{"id":3183,"date":"2020-01-27T08:35:43","date_gmt":"2020-01-27T07:35:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=3183"},"modified":"2021-02-01T11:32:32","modified_gmt":"2021-02-01T10:32:32","slug":"botschaft-vom-papst-franziskus-zum-54-welttag-der-sozialen-kommunikationsmittel-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/botschaft-vom-papst-franziskus-zum-54-welttag-der-sozialen-kommunikationsmittel-2020\/","title":{"rendered":"Botschaft vom Papst Franziskus zum 54. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel &#8211; 2020"},"content":{"rendered":"<div class=\"attribute-short_description\">\n<div class=\"attribute-short_description\">\n<div class=\"attribute-short_description\">\n<div class=\"attribute-short_description\">\n<div class=\"attribute-short_description\">\n<p><strong><i>\u201eDamit du deinem Sohn und deinem Enkel erz\u00e4hlen kannst\u201c (Ex 10,2). Das Leben wird Geschichte<\/i><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"attribute-description\">\n<p>Ich m\u00f6chte die diesj\u00e4hrige&nbsp;<i>Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel<\/i>&nbsp;dem Thema des Erz\u00e4hlenswidmen, denn ich glaube, dass wir, wenn wir uns nicht verlieren wollen, die Wahrheit guter Geschichten n\u00f6tig haben wie den Atem: Geschichten, die erbauen, nicht zerst\u00f6ren; Geschichten, die uns helfen, unsere Wurzeln und die Kraft zu finden, gemeinsam voranzugehen. Im Wirrwarr der uns umgebenden Stimmen und Botschaften brauchen wir ein menschliches Erz\u00e4hlen, das uns von uns und von dem Sch\u00f6nen spricht, das in uns wohnt. Ein Erz\u00e4hlen, das die Welt und die Ereignisse mit Z\u00e4rtlichkeit zu betrachten versteht; das erz\u00e4hlt, dass wir Teil eines lebendigen Gewebes sind und das zeigt, wie sehr die F\u00e4den, die uns aneinander binden, miteinander verflochten sind.<\/p>\n<p><b>1. Geschichten weben<\/b><\/p>\n<p>Der Mensch ist ein Erz\u00e4hler. Seit unserer Kindheit hungern wir nach Geschichten, so wie wir nach Nahrung hungern. Ob es nun M\u00e4rchen, Romane, Filme, Lieder oder Nachrichten sind: Geschichten beeinflussen unser Leben, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Oft entscheiden wir anhand der Charaktere und Geschichten, die wir in uns aufgenommen haben, was richtig oder falsch ist. Geschichten pr\u00e4gen uns, sie formen unsere \u00dcberzeugungen und unser Verhalten, sie k\u00f6nnen uns dabei helfen, zu verstehen und zu sagen, wer wir sind.<\/p>\n<p>Der Mensch ist nicht nur das einzige Lebewesen, das Kleidung braucht, um seine Verwundbarkeit zu verh\u00fcllen (vgl. Gen 3,21) \u2013 er ist auch das einzige, das von sich erz\u00e4hlen, sich in Geschichten \u201ekleiden\u201c muss, um sein Leben zu bewahren. Wir weben nicht nur Kleider, sondern auch Erz\u00e4hlungen: die menschliche F\u00e4higkeit zu \u201eweben\u201c bringt&nbsp;<i>Textilien<\/i>&nbsp;und&nbsp;<i>Texte<\/i>&nbsp;hervor. Die Geschichten aller Zeiten haben einen gemeinsamen \u201eWebstuhl\u201c und die Gewebestruktur sieht \u201eHelden\u201c vor \u2013 auch ganz allt\u00e4gliche \u2013, die einem Traum nachjagen und dabei schwierige Situationen bew\u00e4ltigen und das B\u00f6se bek\u00e4mpfen, stets getrieben von einer Kraft, die ihnen Mut verleiht: die Kraft der Liebe. Beim Eintauchen in die Geschichten k\u00f6nnen wir heroische Beweggr\u00fcnde finden, die uns helfen, uns den Herausforderungen des Lebens zu stellen.