{"id":2408,"date":"2018-02-19T11:00:54","date_gmt":"2018-02-19T10:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=2408"},"modified":"2020-12-11T10:13:28","modified_gmt":"2020-12-11T09:13:28","slug":"tag-des-judentums-am-25-februar-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/tag-des-judentums-am-25-februar-2018\/","title":{"rendered":"Tag des Judentums am 25. Februar 2018"},"content":{"rendered":"<div class=\"attribute-short_description\">\n<div class=\"attribute-short_description\">\n<div id=\"yui_3_15_0_1_1589272411469_199\" class=\"attribute-sub_title\">\n<div class=\"attribute-sub_title\">\n<p><strong>(Zweiter Fastensonntag)<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"attribute-short_description\">Vor 70 Jahren, im Mai 1948, wurde aufgrund des vorangegangenen Entscheids der UNO der Staat Israel begr\u00fcndet. Er stellt heute einen konstitutiven Teil des Judentums dar. Angesichts des runden Geburtstags und der Notwendigkeit, m\u00f6glichst objektiv \u00fcber die Geschichte zu informieren, anbei ein Text von Dr. Simon Erlanger. Die theologischen Impulse und Predigthilfen zur Liturgiegestaltung am Tag des Judentums finden sie in der Wegleitung.<\/div>\n<\/div>\n<div>\u00a0<\/div>\n<div id=\"yui_3_15_0_1_1589272411469_199\" class=\"attribute-sub_title\">\n<div class=\"attribute-description\">\n<p><strong>Vor 70 Jahren wurde der Staat Israel gegr\u00fcndet<\/strong><\/p>\n<p>Im Mai 2018 begehen wir das 70-Jahr-Jubil\u00e4um der Gr\u00fcndung des Staates Israel. Einige Monate zuvor, am 29. November 2017, waren es genau 70 Jahre, seit die UNO in New York mit 33 gegen 13 Stimmen bei 10 Enthaltungen die Teilung des seit 1920 existierenden britischen Mandatsgebietes in einen j\u00fcdischen und in einen arabischen Staat beschlossen hatte. Der Jischuw, die sich selbst verwaltende politische K\u00f6rperschaft der Juden Pal\u00e4stinas, und die zionistische Weltorganisation stimmten dem Teilungsplan zu. Die Arabische Liga und die Araber Pal\u00e4stinas lehnten die Teilung ab. Und so wurde mit dem offiziellen Ende der britischen Herrschaft am 14. Mai 1948 zwar der Staat Israel ausgerufen, nicht aber ein arabisch-pal\u00e4stinensischer Staat.<\/p>\n<p>Noch in der gleichen Nacht griffen die Armeen Syriens, \u00c4gyptens, Jordaniens, Libanons und des Iraks das neugeborene Israel an, nachdem schon seit Herbst 1947 im Lande ein Guerillakrieg zwischen irregul\u00e4ren arabischen Truppen und dem Jischuw getobt hatte. Das j\u00fcdische Westjerusalem und das j\u00fcdische Quartier in der Altstadt wurden von arabischen K\u00e4mpfern belagert und waren zeitweise von der Aussenwelt abgeschnitten. Nach anf\u00e4nglicher Bedr\u00e4ngnis konnte sich Israel aber halten und sein Staatsgebiet konsolidieren. Es ging trotz schwerer Opfer siegreich aus dem Konflikt hervor. Rund 650&#8217;000 pal\u00e4stinensische Araber flohen aus dem Gebiet des neuen Staates oder wurden im Laufe der K\u00e4mpfe vertrieben. Fast gleichzeitig mussten, zum Teil als Folge des Krieges, bis 1964 fast eine Million nordafrikanischer und orientalischer Juden ihre Heimat verlassen. Im Fr\u00fchjahr 1949 unterzeichneten Israel und die arabischen Staaten Waffenstillstandabkommen. Die Linien, wo die Armeen bei Abschluss der K\u00e4mpfe standen, wurden dabei zu de Facto-Grenzen, die bis zum Sechstagekrieg 1967 galten. In den Jahren nach 1949 verdreifachte sich Israels j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung von 800&#8217;000 Personen auf rund zwei Millionen. Heute leben in Israel (ohne pal\u00e4stinensische Autonomiegebiete) rund 8,8 Millionen Menschen. 74,6% sind Juden, 20,9% vorwiegend sunnitisch-muslimische Araber und Drusen sowie 4,5 % sogenannte \u201eAndere\u201c. Mit rund 170&#8217;000 Personen bilden die christlichen Konfessionen eine Minderheit, die aber als eine der wenigen christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten ein Wachstum aufweist.