bereits jetzt, zu Beginn eines neuen Kirchenjahres, an alle Gl\u00e4ubigen, zumal die internationale Katholische Bibelf\u00f6deration 2020 ein Jahr der Bibel ausgerufen hat. Wir m\u00f6chten hier mit ein paar \u00dcberlegungen die Aufmerksamkeit vor allem auf die Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes in der Liturgie lenken. Die neue \u00dcbersetzung der Heiligen Schrift, die in unseren Gottesdiensten seit einigen Jahren in Gebrauch ist, will uns zum neuen und tieferen Hinh\u00f6ren einladen.<\/p>\n<p><i>Die Heilige Schrift als Ort der Begegnung mit Gott<\/i><\/p>\n<p>Dem Zweiten Vatikanischen Konzil war es ein wichtiges Anliegen, die Heilige Schrift den Gl\u00e4ubigen n\u00e4her zu bringen. F\u00fcr lange Zeit war aus dem Blick geraten, dass Gott in der Heiligen Schrift auch heute noch zu den Menschen spricht. Schon die Erz\u00e4hlung von der Sch\u00f6pfung der Welt gibt Zeugnis davon, dass alles erst durch das Wort Gottes wurde. Das Wort Gottes ist ein schaffendes und immer wieder neuschaffendes Wort. Als die F\u00fclle der Zeit gekommen war, wurde das Wort Gottes Mensch, so bezeugt das Johannesevangelium die Geburt Jesu Christi (vgl. Joh 1). Es ist derselbe Christus, der zum Ende der Bibel verspricht: \u201eJa, ich komme bald\u201c (Offb 22,20). So spannt die Bibel einen grossen Bogen von der Erschaffung der Welt bis zur endg\u00fcltigen Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten. In dieser grossen Zeitspanne l\u00e4sst sich Gott erfahren, indem sein Wort je neu geh\u00f6rt wird und Antwort durch die Menschen findet. Nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis besteht die Schrift nicht einfach aus Texten, die von Gott handeln. Die Bibel ist Ort der Begegnung mit dem einen Gott, der sich in seinem Wort selbst zu erkennen gibt.<\/p>\n<p>Die Bibel berichtet an vielen Stellen davon, dass der Mensch aus jedem Wort lebt, das aus Gottes Mund kommt [2]. Es ist sch\u00f6pferisches und befreiendes Wort. Die Kirchenv\u00e4ter der ersten Jahrhunderte im Osten und Westen betonten in ihren Predigten unentwegt, dass das Wort Gottes Leben ist. [3] Es ist kein leeres Wort, sondern ein lebendiger Aufruf zur Begegnung mit Gott. Die ganze Schrift ist auf ein Du ausgerichtet, auf ein Du, dem es Leben schenken will. Papst Franziskus hat hervorgehoben, dass es der Heilige Geist ist, der durch die Heilige Schrift \u201eden Atem Gottes in die Welt\u201c tr\u00e4gt und das Herz der Gl\u00e4ubigen \u201emit der W\u00e4rme des Herrn\u201c erf\u00fcllt. [4]\n<p><i>Es ist Christus selbst, der spricht<\/i><\/p>\n<p>Im 20. Jahrhundert entdeckte die Kirche das Wort Gottes wieder mit Freude als Quelle, die nicht nur \u00fcber Gott spricht, sondern Ort wirklicher Begegnung mit ihm ist. Die Liturgie ist dabei ein besonders wichtiger Ort, wo dem auferstandenen und erh\u00f6hten Herrn Jesus Christus begegnet werden kann. Das Zweite Vatikanische Konzil betonte, dass Christus in seinem Wort gegenw\u00e4rtig ist, denn er ist es selbst, der spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden. [5] Es ist derselbe Christus, der die Gl\u00e4ubigen im Wort n\u00e4hrt, und der in der eucharistischen Speise zu ihnen kommt. In Anlehnung an die Kirchenv\u00e4ter kann man deshalb von einer \u201eKommunion des Wortes\u201c sprechen. [6]\n<p><i>Sorgfalt im Umgang mit dem Wort des lebendigen Gottes<\/i><\/p>\n<p>Von daher versteht sich, dass unsere gr\u00f6sste Sorgfalt auch der \u201eKommunion des Wortes\u201c gelten muss, wenn wir den Gottesdienst vorbereiten und feiern. \u00a0Die Lektorinnen und Lektoren, Seelsorgerinnen und Seelsorger, Diakone und Priester \u2013 und nicht zuletzt auch wir Bisch\u00f6fe \u2013 setzen sich mit den ihnen anvertrauten Abschnitten aus der Heiligen Schrift auseinander und tragen sie aus den eigens daf\u00fcr gestalteten B\u00fcchern vor. Denn auch das Lektionar symbolisiert in gewisser Weise die Heilige Schrift als Ganze und somit die Gottesbegegnung, die sich ereignen will, wenn daraus in versammelter Gemeinde gelesen wird.