{"id":2621,"date":"2020-05-14T17:48:59","date_gmt":"2020-05-14T15:48:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=2621"},"modified":"2020-11-18T16:20:50","modified_gmt":"2020-11-18T15:20:50","slug":"christkatholisch-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/christkatholisch-in-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Christkatholisch in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<div id=\"yui_3_15_0_1_1589471051093_191\" class=\"attribute-title\"><strong><span style=\"font-size: inherit\">Die Namen christkatholisch in der Schweiz und altkatholisch in anderen L\u00e4ndern bezeichnen selbst\u00e4ndige, miteinander zu einer Gemeinschaft (die &#8222;Utrechter Union&#8220;) verbundene Kirchen, die im Glauben und im Gottesdienst katholisch ausgerichtet und in ihrer Verfassung bisch\u00f6flich-synodal gepr\u00e4gt sind. Die beiden Namen beinhalten auch ein kirchliches Programm. Christkatholisch: Christus soll das Haupt der (katholischen) Kirche sein. Altkatholisch: Die Alte (katholische) Kirche des ersten Jahrtausends soll die Grundlage sein f\u00fcr eine Reform der Kirche, die auf ihre Einheit und die Erneuerung ihrer Glieder zielt. Die Alte Kirche ist Kontrastmodell zu sp\u00e4teren Entwicklungen: Sie ist noch nicht in auseinanderstrebende Konfessionskirchen gespalten, und sie wird nicht von einem alles bestimmenden Zentrum aus regiert.<\/span><\/strong><\/div>\n<div class=\"attribute-description\">\n<p><b>Entstehung und Reformen<\/b><br \/>\nAuf dem 1. Vatikanischen Konzil wurden 1870 nach heftigen Auseinandersetzungen zwei die Gl\u00e4ubigen bindende Glaubenswahrheiten verk\u00fcndet: 1) dem Papst kommt als dem obersten Haupt der Kirche die Regierungsvollmacht \u00fcber die ganze Kirche zu; 2) die Entscheidungen des Papstes sind unfehlbar, wenn er als oberster Hirte und Lehrer in Fragen des Glaubens und der Sitte spricht.<br \/>\nDamit kam in der katholischen Kirche eine Entwicklung zu einem Abschluss, die in der Vergangenheit immer wieder umstritten war und Widerst\u00e4nde ausgel\u00f6st hatte und die auch die grossen Trennungen mitbedingt hatte. Katholiken, die nun offen gegen diese beiden Dogmen des Jurisdiktionsprimates und der Lehrunfehlbarkeit des Papstes auftraten, weil sie die p\u00e4pstliche Machtzentrierung und das damit verbundene Kirchenverst\u00e4ndnis ablehnten, hatten keinen Platz mehr in ihrer Kirche, sie wurden exkommuniziert.<br \/>\nDies alles f\u00fchrte in Deutschland, der Schweiz und \u00d6sterreich zur Entstehung von altkatholischen Bist\u00fcmern. In der Schweiz dauerte das von 1871-1876. 1875 konstituierte sich eine nationale Synode, und sie genehmigte eine Kirchenverfassung. 1876 w\u00e4hlte sie in der Person des fr\u00fcher in Luzern lehrenden Theologieprofessors Eduard Herzog (1841-1924) ihren ersten Bischof. Er wurde vom deutschen altkatholischen Bischof geweiht, der seinerseits von einem Bischof der Kirche von Utrecht (NL) die Bischofsweihe empfangen hatte. Die seit dem 8. Jahrhundert bestehende Kirche von Utrecht geriet 1723\/24 anl\u00e4sslich der Wahl und der Weihe eines neuen Erzbischofs von Utrecht, die der Papst nicht erlauben wollte, mit Rom in einen Zustand der Trennung. \u00dcber die Kirche von Utrecht stehen alle altkatholischen Kirchen in der sogenannten apostolischen Sukzession.