{"id":2104,"date":"2011-02-27T11:43:09","date_gmt":"2011-02-27T10:43:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=2104"},"modified":"2021-05-31T16:39:33","modified_gmt":"2021-05-31T14:39:33","slug":"die-kirche-ist-politisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/die-kirche-ist-politisch\/","title":{"rendered":"Die Kirche ist politisch!"},"content":{"rendered":"<div class=\"attribute-short_description\">\n<div class=\"attribute-sub_title\">\n<div class=\"attribute-sub_title\">\n<h5>Bisch\u00f6fliche Botschaft zum 1. August 2011<\/h5>\n<\/div>\n<div id=\"yui_3_15_0_1_1589190032799_200\" class=\"attribute-short_description\">\n<p id=\"yui_3_15_0_1_1589190032799_199\"><strong>Die Kirche betreibt keine Parteipolitik, aber sie ergreift Partei. Sie bringt den Menschen ins Spiel. Dabei ist sie nur dem Evangelium verpflichtet, keiner Partei.<\/strong><br \/>\n<strong>In der Botschaft zum 1. August erkl\u00e4rt Abt Martin Werlen im Namen der Schweizer Bisch\u00f6fe, wieso Kirche immer auch politisch ist.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"attribute-description\">\n<p><b>An vorderster Front \u2026<\/b><\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist die Kirche politisch. Und zwar an vorderster Front. Das vergessen wir allzu oft. Die grosse Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer sind Getaufte. Sie geh\u00f6ren zur Gemeinschaft der Kirche. Wenn sie als B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger unseres Landes an die Urne gehen, engagieren sie sich politisch. Viele Getaufte \u00fcbernehmen im Staat Verantwortung. Sie bem\u00fchen sich nach bestem Wissen und Gewissen um das Gemeinwohl.<\/p>\n<p><b>\u2026 und auf verschiedenen Ebenen<\/b><\/p>\n<p>Immer wieder \u00e4ussern sich kirchliche Verb\u00e4nde und Organisationen politisch, aber auch Kommissionen der Bischofskonferenz oder die Bischofskonferenz selbst. Verantwortliche in den Verb\u00e4nden und Kommissionen, Verantwortliche in der Seelsorge und einzelne Mitglieder der Bischofskonferenz erheben zu bestimmten politischen Themen ihre Stimme in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p><b>Parteipolitik? Ja und Nein<\/b><\/p>\n<p>Die Kirche als solche betreibt keine Parteipolitik. Aber Getaufte sind in allen Parteien engagiert. In allen Parteien gibt es berechtigte Anliegen, die sie in die politische Diskussion einbringen. Die Christinnen und Christen in den verschiedenen Parteien sind herausgefordert, ihr Engagement als Getaufte wahrzunehmen &#8211; zum ganzheitlichen Wohl des Menschen, jedes Menschen, unabh\u00e4ngig von Nationalit\u00e4t, Religion, Geschlecht, Alter und Gesundheit.<\/p>\n<p><b>Partei ergreifen<\/b><\/p>\n<p>Selbst wenn die Kirche als solche keine Parteipolitik macht, ergreift sie dennoch Partei. Wer immer das Evangelium verk\u00fcndet, ergreift Partei f\u00fcr den Menschen. Alle Menschen sollen wirklich leben k\u00f6nnen, ja das Leben in F\u00fclle finden (vgl. Joh 10,10). Die Kirche ergreift Partei f\u00fcr Menschen, die keine Stimme haben. Sie ergreift Partei f\u00fcr die Menschen, die in ihrer W\u00fcrde nicht respektiert werden \u2013 weil ihr Leben erst grad begonnen hat, weil sie behindert, krank oder alt sind, weil sie fremd sind. Sie ergreift Partei f\u00fcr Menschen, die nicht als Du, sondern wie eine Sache behandelt werden. Sie ruft zu Solidarit\u00e4t auf, wo Menschen auf Unterst\u00fctzung angewiesen sind. Die Kirche fordert Gerechtigkeit f\u00fcr alle Menschen als Voraussetzung f\u00fcr Frieden. Sie setzt sich f\u00fcr sozialen Ausgleich und soziale Absicherung f\u00fcr alle ein. Sie erhebt ihre Stimme, wo Menschen sich egoistisch auf Kosten anderer bereichern. Sie engagiert sich f\u00fcr die Familie, f\u00fcr Erziehung und Bildung. Sie ermahnt zum verantwortungsvollen Umgang mit der Sch\u00f6pfung und ihren Ressourcen. Es gibt viele Herausforderungen, in der die Kirche ihre Stimme in der \u00d6ffentlichkeit erheben muss, will sie ihrer Sendung treu bleiben.