{"id":2363,"date":"2019-01-14T10:41:13","date_gmt":"2019-01-14T09:41:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=2363"},"modified":"2021-01-25T14:01:44","modified_gmt":"2021-01-25T13:01:44","slug":"tag-des-judentums-am-17-maerz-2019-zweiter-fastensonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/tag-des-judentums-am-17-maerz-2019-zweiter-fastensonntag\/","title":{"rendered":"Tag des Judentums am 17. M\u00e4rz 2019 (Zweiter Fastensonntag)"},"content":{"rendered":"<h5 id=\"yui_3_15_0_1_1589272411469_198\">Der katholisch-j\u00fcdische Dialog als fortw\u00e4hrender Prozess<\/h5>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"attribute-short_description\">\n<div class=\"attribute-short_description\">\n<div id=\"yui_3_15_0_1_1589272411469_199\" class=\"attribute-sub_title\">\n<p id=\"yui_3_15_0_1_1589272411469_198\"><strong style=\"font-size: inherit\">Die Konzilserkl\u00e4rung <i>Nostra Aetate<\/i>&nbsp;brachte 1965 die kopernikanische Wende im Verh\u00e4ltnis der katholischen Kirche zum Judentum.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"yui_3_15_0_1_1589272411469_202\" class=\"attribute-description\">\n<p>Es war die Entdeckung der j\u00fcdischen Wurzeln des Christentums und des gemeinsamen geistlichen Erbes. Die Kirche bekannte sich zur j\u00fcdischen Abstammung von Jesus, Maria, den J\u00fcngern und ersten Aposteln. Sie verurteilte Rassismus und Antisemitismus und rief zum br\u00fcderlichen Gespr\u00e4ch auf.<\/p>\n<p>Nach Jahrhunderten der Entfremdung und der Feindschaft entfaltete sich ein Klima des Vertrauens und des gegenseitigen Respekts. Zahlreiche Dokumente zum j\u00fcdisch-christlichen Dialog wurden von 1945 bis 2018 vor allem von christlicher Seite auf nationaler und internationaler Ebene ver\u00f6ffentlicht. Viele dieser Botschaften sind noch an die Basis zu vermitteln. So f\u00fchrte die katholische Kirche in der Schweiz 2011 den&nbsp;<i>Tag des Judentums<\/i>&nbsp;ein, der alle Christen und Christinnen zur Begegnung mit der j\u00fcdischen Mutterreligion einl\u00e4dt.<\/p>\n<p>Nicht nur eine r\u00fcckblickende W\u00fcrdigung der Konzilserkl\u00e4rung brachte das Dokument, das am 15. Dezember 2015 von der Kommission f\u00fcr die religi\u00f6sen Beziehungen zum Judentum ver\u00f6ffentlicht und von dem Pr\u00e4sidenten der Kommission, Kardinal Kurt Koch, unterzeichnet wurde:&nbsp;<i>\u201eDenn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gew\u00e4hrt\u201c (R\u00f6m 11,29) \u2013 Reflexionen zu theologischen Fragestellungen in den katholisch-j\u00fcdischen Beziehungen aus Anlass des 50j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums von Nostra aetate (Nr. 4)<\/i>. Auch neue Akzente und Herausforderungen werden hier formuliert. So wird die Sonderstellung der j\u00fcdisch-katholischen Beziehungen innerhalb des interreligi\u00f6sen Dialogs betont, und es werden die Themen der Heilsuniversalit\u00e4t Jesu Christi, des ungek\u00fcndigten Bundes Gottes mit Israel sowie des Evangelisierungsauftrags der Kirche im Verh\u00e4ltnis zum Judentum behandelt. Zudem \u201ewird einer Substitutionstheologie der Boden entzogen\u201c: \u201eW\u00e4hrend die Kirche am Heil durch einen expliziten oder impliziten Glauben an Christus festh\u00e4lt, stellt sie die [\u2026] fortdauernde Liebe Gottes zu seinem auserw\u00e4hlten Volk Israel nicht in Frage\u201c (Nr. 17). Es wird betont, dass beide Religionsgemeinschaften \u201eim Laufe der Jahre verl\u00e4ssliche Partner und sogar gute Freunde\u201c geworden seien, die auch Konflikte konstruktiv austragen (Nr. 2).<\/p>\n<p>Nach der j\u00fcdisch-amerikanischen Stellungnahme&nbsp;<i>Dabru Emet<\/i>&nbsp;<i>(\u201eRedet Wahrheit!