<br \/>\nMit der Entstehung der von einigen Kantonsregierungen gef\u00f6rderten christkatholischen Kirche waren zun\u00e4chst grosse Hoffnungen verbunden. Es zeigte sich aber bald, dass sie eine Minderheit blieb. Das hatte auch mit den anfangs chaotischen Verh\u00e4ltnissen der christkatholischen Bewegung im sogenannten Kulturkampf zu tun, die viele abschrecken mussten. Abgesehen vom aargauischen Fricktal und dem solothurnischen Niederamt bildeten sich auf Dauer nur in den grossen, meist urspr\u00fcnglich reformierten St\u00e4dten und einigen wirtschaftlich aufstrebenden Orten christkatholische Gemeinden. Das geschah dort, wo Katholiken sich einem politischen Liberalismus ge\u00f6ffnet hatten und sich gegen alles wehrten, was sie als geistliche Bevormundung empfanden.<br \/>\nDie Christkatholische Kirche der Schweiz verband ihren Protest gegen die Papstdogmen mit Reformen (u.a. Verwendung der Muttersprache im Gottesdienst, Einf\u00fchrung von allgemeinen Bussfeiern, Aufhebung des Pflichtz\u00f6libats f\u00fcr Geistliche). Es waren Reformen, die mit dem 2. Vatikanischen Konzil teilweise auch in der r\u00f6misch-katholischen Kirche verwirklicht wurden.<br \/>\nWichtig war die Mitbeteiligung von Laien an der Leitung der Kirche. Das wurde etwa mit der Errichtung einer Synode (vom griechischen Wort &#8222;zusammen einen Weg gehen&#8220;), zu der die Geistlichen und Laiendelegierte der Kirchgemeinden geh\u00f6ren, verwirklicht. In der bisch\u00f6flich-synodalen Kirchenstruktur tritt die grunds\u00e4tzliche Mitverantwortung aller Getauften am Leben der Kirche wohl am deutlichsten in Erscheinung. Damit wurden Anliegen aufgenommen, die heute etwa mit der Forderung nach &#8222;Demokratisierung der Kirche&#8220; formuliert werden.<\/p>\n<p><b>Die Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen<\/b><br \/>\nEs brauchte einige Jahre der Kl\u00e4rung und Konsolidierung, bis die vier genannten Kirchen mit ihrer geschichtlich verschiedenen Herkunft sich als eine verbindliche Gemeinschaft erkennen konnten. Das geschah 1889 in Utrecht, wo sich die Bisch\u00f6fe mit ihren Kirchen zur sogenannten Utrechter Union zusammenschlossen. Sie legten auch in der Gestalt der sogenannten &#8222;Utrechter Konvention&#8220; die Grunds\u00e4tze ihrer kirchlichen Einheit und Gemeinschaft fest.<br \/>\nSp\u00e4ter stiessen noch weitere bisch\u00f6flich-synodale Kirchen dazu. Heute geh\u00f6ren zur Utrechter Union sieben altkatholische Kirchen in den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz, \u00d6sterreich, Tschechien, Polen und Kroatien. Hinzu kommt die historisch bedingte Jurisdiktion in Frankreich (Mission Vieille-catholique francophone, Union d&#8216; Utrecht).<\/p>\n<p><b>Die weitere Suche nach der Einheit &#8211; \u00d6kumene<\/b><br \/>\nDie Reformen standen von Anfang an im Zusammenhang mit dem Bem\u00fchen, der Wiedervereinigung der Kirchen zu dienen. Die grunds\u00e4tzliche, in Freiheit und Bindung sich vollziehende Orientierung an dem Glauben, dem Gottesdienst und der Verfassung der Alten Kirche f\u00fchrte die entstehenden altkatholischen Kirchen in engere Beziehungen zu den orthodoxen und den anglikanischen Kirchen. Die Altkatholiken haben in ihnen diejenigen gesehen, die ihnen theologisch am n\u00e4chsten stehen und mit denen sie in einem gewissen Sinn eine Mitte bilden zwischen der r\u00f6misch-katholischen Kirche und den reformatorischen Kirchen.<br \/>\nEs besteht seit 1931 kirchliche Gemeinschaft (&#8222;full communion&#8220;, Amts- und Sakramentsgemeinschaft) mit den Anglikanischen Kirchen. Ein intensiver theologischer Dialog mit der gesamten Orthodoxen Kirche hat 1975-1987 zur Erkenntnis einer gemeinsamen Basis im Glauben gef\u00fchrt, doch stehen einer kirchlichen Gemeinschaft noch Hindernisse entgegen.