{"id":2068,"date":"2012-07-27T11:08:02","date_gmt":"2012-07-27T09:08:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=2068"},"modified":"2021-01-21T17:01:15","modified_gmt":"2021-01-21T16:01:15","slug":"das-geld-ist-fuer-den-menschen-da-nicht-der-mensch-ein-sklave-des-geldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/das-geld-ist-fuer-den-menschen-da-nicht-der-mensch-ein-sklave-des-geldes\/","title":{"rendered":"\u201eDas Geld ist f\u00fcr den Menschen da, nicht der Mensch ein Sklave des Geldes\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"attribute-short_description\">\n<div class=\"attribute-sub_title\">\n<p><strong>Bisch\u00f6fliche Botschaft zum 1. August 2012<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"attribute-description\">\n<p>Am Bankomaten beziehe ich mein erspartes Geld und ich vertraue darauf, dass es bei Bedarf verf\u00fcgbar ist. In Franken und Rappen zahle ich meine Rechnungen, allt\u00e4gliche Eink\u00e4ufe oder mein Zugbillet. Geld dient in unserer Gesellschaft dazu, G\u00fcter f\u00fcr die t\u00e4glichen Grundbed\u00fcrfnisse zu kaufen. Zus\u00e4tzlich kann mit Geld Bildung, Kultur und ein gewisser Wohlstand finanziert werden. Geld erf\u00fcllt in unserem Alltag also eine sehr wesentliche Funktion.<\/p>\n<p>Die Nachrichten der letzten Monate und Jahre machen mir dagegen grosse Sorgen: Kann es sein, dass unser Geldsystem bald nicht mehr so selbstverst\u00e4ndlich funktioniert? Ich h\u00f6re von Finanzkrise, W\u00e4hrungskrise, Welt-Wirtschaftskrise. Internationale Experten schliessen nicht einmal mehr aus, dass unser gesamtes Geldsystem zusammenbrechen k\u00f6nnte. Wir alle sind mit einer internationalen Finanzwelt konfrontiert, die scheinbar kein Mensch, keine Bank und keine Regierung mehr unter Kontrolle hat. Im Gegenteil: Die internationalen Finanzm\u00e4rkte scheinen uns fest im Griff zu haben.<\/p>\n<p>Was ist geschehen? Was, wenn die Krise auf meine Region \u00fcbergreift? Sind unsere Sozialwerke oder meine Pension in Gefahr? Ich gebe zu: Mein Vertrauen in unser Finanz- und Wirtschaftssystem ist angekratzt. Diese Sorgen machen sich sehr viele Menschen, in ganz Europa, weltweit. Das Vertrauen in Politik, Banken und andere Finanzinstitute schwindet.<\/p>\n<p>Vertrauen ist im Umgang mit Finanzen grundlegend. Finanzsystem und Wirtschaft funktionieren ohne Vertrauen nicht. Vertrauen ist Basis f\u00fcr jeden zwischenmenschlichen Zusammenhalt.<\/p>\n<p>Gerade als Mann der Kirche weiss ich: Vertrauen ist schnell zerst\u00f6rt, aber nur m\u00fchsam wieder aufgebaut. Vertrauen muss auf ein gutes Fundament gestellt werden. Wenn ich einem Menschen Geld anvertraue, erwarte ich, dass er verantwortungsbewusst damit umgeht. Welcher Umgang mit Geld ist aus christlicher Sicht verantwortungsvoll und richtig?<\/p>\n<p>Geld erm\u00f6glicht wirtschaftliches Handeln. Nur wenn Geld zur Verf\u00fcgung gestellt wird, k\u00f6nnen G\u00fcter gekauft oder produziert werden. Aus christlicher Sicht ist es grundlegend, f\u00fcr welches wirtschaftliches Handeln Kapital investiert wird. F\u00f6rdert ein Unternehmen faire Produktionsbedingungen? Achtet es auf einen schonenden Umgang mit den nat\u00fcrlichen Ressourcen? Achtet es die Menschenrechte, die W\u00fcrde der Mitarbeitenden? Fragen, die wir uns als Kirche auch stellen m\u00fcssen. Alle, die Geld investieren, tragen in diesem Sinn Verantwortung.<\/p>\n<p>Geld ist nicht dazu da, sich selber zu vermehren. Geld ist nicht Selbstzweck. Wenn sich die Welt der Finanzen verselbst\u00e4ndigt, werden Finanzen Sinn-los. \u00a0Wer investiert und gewinnt, aber dabei das Ungl\u00fcck anderer Menschen in Kauf nimmt, handelt verantwortungslos. Ich habe mich k\u00fcrzlich mit Experten f\u00fcr Finanzfragen unterhalten. Sie best\u00e4tigten meinen Eindruck als wirtschaftlicher Laie: Die internationalen Finanzm\u00e4rkte f\u00fchren weitgehend ein Eigenleben, das von den Bed\u00fcrfnissen der realen Wirtschaft abgekoppelt und f\u00fcr uns unkontrollierbar ist.