\u201c<\/i>) vom 11. September 2000 vergingen Jahre, bis in unserer Gegenwart zwei bahnbrechende j\u00fcdisch-orthodoxe Erkl\u00e4rungen erschienen: Das rabbinische Dokument&nbsp;<i>To Do the Will of Our Father in Heaven: Toward a Partnership between Jews and Christians<\/i>&nbsp;<i>(Den Willen unseres Vaters im Himmel tun: Hin zu einer Partnerschaft zwischen Juden und Christen<\/i>) vom 3. Dezember 2015 ermutigt als erste internationale Erkl\u00e4rung von j\u00fcdisch-orthodoxer Seite zum j\u00fcdisch-christlichen Dialog. Das Christentum wird nicht als \u201eG\u00f6tzendienst\u201c, sondern als Ausdruck des g\u00f6ttlichen Willens und als Geschenk an die V\u00f6lker wahrgenommen. Die christliche Anerkennung des Alten Testaments und die Tora-Treue wie G\u00fcte Jesu werden hervorgehoben (Nr. 3). Das Verbindende wird herausgestellt: der ethische Monotheismus, die j\u00fcdische Heilige Schrift, der Glaube an den Sch\u00f6pfergott, gemeinsame Werte wie Leben, universelle Liebe, Gerechtigkeit, Freiheit und Friede. Im Blick auf die moralische Verantwortung f\u00fcr die Menschheit sind Juden und Christen \u201eloving partners\u201c, \u201eunwiderrufliche Partner\u201c, und sie sind trotz erheblicher theologischer Unterschiede verbunden als Partner bei der Welterl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Am 1. Februar 2017 folgte die j\u00fcdisch-orthodoxe Erkl\u00e4rung&nbsp;<i>Between Jerusalem and Rome.&nbsp;<\/i><i>Reflections on 50 Years of Nostra aetate<\/i>&nbsp;(<i>Zwischen Jerusalem und Rom.&nbsp;<\/i><i>Reflexionen \u00fcber 50 Jahre von Nostra aetate<\/i>), die durch ihre Autoren- und Tr\u00e4gerschaft, die Europ\u00e4ische Rabbinerkonferenz und das Rabbinical Council von Amerika, eine hervorragende Bedeutung besitzt. Als erste offizielle Erkl\u00e4rung rabbinischer Organisationen auf internationaler Ebene bringt sie eine neue Standortbestimmung zum Christentum und zur j\u00fcdisch-katholischen Verst\u00e4ndigung. Man pl\u00e4diert f\u00fcr den Dialog zwischen j\u00fcdischen und christlichen Gl\u00e4ubigen, konzentriert sich aber auf aktuelle soziale wie ethische Herausforderungen und hebt die Unterschiede der beiden Glaubenstraditionen hervor. Gew\u00fcrdigt werden die Verdienste der katholischen Kirche in der Begegnung mit dem Judentum. Das vertrauensvolle Verh\u00e4ltnis der beiden Religionsgemeinschaften soll der friedlichen Zusammenarbeit f\u00fcr die Verbesserung dieser Welt dienen. Gemeinsame Werte und Ziele sind Friede, soziale Gerechtigkeit und Sicherheit, Heiligkeit des Lebens und Achtung der Familie in einer Gesellschaft, die von S\u00e4kularismus und Extremismus bedroht ist. Trotz un\u00fcberwindbarer theologischer Lehrunterschiede sollen Juden und Katholiken als Partner, Freunde, Br\u00fcder und enge Verb\u00fcndete f\u00fcr das biblische Ethos der Gerechtigkeit eintreten.<\/p>\n<p>Angesichts dieser historischen Fortschritte im katholisch-j\u00fcdischen Gespr\u00e4ch l\u00f6ste Joseph Ratzingers Beitrag&nbsp;<i>Gnade und Berufung ohne Reue \u2013 Anmerkungen zum Traktat \u201eDe Iudaeis<\/i>\u201c im Sommer 2018 kontroverse Diskussionen aus. Vor allem seine Aussagen \u00fcber den Bund Gottes mit Israel und seine Infragestellung einer zusammenh\u00e4ngenden \u201eSubstitutionstheorie\u201c haben internationale Reaktionen und Kritiken hervorgerufen. Allerdings hat der emeritierte Papst in seiner Richtigstellung:&nbsp;<i>Nicht Mission, sondern Dialog<\/i>&nbsp;im Dezember 2018 in absoluter Deutlichkeit erkl\u00e4rt, dass es keine Mission der Juden gebe, jedoch einen notwendigen Dialog \u00fcber Jesus Christus.