{"id":5694,"date":"2020-09-24T01:37:55","date_gmt":"2020-09-23T23:37:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=5694"},"modified":"2020-11-26T19:28:51","modified_gmt":"2020-11-26T18:28:51","slug":"migrationspastoral-in-zeiten-des-coronavirus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/migrationspastoral-in-zeiten-des-coronavirus\/","title":{"rendered":"Coronabedingtes \u00abNahweh\u00bb: Migrationspastoral in Zeiten des Coronavirus"},"content":{"rendered":"<div class=\"attribute-short_description\"><\/div>\n<div class=\"attribute-description\">\n<div class=\"attribute-short_description\">\n<p><strong>Anl\u00e4sslich des Tags der Migrantinnen und Migranten am 27. September 2020 hat migratio, Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz f\u00fcr Migrantinnen, Migranten und Menschen unterwegs, eine kleine Umfrage zur \u00abMigrationspastoral in Zeiten von Covid-19\u00bb bei den anderssprachigen Gemeinschaften, die sie auf nationaler Ebene begleitet, durchgef\u00fchrt. Der folgende Text fasst die wichtigsten Umfrageergebnisse zusammen.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"attribute-description\">\n<p><i>Von: Karl-Anton Wohlwend, Nationaldirektor a.i. migratio, und Mirjam Kromer, wissenschaftliche Mitarbeiterin migratio<\/i><\/p>\n<p><i>\u00a0 <\/i><\/p>\n<p>Corona hat die katholische Kirche in der Schweiz vor viele neue Herausforderungen gestellt. Darauf haben Seelsorgende und Gl\u00e4ubige in den vergangenen sechs Monaten zahlreiche Antworten \u2013 und neue Fragen \u2013 gefunden. Kreativit\u00e4t, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und Experimentierfreude waren gefordert. Neues wurde ausprobiert. Vieles gelang, manches nicht. <a href=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/null#_ftnref1\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">[1]<\/a> Die Situation in den anderssprachigen Gemeinschaften (Missionen \/ Seelsorgestellen) war in vielerlei Hinsicht \u00e4hnlich wie in den \u00abSchweizer\u00bb Ortspfarreien. Seelsorge arbeitet adressat*innen- und bed\u00fcrfnisorientiert. Bei den anderssprachigen Gemeinschaften pr\u00e4gt der Migrationshintergrund die (spirituellen) Bed\u00fcrfnisse der Mehrheit ihrer Mitglieder. Einsamkeit, beispielsweise, ist nicht migrationsspezifisch. Sie kann aber durch die Migrationsgeschichte eines Menschen versch\u00e4rft werden, wenn die Familie in weiter Ferne lebt oder wenn Sprachbarrieren eine isolierende Wirkung entfalten. Diesem Umstand haben Seelsorgende in anderssprachigen Gemeinschaften entsprechend Rechnung zu tragen.<\/p>\n<p><b>Digital mobil aufgrund der eigenen Migrationsgeschichte<\/b><\/p>\n<p>Schon vor der Coronakrise wurden Skype, Whatsapp und soziale Medien von vielen Menschen in den anderssprachigen Gemeinschaften genutzt, um mit Angeh\u00f6rigen und Freund*innen in der Ferne in Verbindung zu bleiben. Sie sind in dieser Art des Austauschs ge\u00fcbt und oft bis ins hohe Alter digital kompetent. Die spirituelle Dimension ist aber auch hier neu. Aus einer Mission hiess es: \u00abDie physische Distanz brachte uns spirituell einander noch n\u00e4her, verbunden durch das t\u00e4gliche Rosenkranzgebet, Mittwochsandachten und gemeinsame Gottesdienste\u00bb \u2013 alles online, alles live. Und deswegen auch: alles gemeinsam.