<br \/>\nEine praktisch ausgerichtete \u00f6kumenische Arbeit verbindet die christkatholischen Gemeinden in der Schweiz mit der evangelisch-reformierten und seit dem 2. Vatikanischen Konzil mit der r\u00f6misch-katholischen Kirche; im Verh\u00e4ltnis zu ihr hat jahrzehntelange gegenseitige Verunglimpfung einer freundlichen Ann\u00e4herung Platz gemacht.<br \/>\nAltkatholische Kirchen geh\u00f6ren auf Grund ihres Antrittgesetzes zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern des \u00d6kumenischen Rates der Kirchen (\u00d6RK). Auf europ\u00e4ischer (Konferenz Europ\u00e4ischer Kirchen) und nationaler Ebene (Arbeitsgemeinschaften christlicher Kirchen) suchen sie weiterhin einen Beitrag zu leisten, der \u00fcber ihre zahlenm\u00e4ssige Bedeutung hinaus geht.<\/p>\n<p><b>Heutiger Bestand<\/b><br \/>\nIn der Schweiz bekennen sich gegenw\u00e4rtig rund 12&#8217;000 Menschen zur christkatholischen Kirche. Etwa die H\u00e4lfte lebt aus geschichtlichen Gr\u00fcnden in den Kantonen <a title=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/landeskircheaargau\" href=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/landeskircheaargau\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Aargau <\/a>und <a title=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/solothurn\" href=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/solothurn\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Solothurn<\/a>. Kirchgemeinden gibt es im weiteren in den Kantonen <a title=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/zuerich\" href=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/zuerich\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Z\u00fcrich<\/a>, <a title=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/bern\" href=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/bern\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Bern<\/a>, <a title=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/luzern\" href=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/luzern\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Luzern<\/a>, <a title=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/baselstadt\" href=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/baselstadt\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Basel-Stadt<\/a>, <a title=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/baselland\" href=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/baselland\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Basel-Land<\/a>, <a title=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/schaffhausen\" href=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/schaffhausen\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Schaffhausen<\/a>, <a title=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/stgallen\" href=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/stgallen\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">St. Gallen<\/a>, <a title=\"https:\/\/www.catholique-chretien.ch\/neuchatel\/neuchatel.php\" href=\"https:\/\/www.catholique-chretien.ch\/neuchatel\/neuchatel.php\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Neuenburg <\/a>und <a title=\"https:\/\/www.catholique-chretien.ch\/geneve.php\" href=\"https:\/\/www.catholique-chretien.ch\/geneve.php\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Genf<\/a>. Wo in diesen Kantonen Kirchen \u00f6ffentlich-rechtlich anerkannt sind, gelten die Christkatholiken neben den R\u00f6misch-Katholiken und den Reformierten als eine Landeskirche.