<\/p>\n<p>Dabei sollte man sich an Martin Bubers mutige Stuttgarter Rede aus dem Jahr 1933 erinnern: \u201eWir beide, Kirche und Israel selbst, wissen um Israel, aber in grundverschiedener Weise. Grundverschiedenheit ist etwas ganz anderes als zweierlei Ansicht [\u2026]. Es ist ein grundverschiedenes Sehen oder Wissen.\u201c In Anerkennung dieser Grundverschiedenheit und des je eigenst\u00e4ndigen Wissens kann ein Gespr\u00e4ch im gegenseitigen Respekt gelingen.<\/p>\n<p>Fragen und Herausforderungen bleiben f\u00fcr den j\u00fcdisch-katholischen Dialog, der aber heute so gefestigt ist, dass wir dank der partnerschaftlichen Haltung und der \u201eLehre des Respekts\u201c (Jules Isaac) auch Irritationen konstruktiv und kommunikativ bew\u00e4ltigen werden. Die J\u00fcdisch\/R\u00f6misch-Katholische Gespr\u00e4chskommission wird im Jahr 2019 diesen Diskurs im Austausch mit Kardinal Kurt Koch, mit SBK und SIG fortsetzen. Denn der Dialog ist kein Produkt, sondern immer ein fortw\u00e4hrender Prozess.<\/p>\n<p>Prof. Dr. theol. Verena Lenzen<\/p>\n<p>Co-Pr\u00e4sidentin der JRGK<\/p>\n<p>Leiterin des Instituts f\u00fcr J\u00fcdisch-Christliche Forschung der Universit\u00e4r Luzern<\/p>\n<p>Januar 2019<\/p>\n<p><strong>Literatur und Internetquellen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/eine-wegleitung-zum-tag-des-judentums-in-der-schweiz\/\">J\u00fcdisch\/R\u00f6misch-katholische Gespr\u00e4chskommission (JRGK): Eine Wegleitung zum Tag des Judentums in der Schweiz<\/a>&nbsp;[07.01.19].<\/p>\n<p>Rolf Rendtorff, Hans Hermann Henrix (Hg.): Die Kirchen und das Judentum. Dokumente von 1945\u20131985. G\u00fctersloh 3. Auflage 2001 (1988), 39-44: Nostra aetate.<\/p>\n<p>Hans Hermann Henrix, Wolfgang Kraus (Hg.): Die Kirchen und das Judentum. Dokumente von 1985-2000. Paderborn 2000, 974-976: Dabru Emet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nostra-aetate.uni-bonn.de\/kirchliche-dokumente\">Universit\u00e4t Bonn: Website zum christlich-j\u00fcdischen Dialog<\/a>&nbsp;[07.01.19].<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.dbk.de\/fileadmin\/redaktion\/diverse_downloads\/presse_2015\/Vatikandokument-50-Jahre-Nostra-aetate.pdf\">\u201eDenn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gew\u00e4hrt (R\u00f6m 11,29).\u201c<\/a> [07.01.19].<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jcrelations.net\/de\/index.html\">Den Willen unseres Vaters im Himmel tun. Hin zu einer Partnerschaft zwischen Juden und Christen (2015)<\/a> [7.01.19].<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jcrelations.net\/de\/index.html\">Zwischen Jerusalem und Rom (2017)<\/a>&nbsp;[07.01.19].<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.communio.de\/pdf\/vorabveroeffentlichung\/Communio-Benedikt_XVI-2018.pdf\">Benedikt XVI.: Gnade und Berufung ohne Reue. Anmerkungen zum Traktat \u201eDe Iudaeis\u201c, in: IKaZ 47 (2018), 387\u2013406. Siehe<\/a>&nbsp;[07.01.19].<\/p>\n<p>Benedikt XVI.: Nicht Mission, sondern Dialog, in: Herder Korrespondenz 12\/2018, 13\u201314.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.muenster.de\/~angergun\/ratzinger-communio.html\">Zusammenstellung von Pressereaktionen zum Artikel \u201eGnade und Berufung ohne Reue\u201c von Benedikt XVI. siehe<\/a>&nbsp;[07.01.19].<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der katholisch-j\u00fcdische Dialog als fortw\u00e4hrender Prozess Die Konzilserkl\u00e4rung Nostra Aetate&nbsp;brachte 1965 die kopernikanische Wende im Verh\u00e4ltnis der katholischen Kirche zum Judentum. Es war die Entdeckung der j\u00fcdischen Wurzeln des Christentums und des gemeinsamen geistlichen Erbes. Die Kirche bekannte sich zur j\u00fcdischen Abstammung von Jesus, Maria, den J\u00fcngern und ersten Aposteln. 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