<\/p>\n<p><b>(Als) Gemeinschaft feiern <\/b><\/p>\n<p>Bei den anderssprachigen Missionen und Seelsorgestellen f\u00e4llt auf, wie stark der Aspekt der Gemeinschaft essenzieller Bestandteil ihrer Glaubenspraxis ist, weit \u00fcber den Gottesdienst und das gemeinsame Gebet hinaus. Die Gemeinschaften feiern nicht nur zusammen, sie feiern auch die Gemeinschaft selbst. Dies zeigt sich im \u2013 eigentlich \u00fcblichen \u2013 vielf\u00e4ltigen Rahmenprogramm zu den Gottesdiensten, das oft einen ganzen Tag f\u00fcllt. Der Wegfall dieser Begegnungs- und Gemeinschaftsorte ist daher f\u00fcr viele Mitglieder der anderssprachigen Gemeinschaften besonders schmerzlich: \u00abWir vermissen es sehr\u00bb. Diesem \u00abNahweh\u00bb wurde verschiedentlich begegnet, um die Menschen nicht allein zu lassen und um das Gemeinschaftsgef\u00fchl lebendig zu halten, zum Beispiel durch Online-Gemeindetreffen oder Online-Kaffeestuben. Manchenorts ist die Gemeinschaft so sogar gewachsen: Die sog. \u00abMinorit\u00e4ten-Missionen\u00bb werden von je einem Priester betreut, der an unterschiedlichen Orten in der Schweiz regelm\u00e4ssig mit ihnen Gottesdienste feiert. \u00dcber die gestreamten und interaktiv gestalteten Gottesdienste, Katechesen oder Einkehrtage vor Ostern haben sich die Gl\u00e4ubigen, die sonst an verschiedenen Orten feiern, kennengelernt. Andere, die den Kontakt zu einer Mission verloren hatten, haben ihn \u00fcber das Online-Angebot wiedergefunden.<\/p>\n<p><b>Nicht erkrankt und dennoch betroffen<\/b><\/p>\n<p>Manche Gl\u00e4ubige der anderssprachigen Gemeinschaften haben die Auswirkungen des Coronavirus auf besonders einschneidende Weise erfahren m\u00fcssen. Da sind beispielsweise die Sans-Papiers, vor allem in Genf: Neben die Sorge vor Ansteckung traten h\u00e4ufig der Verlust der Arbeit und die Unm\u00f6glichkeit, aufs Amt zu gehen. Da sind zum anderen Menschen mit Wurzeln in Italien, Spanien oder Lateinamerika: Fast jeder kennt jemanden, der erkrankt ist. Viele haben einen Angeh\u00f6rigen oder einen Menschen aus dem Freundeskreis verloren. Das Virus war auf einmal sp\u00fcrbar nah. Daher kehren sie nur mit grosser Vorsicht in die Kirchenb\u00e4nke zur\u00fcck. Die Seelsorgenden dieser Gemeinschaften haben meist einen \u00e4hnlichen Migrationshintergrund wie die \u00fcbrigen Mitglieder der Sprachgemeinschaft. Sie teilen daher diesen Erfahrungshorizont und k\u00f6nnen auf daraus entstehende Bed\u00fcrfnisse eingehen.<\/p>\n<p><b>Gemeinsam unterwegs in die Zukunft <\/b><\/p>\n<p>Bei den anderssprachigen Gemeinschaften nimmt migratio eine grosse Dankbarkeit f\u00fcr das Miteinander-unterwegs-Sein wahr \u2013 gerade in dieser Zeit. Die vergangenen Monate seien, so ein Missionar, in mancherlei Hinsicht lehrreich gewesen. Vielen sei bewusster geworden, dass wir uns nicht selbst gen\u00fcgen, sondern den Anderen, das Gegen\u00fcber brauchen: der Mensch kann nur in Gemeinschaft mit anderen existieren. Aus dieser Perspektive \u00f6ffnet Corona Chancen f\u00fcr neue Begegnungen mit anderssprachigen Gemeinschaften oder mit Ortspfarreien sowie f\u00fcr ein vermehrtes Miteinander bei gleichzeitig wertsch\u00e4tzendem Nebeneinander. migratio unterst\u00fctzt diesen Weg des vermehrten Miteinanders in den kommenden Jahren mit einem Projekt. Daraus kann Neues entstehen.<\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p><b>Kontaktperson:<\/b><\/p>\n<p>Karl-Anton Wohlwend, Nationaldirektor a.i. migratio, 079 339 81 61, <a class=\"email\" href=\"mailto:karlanton.wohlwend@migratio.ch\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">karl\u2011anton.wohlwend@migratio.ch<\/a><u>\u00a0<\/u><\/p>\n<p><i>\u00a0 \u00a0 <\/i><\/p>\n<p>Freiburg, 24.9.2020<\/p>\n<table class=\"mitRahmen\" cellspacing=\"0\">\n<tbody>\n<tr class=\"bglight\">\n<td class=\"td1\" valign=\"top\"><b>\u00a0\u00a0 \u00abmigratio und Migrationspastoral in der Schweiz\u00bb<\/b><br \/>\nKnapp 40\u00a0% der katholischen Gl\u00e4ubigen in der Schweiz