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen dringend Mittel und Wege finden, das entstandene Ungleichgewicht wieder ins Lot zu bringen.Es ist nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre unverantwortlich, alles so zu lassen, wie es heute ist. Deshalb danke ich allen Politikerinnen und Politikern sowie jenen Verantwortlichen in der Finanzwelt, die sich f\u00fcr die n\u00f6tigen Ver\u00e4nderungen einsetzen.<\/p>\n<p>Zu einem verantwortungsvollen Umgang geh\u00f6rt, dass mit dem Geld nicht zu riskante Gesch\u00e4fte gemacht werden. Internationale Finanzinstitute haben schon vor l\u00e4ngerer Zeit begonnen, Risiken zu B\u00fcndeln zusammenzufassen und weiterzuverkaufen. Das Risiko besteht aber weiter und\u00a0 irgend jemand bezahlt irgendwann einen hohen Preis daf\u00fcr. Erinnern wir uns an die Immobilienkrise in den USA, die sich rasant zu einer weltweiten Bankenkrise ausgeweitet hatte. Hier passierte genau das: Risiken wurden geb\u00fcndelt, verschleiert, versteckt und weiter verkauft. Bis die Blase platzte.<\/p>\n<p>Dass Menschen auf viele Arten Geld verdienen m\u00f6chten, ist verst\u00e4ndlich. Denn Geld erm\u00f6glicht Wohlstand \u2013 dieser Wohlstand hat aber Grenzen, kann nie ins Unendliche gesteigert werden. Der Versuchung, \u00fcber seine Verh\u00e4ltnisse zu leben, sollte man nicht erliegen. Wer dies tut, kommt in eine unheilvolle Schuldenspirale. Das erleben wir heute eindr\u00fccklich, bei Privaten wie auch bei ganzen Staaten. Irgendwann m\u00fcssen die Zinsen der Kredite bezahlt werden. Der Einzelne tr\u00e4gt Verantwortung f\u00fcr den Umgang mit dem Geld. Verantwortung tr\u00e4gt auch, wer Geld zur Verf\u00fcgung stellt. Deshalb tut eine Bank ihrem Kunden keinen Gefallen, wenn sie ihm Kredite gew\u00e4hrt, die er bei steigenden Zinsen nicht zur\u00fcck zahlen kann. Genug haben k\u00f6nnen ist eine Kunst, die wir in den reichen Industrienationen neu ein\u00fcben m\u00fcssen. Wer diese Kunst beherrscht, wird andere Reicht\u00fcmer entdecken.<\/p>\n<p>Viele Menschen m\u00fcssen sich nie \u00fcberlegen, wie sie mit ihrem Geld umgehen sollen, denn sie haben keines und k\u00f6nnen von Wohlstand h\u00f6chstens tr\u00e4umen. Christlicher Umgang mit Geld bedeutet, sich f\u00fcr eine gerechte Verteilung der G\u00fcter einzusetzen. Gefordert sind politischer Einsatz, caritatives Engagement f\u00fcr Menschen in unserer Umgebung, Entwicklungszusammenarbeit. Wir d\u00fcrfen nicht beim Einsatz f\u00fcr bed\u00fcrftige Menschen, f\u00fcr Menschen ohne Zukunftsperspektive, f\u00fcr Arbeitslose, f\u00fcr Menschen am unteren Rand der Gesellschaft \u00a0den Sparhebel ansetzen. Zumal gleichzeitig die Sal\u00e4re der Bestverdienenden weiter \u00fcberdurchschnittlich steigen und die Zahl der Million\u00e4re ausgerechnet in der Krise zunimmt.<\/p>\n<p>Der heilige Basilius, er war im vierten Jahrhundert Bischof der damaligen Wirtschaftsmetropole Caesarea, \u00a0rief in der orientalischen Ausdrucksweise seiner Zeit den Reichen zu: &#8222;Das Brot, dessen du nicht bedarfst, ist das Brot der Hungernden; das Kleid, das in deinem Schrank h\u00e4ngt, ist das Kleid dessen, der nackt ist; das Geld, das du verschlossen aufbewahrst, ist das Geld der Armen; die Liebestaten, die du nicht verrichtest, sind ebensoviel Ungerechtigkeiten, die du begehst&#8220;.<\/p>\n<p>Diese S\u00e4tze des Bischofs Basilius sind noch immer aktuell. Auch heute gilt, vielleicht mehr als je zuvor: Das Geld ist f\u00fcr den Menschen da, nicht der Mensch ein Sklave des Geldes. Der 1. August ist vielleicht ein guter Tag, sich auf diese Grundhaltung dem Geld gegen\u00fcber zu besinnen. Und so ein tragf\u00e4higes Fundament f\u00fcr neues Vertrauen zu legen.<\/p>\n<p>Wir vertrauen in unserem Land nicht nur auf das Werk der Menschen, wir d\u00fcrfen auch in tiefem Gottvertrauen in die Zukunft blicken. In diesem Sinn w\u00fcnsche ich Ihnen allen einen frohen, hoffnungsvollen 1. August.<\/p>\n<p><i>Freiburg\/St. Gallen, im Juli 2012<\/i><\/p>\n<p><i>Bischof Markus B\u00fcchel, im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Botschaft1August2012.pdf\" download>Bisch\u00f6fliche Botschaft zum 1. August 2012 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisch\u00f6fliche Botschaft zum 1. 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