<\/p>\n<p>Der Mensch ist ein erz\u00e4hlendes Wesen, weil er ein werdendes Wesen ist, das sich im Gewebe des t\u00e4glichen Lebens entdeckt und darin Bereicherung findet. Doch unsere Erz\u00e4hlung ist von Anfang an bedroht: \u00fcberall in der Geschichte lauert das B\u00f6se.<\/p>\n<p><b>2. Nicht alle Geschichten sind gut<\/b><\/p>\n<p>\u00bbWenn du davon isst, wirst du wie Gott werden\u00ab (vgl.&nbsp;<i>Gen<\/i>&nbsp;3,4). Die Versuchung durch die Schlange bringt einen nur schwer zu l\u00f6senden Knoten in das Gewebe der Geschichte. \u201eWenn du dieses oder jenes besitzt, dann wirst du, dann erreichst du &#8230;\u201c, fl\u00fcstern uns auch heute noch jene zu, die das sogenannte&nbsp;<i>&nbsp;storytelling<\/i>&nbsp;instrumentalisieren. Wie viele Geschichten bet\u00e4uben uns, machen uns glauben, dass wir, um gl\u00fccklich zu sein, immer mehr besitzen, immer mehr konsumieren m\u00fcssen. Wir merken schon gar nicht mehr, wie sehr wir nach Klatsch und Tratsch gieren, wie viel Gewalt und Falschheit wir \u201ekonsumieren\u201c. Oft werden auf den \u201eWebst\u00fchlen\u201c der Kommunikation keine konstruktiven Geschichten produziert, die die sozialen Bande und das kulturelle Gewebe zusammenhalten, sondern destruktive und provokative Geschichten, die die zerbrechlichen F\u00e4den des Zusammenlebens abnutzen und zerrei\u00dfen. Indem man ungepr\u00fcfte Informationen zusammentr\u00e4gt, banales und manipulatives Gerede wiederholt, Hasstiraden auf die anderen entl\u00e4dt, webt man nicht die Geschichte der Menschen, sondern beraubt sie ihrer W\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aber w\u00e4hrend jene Geschichten, die f\u00fcr irgendwelche Zwecke oder zur Machtaus\u00fcbung instrumentalisiert werden, nur kurzlebig sind, ist eine gute Geschichte in der Lage, die Grenzen von Raum und Zeit zu \u00fcberwinden. Sie bleibt \u00fcber Jahrhunderte hin aktuell, weil sie dem Leben Nahrung gibt. In einem Zeitalter, in dem die Kunst der F\u00e4lschung immer raffinierter wird und ein unglaubliches Niveau erreicht hat (<i>Deepfake<\/i>), brauchen wir Weisheit, um sch\u00f6ne, wahre und gute Geschichten aufzunehmen und hervorzubringen. Wir brauchen Mut, um die falschen und b\u00f6sartigen Geschichten zur\u00fcckzuweisen. Und wir brauchen Geduld und Unterscheidungsverm\u00f6gen, um jene Geschichten wiederzuentdecken, die uns helfen, inmitten der Zerrissenheit unserer Zeit nicht den Faden zu verlieren; Geschichten, die die Wahrheit unseres Seins wieder ans Licht bringen \u2013 auch in der oft \u00fcbersehenen Heroik des Alltags.<\/p>\n<p><b>3. Die<i>&nbsp;Geschichte der Geschichten<\/i><\/b><\/p>\n<p>Die Heilige Schrift ist eine<i>&nbsp;Geschichte aus Geschichten<\/i>. Wie vielen Ereignissen, V\u00f6lkern und Personen begegnen wir in ihr! Sie zeigt uns von Anfang an einen Gott, der Sch\u00f6pfer und zugleich Erz\u00e4hler ist: Er spricht sein Wort, und die Dinge sind da (vgl.