<\/p>\n<p><b>Ursachen<\/b><\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung des Staates Israel ist aus der europ\u00e4ischen Geschichte und aus dem nah\u00f6stlichen Geschehen des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts heraus zu verstehen. Die zionistische Vision, ein Gemeinwesen in Pal\u00e4stina, dem &#8222;Land der V\u00e4ter&#8220;, zu schaffen, war eine Antwort auf das Scheitern der j\u00fcdischen Emanzipation. In Frankreich, Deutschland und \u00d6sterreich kam mit dem rassistisch und pseudowissenschaftlich argumentierenden Antisemitismus eine neue Form der Judenfeindschaft auf. Im Osten f\u00fchrten antij\u00fcdische Massnahmen und Pogrome zu einer Verelendung der j\u00fcdischen Massen und zur Auswanderung von bis zu 2,5 Millionen Juden in die USA, die ab 1924 ihre Tore schlossen. In dieser Situation suchte der Zionismus das j\u00fcdische Selbstverst\u00e4ndnis neu zu definieren und mit dem Aufbau einer Heimst\u00e4tte den j\u00fcdischen Massen eine Zufluchtsst\u00e4tte zu errichten.<\/p>\n<p>&#8222;Vater des politischen Zionismus&#8220; war der Wiener Journalist und Autor Theodor Herzl, Gr\u00fcnder und Pr\u00e4sident der 1897 in Basel gegr\u00fcndeten Zionistischen Weltorganisation (WZO). Durch die Dreyfus-Aff\u00e4re in Frankreich (ein j\u00fcdischer Offizier war zu Unrecht der Spionage f\u00fcr Deutschland angeklagt), wurde die Republik von Antisemitismus erfasst und geriet in eine tiefe Krise. Unter diesem Eindruck hatte Herzl mit der Schrift \u201eDer Judenstaat\u201c das Konzept j\u00fcdischer Souver\u00e4nit\u00e4t und der R\u00fcckkehr in das alt-neue Land entworfen. 1897 rief er zum ersten Zionistenkongress nach Basel. Die rund 200 Delegierten verabschiedeten das \u201eBasler Programm\u201c f\u00fcr die Schaffung eines j\u00fcdischen Staates in Pal\u00e4stina. \u201eIn Basel habe ich den Judenstaat gegr\u00fcndet\u201c, so Herzl damals. Ziel war die \u201eSchaffung einer \u00f6ffentlich-rechtlich gesicherten Heimst\u00e4tte in Pal\u00e4stina&#8220;. Zun\u00e4chst schien Herzls Vision illusorisch. Erst der Erste Weltkrieg brachte den Durchbruch, als der britische Au\u00dfenminister Arthur James Balfour anfangs November 1917 in einem an den Pr\u00e4sidenten der Englischen Zionistischen F\u00f6deration adressierten Brief die Unterst\u00fctzung seiner Regierung f\u00fcr \u201edie Schaffung einer nationalen Heimst\u00e4tte in Pal\u00e4stina f\u00fcr das j\u00fcdische Volk&#8220; zusicherte. Die Balfour-Deklaration wurde vom neu gegr\u00fcndeten V\u00f6lkerbund 1920 an der Konferenz von San Remo \u00fcbernommen und so V\u00f6lkerrecht. Das V\u00f6lkerbundmandat Pal\u00e4stina\/Eretz Israel (so der offizielle Name) wurde aufgegleist und an die britische Besatzungsmacht \u00fcbergeben. 1922 trennten die Engl\u00e4nder Jordanien vom Mandat ab.<\/p>\n<p>Mittlerweile trafen sich die Zionisten aller Schattierungen fast jedes Jahr. Der 22. Zionistenkongress, der vom 9. bis zum 22. Dezember 1946 in Basel stattfand, war der letzte Kongress vor der Gr\u00fcndung Israels und der folgenreichste. Hatte sich die zionistische Bewegung seit der Balfour-Deklaration von 1917 mit einer sogenannten \u201eHeimst\u00e4tte\u201c innerhalb des britischen Empires zufriedengegeben, dies seit 1919 in Koordination mit der arabischen Dynastie der Haschemiten, forderte man 1946 ein v\u00f6llig souver\u00e4nes Staatswesen. Erst anderthalb Jahre davor war die Schoah (der Holocaust) zu Ende gegangen. Zwei Drittel der Juden Europas waren ermordet worden. \u00dcber 250&#8217;000 \u00dcberlebende lebten als \u201eDisplaced Persons (DPs)\u201c in sogenannten \u201eDP-Camps\u201c in S\u00fcddeutschland und \u00d6sterreich. Den meisten war der Weg zur\u00fcck in ihre Heimatl\u00e4nder aufgrund des dort nach wie vor tobenden Antisemitismus versperrt. Nach 1945 fielen allein in Polen zwischen 1500 und 2000 Juden Pogromen zum Opfer. Zehntausende flohen darum nach Westen. Niemand wusste, was mit den Fl\u00fcchtlingen geschehen sollte. Nur relativ kleine Kontingente wurden von den USA, Australien und Kanada aufgenommen. Die Auswanderung nach Pal\u00e4stina erschien allgemein als L\u00f6sung.