<br \/>\nEin grosser Teil der Christkatholiken lebt aber wegen der modernen Mobilit\u00e4t zerstreut \u00fcber die ganze Schweiz, in gr\u00f6sserer oder geringerer N\u00e4he zu den <a title=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/kirchgemeinden\" href=\"https:\/\/christkatholisch.ch\/kirchgemeinden\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">bestehenden Kirchgemeinden<\/a>. Die Kirche hat f\u00fcr die Diaspora ein Netz der Betreuung (Religionsunterricht, Seelsorge, Gottesdienste) geschaffen, das grosse Anstrengungen erfordert.<br \/>\nDer Sitz des Bischofs ist in Bern. An der dortigen Universit\u00e4t befindet sich das Christkatholische Departement (als Teil der Theologischen Fakult\u00e4t), das nicht nur die k\u00fcnftigen Geistlichen f\u00fcr die Schweiz ausbildet, sondern auch die einzige altkatholische universit\u00e4re Einrichtung der Welt mit Promotions- und Habilitationsrecht ist. An ihm absolvieren immer wieder Studierende aus anderen altkatholischen Kirchen und besonders auch aus orthodoxen Kirchen eine Nachdiplom-Weiterbildung oder ein Doktoratsstudium.<br \/>\nDas Christkatholische Hilfswerk &#8222;Partner sein&#8220; unterst\u00fctzt regelm\u00e4ssig kleinere Entwicklungsprojekte in Osteuropa und in der dritten Welt, hier oft in Zusammenarbeit mit anglikanischen Bist\u00fcmern oder der Philippinischen Unabh\u00e4ngigen Kirche.<\/p>\n<p><b>Gegenwart und Zukunft<\/b><br \/>\nDie meisten Kirchgemeinden haben 300 bis 500 Mitglieder. Das erm\u00f6glicht ein \u00fcbersichtliches Gemeinschaftsleben, das seinen Mittelpunkt in der Eucharistiefeier am Sonntag hat. Was dar\u00fcber hinaus auf Gemeinde-, Regional- oder Bistumsebene angeboten wird, l\u00e4sst sich hier nicht aufz\u00e4hlen. Neue Wege k\u00f6nnen auf verschiedenen Ebenen des Bistums diskutiert und allenfalls auch verwirklicht werden. So hat die christkatholische Kirche, nach ausf\u00fchrlichen Konsultationen im Schoss der Utrechter Union und unter Mitber\u00fccksichtigung des theologischen Gespr\u00e4chs in anderen Kirchen, die Grundlage daf\u00fcr gelegt, dass mit dem apostolischen Amt (Bischof, Priester\/Presbyter, Diakon) auch Frauen betraut werden.<br \/>\nFreilich gilt auch f\u00fcr die christkatholische Kirche, dass sie trotz ihrer geringen Zahl den Charakter einer Volkskirche hat, wo etwa 20 % der getauften Mitglieder sich am Leben der Kirche beteiligen, w\u00e4hrend die \u00fcbrigen sie ideell und materiell unterst\u00fctzen m\u00f6gen. Ihre Kleinheit kann Geborgenheit vermitteln, sie kann aber auch zu Enge und Kleinmut f\u00fchren, wovon es sich zu befreien gilt.<br \/>\nUmso mehr kommt in der christkatholischen Kirche das Engagement von Menschen zum Tragen, die vom Evangelium Gottes angestossen sind und die in einem mit den Wurzeln verbundenen, weltoffenen Katholizismus zu leben gewillt sind.<\/p>\n<p><i>\u00a9\u00a02012 by Christkatholische Kirche der Schweiz<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"yui_3_15_0_1_1589471265243_204\" class=\"content-view-sidebar\">\n<div id=\"yui_3_15_0_1_1589471265243_203\" class=\"class-sbk_kommission bg-gradient p5\">\n<div class=\"attribute-website\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Namen christkatholisch in der Schweiz und altkatholisch in anderen L\u00e4ndern bezeichnen selbst\u00e4ndige, miteinander zu einer Gemeinschaft (die &#8222;Utrechter Union&#8220;) verbundene Kirchen, die im Glauben und im Gottesdienst katholisch ausgerichtet und in ihrer Verfassung bisch\u00f6flich-synodal gepr\u00e4gt sind. 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