<\/p>\n<p><b>Den Menschen ins Spiel bringen<\/b><\/p>\n<p>Die Kirche hat dabei nicht\u00a0<i>die<\/i>\u00a0L\u00f6sung. Aber sie kann und will zu guten L\u00f6sungen beitragen. Dank ihrer katholischen (= globalen) Dimension hat sie einen lebendigen Erfahrungsschatz. Sie ist sich gewohnt, \u00fcber Grenzen hinauszuschauen. Vor allem hat sie die Aufgabe, immer wieder den konkreten Menschen ins politische Spiel zu bringen. Sie ruft st\u00e4ndig in Erinnerung, dass die wirtschaftliche Entwicklung allein nicht gen\u00fcgt. Es gibt weitere Aspekte, die es zu f\u00f6rdern gilt. Es geht um den ganzen Menschen. Es geht um jeden Menschen.<\/p>\n<p><b>Der Integration dienen<\/b><\/p>\n<p>Die Kirche ist keine Parallelgesellschaft. Sie ist mittendrin im Leben \u2013 bei den Menschen. Ihre Berufung ist es, Sauerteig zu sein \u2013 zum Heil der Menschen, zum Heil der Welt. Gerade weil die Kirche in allen Kulturen, in allen Bev\u00f6lkerungsschichten, in allen Arbeitsbereichen, in allen Parteien, in allen Generationen vertreten ist, hat sie besondere integrative Kraft. Sie kann Menschen mit unterschiedlichen Ansichten an den gleichen Tisch einladen, um miteinander respektvoll um faire L\u00f6sungen zu ringen.<\/p>\n<p><b>Das Evangelium verk\u00fcnden<\/b><\/p>\n<p>Dabei handelt die Kirche in Treue zum Evangelium und zu einer lebendigen Tradition. Aus Fehlern in der Vergangenheit hat sie einiges gelernt \u2013 auch im Verh\u00e4ltnis zur Politik. Bei ihrem Engagement ist die Kirche nicht W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern verpflichtet, sondern dem Evangelium. Sie orientiert sich nicht am Geist der Zeit, sondern an Jesus Christus. Wer sich an Jesus Christus orientiert, stellt sich den Herausforderungen der Zeit und begegnet dem konkreten Menschen. Wer in Gemeinschaft mit Gott lebt, dem ist kein Mensch gleichg\u00fcltig.<\/p>\n<p><b>Dank<\/b><\/p>\n<p>Im Namen der Bischofskonferenz ein herzliches Vergelt\u2019s Gott allen, die sich als Getaufte in unserem Land politisch engagieren; allen, die sich nach bestem Wissen und Gewissen an Abstimmungen und Wahlen beteiligen; allen, die sich am Ringen um gute L\u00f6sungen beteiligen; allen, die Gegenwart und Zukunft unseres Landes im Gebet mittragen. Ihnen allen gilt ein grosser Dank, denn nur so bleibt die Kirche in unserem Land selbstverst\u00e4ndlich politisch \u2013 an vorderster Front und auf verschiedenen Ebenen.<\/p>\n<p>Freiburg\/Einsiedeln, im Juli 2011<\/p>\n<p>Abt Martin Werlen OSB, im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Anhang I<\/b><\/p>\n<p><b>Lehramtliche Quellen<\/b><\/p>\n<p>Eine Vertiefung in die folgenden lehramtlichen Texte lohnt sich auf jeden Fall. Das \u201eKompendium der Soziallehre der Kirche\u201c kann Politikerinnen und Politikern helfen, sich kurz und pr\u00e4gnant \u00fcber die Haltung der Kirche zu informieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/holy_father\/john_xxiii\/encyclicals\/documents\/hf_j-xxiii_enc_11041963_pacem_ge.html\">Johannes