<\/p>\n<p><b>Sammlung der \u00dcbriggebliebenen<\/b><\/p>\n<p>Das demographische, kulturelle, religi\u00f6se und politische Zentrum j\u00fcdischen Lebens war durch die Schoah gewaltsam verschoben worden, weg von Europa hin zum k\u00fcnftigen Israel und den Vereinigten Staaten. Dies ist bis heute so geblieben.<\/p>\n<p>Seit Oktober 1945 besch\u00e4ftigte sich eine \u201eAnglo-Amerikanische Untersuchungskommission\u201c unter der Leitung des Juristen Earl G. Harrison im Auftrag von US-Pr\u00e4sident Truman mit der Lage der \u00fcberlebenden Juden in Europa. Harrison kam zum Schluss, dass es f\u00fcr sie keine andere L\u00f6sung gebe, als Europa in Richtung Pal\u00e4stina zu verlassen. Er forderte darum im Mai 1946 die sofortige Ausstellung von 100&#8217;000 Einwanderungszertifikaten. Eine entsprechende Forderung erging von Truman an den britischen Premierminister Attlee, der sie umgehend zur\u00fcckwies. Das durch den Krieg geschw\u00e4chte britische Empire wollte nicht die strategisch wichtigen arabischen Staaten gegen sich aufbringen. Die j\u00fcdische Einwanderung nach Pal\u00e4stina, wo schon 1946 ein j\u00fcdisches Gemeinwesen mit 600\u2019000 Menschen bestand, blieb deshalb weitgehend illegal. Die Briten suchten Einwandererschiffe abzufangen und die j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlinge entweder wieder nach Europa zur\u00fcckzuschicken oder auf Zypern zu internieren. Dies sorgte weltweit f\u00fcr Irritation.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund waren die Beratungen und Beschl\u00fcsse des Basler Kongresses entscheidend. Wollte man aufgrund der Spannungen in und um Pal\u00e4stina auf ein souver\u00e4nes j\u00fcdisches Gemeinwesen dort verzichten oder nicht? Oder hatte nach der Schoah das Projekt einer j\u00fcdischen Heimst\u00e4tte neue Dringlichkeit erhalten? War ein Wiederaufbau der europ\u00e4ischen Gemeinden angesichts des anhaltenden Antisemitismus \u00fcberhaupt m\u00f6glich? Auf dem Basler Kongress wurden Weichen gestellt f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahrzehnte und die Gr\u00fcndung Israels nur anderthalb Jahre sp\u00e4ter aufgegleist. Zentral war dabei die \u00dcbernahme der Forderungen der Biltmore-Konferenz von 1942 in New York, wo angesichts der Vernichtung der Juden in Europa die sofortige Errichtung eines j\u00fcdischen Staates gefordert worden war.<\/p>\n<p><b>Kein Neubeginn in Europa<\/b><\/p>\n<p>Der Basler Zionistenkongress von 1946 brach unter dem Eindruck des Holocaust mit der stillen und geduldigen Diplomatie der vergangenen f\u00fcnf Jahrzehnte. Die Errichtung eines j\u00fcdischen Staats wurde als dringlich erkl\u00e4rt. Das Ziel voller Souver\u00e4nit\u00e4t wurde artikuliert und in der Folge systematisch vorangetrieben. Nur elf Monate nach dem Basler Kongress beschloss dann die UN am 29. November 1947 die Teilung Pal\u00e4stinas in einen j\u00fcdischen und in einen arabischen Staat. Am 15. Mai 1948 wurde der Staat Israel ausgerufen. Die meisten \u201eDisplaced Persons\u201c gingen in das neu gegr\u00fcndete Israel.<\/p>\n<p><b>Vatikan und Staat Israel<\/b><\/p>\n<p>Erst 45 Jahre nach der Gr\u00fcndung des Staates Israel, am 30. Dezember 1993, kam es zur vollen v\u00f6lkerrechtlichen Anerkennung durch den Vatikan und zu einem Grundlagenvertrag zwischen dem Apostolischen Stuhl und dem Staat Israel, dem 1994 der Austausch von Botschaftern folgte. Politisch wurden die Rechtspositionen gekl\u00e4rt und symbolisch die katholischen und j\u00fcdischen, israelischen Beziehungen gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><b>Dr. Simon Erlanger, Historiker und Journalist, Lehr- und Forschungsbeauftragter am Institut f\u00fcr J\u00fcdisch-Christliche Forschung der Universit\u00e4t Luzern und Mitglied der J\u00fcdisch\/R\u00f6misch-Katholischen Gespr\u00e4chskommission<\/b><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/TextDiesIudaicus2018Israel180104_d-1.pdf\" download>TTag des Judentums 2018 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 70 Jahren, im Mai 1948, wurde aufgrund des vorangegangenen Entscheids der UNO der Staat Israel begr\u00fcndet. Er stellt heute einen konstitutiven Teil des Judentums dar. 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