&nbsp;<i>Gen<\/i>&nbsp;1). Durch sein Wort ruft Gott die Dinge ins Leben und als H\u00f6hepunkt der Sch\u00f6pfung erschafft er den Mann und die Frau als seine freien Gespr\u00e4chspartner, die gemeinsam mit ihm Geschichte hervorbringen. In einem Psalm erz\u00e4hlt das Gesch\u00f6pf dem Sch\u00f6pfer: \u00bbDu selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich&nbsp;<i>gewoben<\/i>&nbsp;im Scho\u00df meiner Mutter. Ich danke dir, dass ich so&nbsp;<i>staunenswert und wunderbar gestaltet<\/i>&nbsp;bin. [\u2026]. Dir waren meine Glieder nicht verborgen, als ich gemacht wurde im Verborgenen,&nbsp;<i>gewirkt<\/i>&nbsp;in den Tiefen der Erde\u00ab (139,13-15). Wir werden nicht vollkommen geboren \u2013 wir m\u00fcssen immerfort \u201egewoben\u201c und \u201egewirkt\u201c werden. Das Leben ist uns als Einladung geschenkt, auch weiterhin jenes \u201estaunenswert und wunderbar gestaltete\u201c Wesen zu \u201eweben\u201c, das wir sind.<\/p>\n<p>In diesem Sinne ist die Bibel die gro\u00dfe Liebesgeschichte zwischen Gott und der Menschheit. Im Mittelpunkt steht Jesus: seine Geschichte f\u00fchrt die Liebe Gottes zum Menschen und zugleich auch die Liebesgeschichte des Menschen mit Gott zur Vollendung. Und so ist der Mensch, von Generation zu Generation, gerufen, die wichtigsten Episoden dieser&nbsp;<i>Geschichte aus Geschichten<\/i>&nbsp;zu&nbsp;<i>erz\u00e4hlen<\/i>&nbsp;und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: jene Episoden, die geeignet sind, den Sinn dessen mitzuteilen, was sich zugetragen hat.<\/p>\n<p>Der Titel dieser&nbsp;<i>Botschaft<\/i>&nbsp;ist dem Buch Exodus entnommen, jener grundlegenden biblischen Erz\u00e4hlung, die beschreibt, wie Gott in die Geschichte seines Volks eingreift. Als die geknechteten Kinder Israels zu Gott rufen, schenkt er ihnen Geh\u00f6r und gedenkt ihrer: \u00bbGott&nbsp;<i>gedachte<\/i>&nbsp;seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. Gott blickte auf die Israeliten. Gott hatte es wahrgenommen\u00ab (<i>Ex<\/i>&nbsp;2,24-25). Das Gedenken Gottes f\u00fchrt durch Zeichen und Wunder zur Befreiung aus der Knechtschaft. Und an dieser Stelle offenbart Gott dem Mose auch den Sinn all dieser Zeichen: \u00bb&#8230;<i>damit<\/i>&nbsp;<i>du deinem Sohn und deinem Enkel erz\u00e4hlen kannst<\/i>, [&#8230;] welche Zeichen ich [&#8230;] vollbracht habe. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin!\u00ab (<i>Ex<\/i>&nbsp;10,2). Die Erfahrung des Exodus lehrt uns, dass die Erkenntnis Gottes vor allem dadurch vermittelt wird, dass man von Generation zu Generation erz\u00e4hlt, wie Gott auch weiterhin seine Pr\u00e4senz zeigt. Der Gott des Lebens tut sich kund, indem er das Leben erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Jesus selbst hat nicht in abstrakten Reden von Gott gesprochen, sondern in Gleichnissen, kurzen, dem Alltag entnommenen Erz\u00e4hlungen. Darin wird Leben Geschichte \u2013 und f\u00fcr den Zuh\u00f6rer wird die Geschichte dann zum Leben: diese Erz\u00e4hlung dringt in das Leben eines jeden ein, der ihr lauscht, und verwandelt es.