XXIII., Pacem in terris (1963)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html\">Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils \u201cGaudium et Spes \u2013 \u00dcber die Kirche in der Welt von heute\u201d (1965)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/holy_father\/paul_vi\/encyclicals\/documents\/hf_p-vi_enc_26031967_populorum_ge.html\">Paul VI., Populorum progressio (1967)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/holy_father\/john_paul_ii\/encyclicals\/documents\/hf_jp-ii_enc_25031995_evangelium-vitae_ge.html\">Johannes Paul II., Evangelium vitae (1995<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/holy_father\/benedict_xvi\/encyclicals\/documents\/hf_ben-xvi_enc_20090629_caritas-in-veritate_ge.html\">Benedikt XVI., Caritas in veritate (2009)<\/a><\/p>\n<p>P\u00e4pstlicher Rat f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden, Kompendium der Soziallehre der Kirche (2004)<\/p>\n<p>Hirtenbrief der Schweizer Bischofskonferenz:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/hirtenbrief-der-schweizer-bischofskonferenz-zum-eidgenoessischen-dank-buss-und-bettag-2006\/\">\u201eWas ihr f\u00fcr einen meiner geringsten Br\u00fcder getan habt, das habt ihr mir getan\u201c (2006)<\/a><\/p>\n<p>Hirtenbrief der Schweizer Bischofskonferenz:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/hirtenbrief-der-schweizer-bischoefe-zum-eidgenoessischen-dank-buss-und-bettag-2008\/\">\u201eIm Anfang schuf Gott Himmel und Erde\u201c (2008)<\/a><\/p>\n<p>Hirtenbrief der Schweizer Bischofskonferenz:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/hirtenbrief-der-schweizer-bischoefe-zum-eidgenoessischen-dank-buss-und-bettag-2010\/\">\u201eDen Glauben in unserer Zeit \u00fcberzeugend leben\u201c (2010)<\/a><\/p>\n<p><b>Anhang II<\/b><\/p>\n<p><b>Kirchliche Organisationen mit politischem Engagement<\/b><\/p>\n<p>Die beiden grossen Hilfswerke der katholischen Kirche in der Schweiz<\/p>\n<ul>\n<li><a title=\"https:\/\/www.caritas.ch\" href=\"https:\/\/www.caritas.ch\/\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.caritas.ch<\/a><\/li>\n<li><a title=\"https:\/\/www.fastenopfer.ch\" href=\"https:\/\/www.fastenopfer.ch\/\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.fastenopfer.ch<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Kommissionen und Arbeitsgruppen der Bischofskonferenz:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kommission-bioethik.bischoefe.ch\/\">Bioethik-Kommission<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.juspax.ch\/de\/\">Kommission f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.migratio.ch\/de\/\">Dienststelle f\u00fcr Migration und Menschen unterwegs<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/arbeitsgruppe-islam-der-schweizer-bischofskonferenz\/\">Arbeitsgruppe Islam<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.oeku.ch\">\u00d6kumenischer Verein \u201eoeku Kirche und Umwelt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sozialinstitut-kab.ch\">Institut der katholischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbewegung<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"attribute-pdf_file\"><\/div>\n<div class=\"attribute-author\">\n<p>Abt Martin Werlen OSB<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"attribute-description\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kirche betreibt keine Parteipolitik, aber sie ergreift Partei. 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