<\/p>\n<p><i>Neue Erfahrungen er\u00f6ffnen<\/i><\/p>\n<p>Im Glaubensbewusstsein vieler Mitfeiernder ist dieses Verst\u00e4ndnis des Wortes Gottes nur wenig verwurzelt: dass es tats\u00e4chlich n\u00e4hrende Gegenwart Gottes ist. Erwarten wir wirklich, dass uns Christus im Wort entgegenkommt? Rechnen wir damit, dass der im Wort gegenw\u00e4rtige Herr uns durch sein Wort zusammenf\u00fchrt? Umso wichtiger ist, dass wir uns neu f\u00fcr das Wort Gottes \u00f6ffnen und uns von ihm ber\u00fchren lassen. Was dies bewirken kann, haben die Bisch\u00f6fe intensiv erlebt, als sie im Jahr 2008 zur Synode \u00fcber das Wort Gottes in Rom zusammenkamen. Das anschliessende Schreiben von Papst Benedikt XVI. berichtet davon. Es heisst dort: \u201eGemeinsam haben wir das Wort des Herrn geh\u00f6rt und gefeiert. Wir haben einander erz\u00e4hlt, was der Herr im Gottesvolk bewirkt, haben Hoffnungen und Sorgen miteinander geteilt. All das hat uns bewusst gemacht, dass wir unsere Beziehung zum Wort Gottes nur innerhalb des \u00b4Wir\u00b4 der Kirche vertiefen k\u00f6nnen, im H\u00f6ren aufeinander und in der gegenseitigen Annahme. [ \u2026] So konnten wir mit Freude feststellen, dass \u00b4in der Kirche auch heute Pfingsten ist\u00b4\u201c.<\/p>\n<p>Wir laden alle Christinnen und Christen ein, mit dem Wort Gottes solche Erfahrungen der Begegnung mit Gott und untereinander zu machen. Das kommende Jahr der Bibel m\u00f6ge daf\u00fcr Ansporn sein. Beachten Sie die entsprechenden Anregungen in Ihrer Pfarrei! Ein guter Einstieg dazu bieten die Schriftlesungen des Sonntagsgottesdienstes. Sie in kleiner Gruppe vorweg zu meditieren und dar\u00fcber auszutauschen, ist ein fruchtbarer Weg, das Wort Gottes w\u00e4hrend der Feier offenen Herzens zu empfangen.<\/p>\n<p><i>Die Schweizer Bisch\u00f6fe und Territorial\u00e4bte<\/i><\/p>\n<p><i>\u00a0 <\/i><\/p>\n<p><i>Freiburg, 11. Dezember 2020<\/i><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n[1] Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben in Form eines Motu proprio \u201eAperuit illis\u201c vom 30.9.2019, Nr. 8.<\/p>\n[2] Vgl. Ex 16; Num 11,4-9; Dtn 8,3; Mt 4,4; Lk 4,4.<\/p>\n[3] Nach Hie\u00adronymus f\u00fchrt die Kenntnis der Hl. Schrift zum Himmelreich und gew\u00e4hrt das Brot, von dem es heisst: \u201eIch bin das Brot, das vom Himmel herabgestiegen ist\u201c (Joh 6,41) (vgl. Hieron. comm. in Ez. 14,47,6\u201312).<\/p>\n[4] Papst Franziskus in seiner Ansprache bei der Audienz f\u00fcr die Delegation der Katholischen Bibelbewegung in Rom am 26. April 2019.<\/p>\n[5] Vgl. SC 7.<\/p>\n[6] Vgl. z. B. Origenes: \u201eDas Wort Gottes ist unser Manna\u201c (Orig. in Num. hom. 3,1); Ambrosius von Mailand: \u201eSein Leib (sc. der Leib des Sohnes Gottes) sind die \u00dcberlieferungen der [heiligen] Schriften \u2026\u201c (Ambros. expos. in Lc. 6,33); Ambrosius von Mailand: \u201eAuch du iss also die Speisen der himmlischen Schriften, und iss, damit sie dir zum ewigen Leben gereichen, und iss t\u00e4glich, damit du keinen Hunger leidest, iss, damit du ges\u00e4ttigt wirst, iss, damit du die Speise der himmlischen Worte von dir gibst\u201c (Ambros. in ps. 118 tau 19).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hirtenwort zur W\u00fcrde des Wortes Gottes 6. Dezember 2019 Liebe Schwestern und Br\u00fcder im Glauben Papst Franziskus hat mit dem Apostolischen Schreiben \u00abAperuit Illis\u00bb vom 30. September 2019 allen Gl\u00e4ubigen die Wichtigkeit der Beziehung zum lebendigen Wort Gottes in Erinnerung gerufen. 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