<\/p>\n<p>So ist es kein Zufall, dass auch die Evangelien Erz\u00e4hlungen sind. Sie informieren uns nicht nur \u00fcber Jesus, sie sind auch \u201eperformativ\u201c&nbsp;<a title=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/papa-francesco_20200124_messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftn1\" href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/papa-francesco_20200124_messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftn1\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">[1]<\/a>, sie gestalten uns Jesus gleich: das Evangelium fordert den Leser auf, am Glauben Jesu teilzuhaben, um an seinem Leben Anteil zu erhalten. Das Johannesevangelium sagt uns, dass der Erz\u00e4hler schlechthin \u2013 der&nbsp;<i>logos<\/i>, das ewige Wort \u2013 Erz\u00e4hlung geworden ist: \u00bbDer Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er&nbsp;<i>hat Kunde gebracht<\/i>\u00ab (<i>Joh<\/i>&nbsp;1,18). Ich habe den Begriff \u201eerz\u00e4hlen\u201c gebraucht, weil der urspr\u00fcngliche Begriff&nbsp;<i>exegh\u00e9sato<\/i>&nbsp;sowohl mit \u201eKunde bringen\u201c als auch \u201eerz\u00e4hlen\u201c \u00fcbersetzt werden kann. Gott selbst hat sich in unsere Menschheit \u201eeingewoben\u201c und uns so eine neue Art und Weise geschenkt, unsere Geschichten zu weben.<\/p>\n<p><b>4. Eine Geschichte, die sich erneuert<\/b><\/p>\n<p>Die Geschichte Christi ist kein Erbe der Vergangenheit, sie ist unsere Geschichte, und sie ist stets aktuell. Sie zeigt uns, dass der Mensch, unser Fleisch, unsere Geschichte, Gott so sehr am Herzen lag, dass er selbst Mensch, Fleisch und Geschichte geworden ist. Und sie sagt uns auch, dass es keine unbedeutenden, \u201ekleinen\u201c menschlichen Geschichten gibt. Seit Gott Geschichte geworden ist, ist jede menschliche Geschichte in einem gewissen Sinne g\u00f6ttliche Geschichte. In der Geschichte eines jeden Menschen erkennt der Vater die Geschichte seines auf die Erde herabgestiegenen Sohnes wieder. Jede menschliche Geschichte hat eine ununterdr\u00fcckbare W\u00fcrde. Und deshalb verdient die Menschheit auch Geschichten, die ihrem Niveau entsprechen, jener schwindelerregenden und faszinierenden H\u00f6he, auf die Jesus sie emporgehoben hat.<\/p>\n<p>\u00bbUnverkennbar seid ihr ein Brief Christi \u2013 so bemerkte der heilige Paulus \u2013, \u2026 geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern \u2013 wie auf Tafeln \u2013 in Herzen von Fleisch\u00ab (<i>2Kor<\/i>&nbsp;3,3). Der Heilige Geist, die Liebe Gottes, schreibt in uns. Und indem er in uns schreibt, verankert er das Gute in uns und ruft es uns in Erinnerung.&nbsp;<i>&nbsp;Erinnern&nbsp;<\/i>bedeutet n\u00e4mlich<i>&nbsp;ans Herz legen<\/i>, ins Herz \u201eschreiben\u201c. Durch die Kraft des Heiligen Geistes kann jede Geschichte, selbst die vergessenste, selbst die, die auf den schiefsten Zeilen geschrieben zu sein scheint, Inspiration finden, als ein Meisterwerk wiedergeboren, zu einem Anhang des Evangeliums werden. Wie die&nbsp;<i>Bekenntnisse<\/i>&nbsp;des Augustinus. Wie der&nbsp;<i>&nbsp;Bericht des Pilgers<\/i>&nbsp;von