haben einen migrantischen Hintergrund. Sie alle sind Glieder der einen vielsprachigen und kulturell vielf\u00e4ltigen Kirche und pr\u00e4gen das kirchliche Leben auf unterschiedlichste Art mit. Um der Mehrsprachigkeit und der kulturellen Vielfalt der katholischen Gl\u00e4ubigen in der Schweiz Rechnung zu tragen, stehen aktuell ca. 110 anderssprachige Missionen oder Seelsorgestellen f\u00fcr ihre pastorale Betreuung zur Verf\u00fcgung. <a href=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/null#_ftnref2\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">[2]<\/a> Ein Grossteil von ihnen ist auf kantonaler oder lokaler Ebene organisiert, einige auf nationaler Ebene.<br \/>\nAls Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) ist migratio f\u00fcr die Sicherstellung einer ad\u00e4quaten Pastoral f\u00fcr Migrantinnen und Migranten auf nationaler Ebene zust\u00e4ndig. migratio tr\u00e4gt auch Mitverantwortung f\u00fcr die Seelsorge in Bundesasylzentren, die Seelsorge der Fahrenden sowie neu f\u00fcr die Seelsorge der Schaustellenden und Zirkusleute.<br \/>\nDiese Vielfalt (in) der Kirche ist Chance und Herausforderung zugleich. Gemeinsam mit der R\u00f6misch-katholischen Zentralkonferenz hat die SBK deswegen ein Gesamtkonzept zur Zukunft der Migrationspastoral erarbeitet. Es soll als Grundlage dienen, um in den n\u00e4chsten Jahren gemeinsam auf ein vermehrtes Miteinander bei wertsch\u00e4tzendem Nebeneinander hinzuarbeiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table class=\"mitRahmen\" cellspacing=\"0\">\n<tbody>\n<tr class=\"bglight\">\n<td class=\"td1\" valign=\"top\"><b>\u00a0 \u00abKatholische Fahrendenseelsorge\u00bb<\/b><br \/>\nmigratio ist neben der Seelsorge f\u00fcr Migrant*innen auch zust\u00e4ndig f\u00fcr Menschen unterwegs. Dazu geh\u00f6ren die katholischen Fahrenden. Die Jenischen sind Schweizer*innen mit (halb-)nomadischer Kultur und eine offizielle anerkannte Minderheit in der Schweiz. Die Coronakrise hat sie besonders getroffen: Viele von ihnen waren von Arbeitsausfall betroffen. Zudem hat sich die ohnehin oft schwierige Standplatzsituation wegen der notwendigen Distanzregeln zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft. Eine weitere Herausforderung ist das aktive Missionieren mancher religi\u00f6ser Bewegungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0\u00a0\u00a0 <\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">[1]<\/a> Vgl. dazu z. B. die laufende \u00f6kumenische und internationale Studie zum kirchlichen Handeln in der Coronazeit, mit besonderem Fokus auf den Aspekt der \u00abDigitalit\u00e4t\u00bb: Contoc (<a title=\"https:\/\/www.contoc.org\/de\/contoc\" href=\"https:\/\/www.contoc.org\/de\/contoc\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">CONTOC<\/a>).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">[2]<\/a> Vgl. Regula Ruflin, Samuel Wetz, Patrick Renz, Daniel Kosch, Migrantenpastoral in der Schweiz. Auswertung einer Erhebung der Ist-Situation und ihrer Beurteilung. Socialdesign ag im Auftrag des Kooperationsrates von SBK und RKZ, Bern 2018.<\/p>\n<\/div>\n<p><b>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/b><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Tags der Migrantinnen und Migranten am 27. September 2020 hat migratio, Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz f\u00fcr Migrantinnen, Migranten und Menschen unterwegs, eine kleine Umfrage zur \u00abMigrationspastoral in Zeiten von Covid-19\u00bb bei den anderssprachigen Gemeinschaften, die sie auf nationaler Ebene begleitet, durchgef\u00fchrt. 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