{"id":2661,"date":"2016-04-08T19:23:24","date_gmt":"2016-04-08T17:23:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=2661"},"modified":"2021-05-31T16:36:31","modified_gmt":"2021-05-31T14:36:31","slug":"der-weg-des-unterscheidens-und-begleitens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/der-weg-des-unterscheidens-und-begleitens\/","title":{"rendered":"Der Weg des Unterscheidens und Begleitens"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bischof Jean-Marie Lovey \u00fcber das postsynodale apostolische Schreiben &#8222;Amoris Laetitia&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Man hat es erwartet und erhofft, jetzt ist es da: das postsynodale apostolische Schreiben. Papst Franziskus publiziert es kaum sechs Monate nach Abschluss der Arbeiten der Bischofssynode \u00fcber die Familie. Sein Titel: Amoris Laetitia, Freude der Liebe. Er allein gibt schon einen interessanten <em>Schl\u00fcssel<\/em>, der die verschiedenen Zug\u00e4nge \u00f6ffnet. Der Papst, der an allen Plenarsitzungen der Synode teilnahm, h\u00f6rte diese Versammlung sagen: &#8222;Mit innerer Freude und tiefem Trost blickt die Kirche auf die Familien, die den Lehren des Evangeliums treu sind. Sie dankt ihnen f\u00fcr ihr Zeugnis und ermutigt sie darin. Dank Ihnen werden die Sch\u00f6nheit der unaufl\u00f6slichen Ehe und ihre immerw\u00e4hrende Treue glaubw\u00fcrdig.&#8220; (Relatio Synodi, Nr. 51)<\/strong><br><br>Das Dokument kann besser aufgenommen und fruchtbar werden, wenn der darin vorgezeichnete Weg durch die <strong>T\u00fcre des Unterscheidens<\/strong> eingeschlagen wird. Weil das Evangelium ein Schatz ist, der der Kirche zum Wohle aller anvertraut ist, ist es wichtig, dass er jeden in seinem wirklichen Leben und seiner konkreten Lage erreichen kann. Das Unterscheiden l\u00e4dt den Seelsorger dazu ein, ohne Verallgemeinerung die unterschiedlichen Situationen zu ber\u00fccksichtigen, in denen die Menschen, die Familien, die Paare leben. Die Situationen und ebenso die Weise, ihnen eine Antwort zu unterbreiten, sind oft komplex. &#8222;F\u00fcr eine Unterscheidung darf man keine bestimmte Formulierung einer Wahrheit f\u00fcr die zu treffende Wahl voraussetzen.&#8220; Es handelt sich nicht darum, die sehr unterschiedlichen Situationen zu &#8222;katalogisieren oder in allzu starre Aussagen einzuschliessen, ohne einer angemessenen pers\u00f6nlichen und pastoralen Unterscheidung Raum zu geben&#8220; (AL, Nr. 298)<br><br>Es geht vielmehr darum, eine <strong>Begleitung<\/strong> in allen Situationen anzubieten, auch den komplexesten, mit dem Wort Gottes als Unterscheidungsinstanz, mit dem Ziel, die Wirklichkeit jedes Lebens zu beleuchten. Sie ist eine andere T\u00fcre, die verlangt, dem Heiligen Geist gewissenhaft zu folgen. Nur in ihm, dem Heiligen Geist, &#8222;begegnen sich Liebe und Wahrheit&#8220; vollkommen. Die pastorale Unterscheidung bestimmt die Haltung der Kirche n\u00e4her. Sie ist dazu aufgerufen, alle Situationen zu begleiten und an das Gewissen der Menschen zu appellieren. Dieses gilt es zu bilden und nicht, es ersetzen zu wollen (cf. AL, Nr. 37). Anders gesagt, Begleiten heisst, in \u201eeiner klug differenzierten Weise\u201c mit den Anderen auf ihrem Weg Schritte zu machen.<br><br>Die T\u00fcre der Begleitung \u00f6ffnet sich auf jene der <strong>Inklusion<\/strong> und nicht des Ausschlusses. Die Inklusion setzt die Anstrengung voraus, die Verschiedenheit zu akzeptieren, mit Andersdenkenden zu sprechen, die Teilhabe jener zu bef\u00fcrworten, die unterschiedliche Eignungen haben. Papst Franziskus hatte uns bereits in seinen Katechesen damit vertraut gemacht, dass man &#8222;in der Familie, unter Br\u00fcdern, das menschliche Zusammenleben lernt, n\u00e4mlich wie man in Gesellschaft nebeneinander zu existieren hat&#8220; und ebenso, dass wir ab &#8222;unseren ersten Lebensjahren von der Pflege und dem Wohlwollen anderer abh\u00e4ngig sind&#8220;. Mit Blick auf die Personen, die in komplexen, &#8222;irregul\u00e4ren&#8220; Situationen leben, sagt der Text des p\u00e4pstlichen Schreibens: &#8222;Die Logik der Integration ist der Schl\u00fcssel ihrer pastoralen Begleitung&#8230; Sie sind Getaufte, sie sind Br\u00fcder und Schwestern, der Heilige Geist giesst Gaben und Charismen zum Wohl aller auf sie aus.&#8220; (AL, Nr. 299)<br><br>In diesem Jahr, in dem er das Jubil\u00e4um der Barmherzigkeit er\u00f6ffnet hat, ist die pastorale Sorge von Papst Franziskus, dass die T\u00fcren unserer Leben und die T\u00fcren der Kirche immer offen bleiben, damit wir &#8222;immer geneigt (sein m\u00f6gen) zu verstehen, zu verzeihen, zu begleiten, zu hoffen und vor allem einzugliedern&#8220;. (AL, Nr. 312)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jean-Marie Lovey<\/strong><br>Bischof von Sitten<br>Delegierter der Schweizer Bischofskonferenz<br>an der Generalversammlung der Bischofssynode 2015<\/p>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/papa-francesco_esortazione-ap_20160319_amoris-laetitia_d.pdf\" download>papa-francesco_esortazione-ap_20160319_amoris-laetitia_d <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man hat es erwartet und erhofft, jetzt ist es da: das postsynodale apostolische Schreiben. Papst Franziskus publiziert es kaum sechs Monate nach Abschluss der Arbeiten der Bischofssynode \u00fcber die Familie. Sein Titel: Amoris Laetitia, Freude der Liebe. Er allein gibt schon einen interessanten Schl\u00fcssel, der die verschiedenen Zug\u00e4nge \u00f6ffnet. Der Papst, der an allen Plenarsitzungen der Synode teilnahm, h\u00f6rte diese Versammlung sagen: &#8222;Mit innerer Freude und tiefem Trost blickt die Kirche auf die Familien, die den Lehren des Evangeliums treu sind. Sie dankt ihnen f\u00fcr ihr Zeugnis und ermutigt sie darin. Dank Ihnen werden die Sch\u00f6nheit der unaufl\u00f6slichen Ehe und ihre immerw\u00e4hrende Treue glaubw\u00fcrdig.&#8220; (Relatio Synodi, Nr. 51)<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":2663,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[147],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2661"}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2661"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2661\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8777,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2661\/revisions\/8777"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2663"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2661"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2661"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2661"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}