Ignatius. Wie die&nbsp;<i>Geschichte einer Seele<\/i>&nbsp;der Theresia vom Kinde Jesus. Wie&nbsp;<i>Die Brautleute&nbsp;<\/i>von Manzoni oder&nbsp;<i>Die Br\u00fcder Karamasow<\/i>&nbsp;von Dostojewski. Und wie unz\u00e4hlige andere Geschichten, die die Begegnung der Freiheit Gottes mit der des Menschen auf bewundernswerte Weise in Szene gesetzt haben. Jeder von uns kennt verschiedene Geschichten, die den Duft des Evangeliums an sich haben und jene Liebe bezeugen, die das Leben verwandelt. Diese Geschichten verlangen danach, zu jeder Zeit, in jeder Sprache, mit jedem Mittel weitergegeben, erz\u00e4hlt und zum Leben erweckt zu werden.<\/p>\n<p><b>5. Eine Geschichte, die uns erneuert<\/b><\/p>\n<p>In jeder gro\u00dfen Geschichte kommt auch unsere eigene Geschichte vor. Wenn wir die Bibel lesen, die Geschichten der Heiligen und auch die Texte, die in der Seele des Menschen zu lesen und deren Sch\u00f6nheit ans Licht zu bringen vermochten, dann ist der Heilige Geist frei, in unser Herz zu schreiben und in uns die Erinnerung an das zu erneuern, was wir in den Augen Gottes sind. Wenn wir der Liebe gedenken, die uns geschaffen und erl\u00f6st hat, wenn wir in unsere Alltagsgeschichten Liebe einflie\u00dfen lassen, wenn wir in das Gewebe unseres t\u00e4glichen Lebens Barmherzigkeit hineinweben, dann schlagen wir wirklich ein neues Kapitel auf. Dann bleiben wir nicht l\u00e4nger in unserer Wehmut und unserer Traurigkeit gefangen und an eine krankhafte Erinnerung gebunden, die das Herz gefangen h\u00e4lt. Indem wir uns den anderen \u00f6ffnen, \u00f6ffnen wir uns auch der Vision des Erz\u00e4hlers selbst. Gott unsere Geschichte zu erz\u00e4hlen, ist nie umsonst: selbst wenn die \u00e4u\u00dferen Ereignisse unver\u00e4ndert bleiben, \u00e4ndern sich doch der Sinn und die Perspektive. Dem Herrn von sich zu erz\u00e4hlen bedeutet, seine Sichtweise anzunehmen, die voll barmherziger Liebe f\u00fcr uns und f\u00fcr die anderen ist. Ihm k\u00f6nnen wir unsere Erlebnisse erz\u00e4hlen, ihm k\u00f6nnen wir Menschen und Situationen anvertrauen. Mit Gott k\u00f6nnen wir das Geflecht des Lebens neu weben, seine Br\u00fcche und Risse flicken \u2013 wie sehr haben wir das alle n\u00f6tig!<\/p>\n<p>Mit dem Blick des Erz\u00e4hlers \u2013 dem Einzigen, der den letzten \u00dcberblick hat \u2013 n\u00e4hern wir uns dann den Protagonisten, unseren Br\u00fcdern und Schwestern, die wie wir eine Rolle auf der B\u00fchne der Geschichte von heute spielen. Auf der B\u00fchne der Welt ist n\u00e4mlich niemand ein Statist, und die Geschichte eines jeden ist offen f\u00fcr eine m\u00f6gliche Ver\u00e4nderung. Auch wenn wir vom B\u00f6sen erz\u00e4hlen, k\u00f6nnen wir lernen, Raum f\u00fcr die Erl\u00f6sung zu lassen, k\u00f6nnen wir inmitten des B\u00f6sen auch die Dynamik des Guten erkennen und ihr Raum geben.<\/p>\n<p>Es geht also nicht darum, der Logik des&nbsp;<i>storytellings<\/i>&nbsp;zu folgen und auch nicht darum, Werbung zu machen oder sich selbst zur Schau zu stellen, sondern das Gedenken an das zu bewahren, was wir in den Augen Gottes sind; f\u00fcr das Zeugnis abzulegen, was der Heilige Geist in unsere Herzen schreibt; allen zu offenbaren, dass ihre Geschichten herrliche Wunder enthalten. Vertrauen wir uns, damit wir das tun k\u00f6nnen, einer Frau an, die die menschliche Natur Christi in ihrem Scho\u00df \u201egewoben\u201c hat, und die \u2013 wie das Evangelium sagt \u2013 alles, was ihr widerfahren ist, zu einem Gewebe zusammengef\u00fcgt hat. Die Jungfrau Maria hat n\u00e4mlich alles bewahrt und in ihrem Herzen erwogen (vgl.&nbsp;<i>Lk<\/i>&nbsp;2,19). Bitten wir diejenige um ihre Hilfe, die es verstanden hat, die Knoten des Lebens mit der sanften Kraft der Liebe zu l\u00f6sen:<\/p>\n<p><i>O Maria, Frau und Mutter, du hast in deinem Scho\u00df das g\u00f6ttliche Wort gewoben, du hast mit deinem Leben vom wunderbaren Wirken Gottes erz\u00e4hlt. H\u00f6re unsere Geschichten, bewahre sie in deinem Herzen und mache auch jene Geschichten zu den deinen, die niemand h\u00f6ren will. Lehre uns, den guten Faden zu erkennen, der die Geschichte lenkt. Schaue auf die Unmenge an Knoten, in die unser Leben verstrickt ist und die unsere Erinnerung bet\u00e4uben. Deine sanften H\u00e4nde verm\u00f6gen jeden Knoten zu l\u00f6sen. Frau des Geistes, Mutter der Zuversicht, inspiriere auch uns. Hilf uns, Geschichten des Friedens, Geschichten der Zukunft zu schaffen. Und zeige uns den Weg, wie wir diese Geschichten gemeinsam leben k\u00f6nnen.<\/i><\/p>\n<p>Rom bei St. Johannes im Lateran,&nbsp;am 24. Januar 2020, dem Gedenktag des hl. Franz von Sales<\/p>\n<p class=\" text-center\"><b>Franciscus<\/b><\/p>\n<p><a title=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/papa-francesco_20200124_messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftnref1\" href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/communications\/documents\/papa-francesco_20200124_messaggio-comunicazioni-sociali.html#_ftnref1\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">[1]<\/a>&nbsp;Vgl. BENEDIKT XVI., Enz.&nbsp;<i><a title=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/benedict-xvi\/de\/encyclicals\/documents\/hf_ben-xvi_enc_20071130_spe-salvi.html\" href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/benedict-xvi\/de\/encyclicals\/documents\/hf_ben-xvi_enc_20071130_spe-salvi.html\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Spe salvi<\/a><\/i>, 2: \u00bbDie christliche Botschaft war nicht nur \u201einformativ\u201c, sondern \u201eperformativ\u201c \u2013 das hei\u00dft: Das Evangelium ist nicht nur Mitteilung von Wissbarem; es ist Mitteilung, die Tatsachen wirkt und das Leben ver\u00e4ndert. Die dunkle T\u00fcr der Zeit, der Zukunft, ist aufgesprengt. Wer Hoffnung hat, lebt anders; ihm ist ein neues Leben geschenkt worden\u00ab.<\/p>\n<p class=\" text-center\">\u00a9 Copyright &#8211; Libreria Editrice Vaticana<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/01\/Message_Papa_Francesco_Dimanchedesm\u00e9dias_2020_d.pdf\" download>Botschaft Papst Franziskus MS 2020\u00a0 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDamit du deinem Sohn und deinem Enkel erz\u00e4hlen kannst\u201c (Ex 10,2). 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