{"id":1990,"date":"2016-12-05T17:57:14","date_gmt":"2016-12-05T16:57:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1990"},"modified":"2021-05-31T16:32:08","modified_gmt":"2021-05-31T14:32:08","slug":"gebets-und-bussfeier-medienmitteilung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/gebets-und-bussfeier-medienmitteilung\/","title":{"rendered":"Gebets- und Bussfeier f\u00fcr die Opfer sexueller \u00dcbergriffe im kirchlichen Umfeld"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Basilika von Valeria 5.dec.2016<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf Einladung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat am Montag in der Basilika von Valeria in Sitten eine Gebets- und Bussfeier f\u00fcr die Opfer sexueller \u00dcbergriffe im kirchlichen Umfeld stattgefunden. Die Bisch\u00f6fe, Vertreterinnen und Vertreter der H\u00f6heren Ordensoberen und der staatskirchenrechtlichen K\u00f6rperschaften sowie eine Delegation der Opfer beteten gemeinsam an dem Wallfahrtsort, zu dem seit Jahrhunderten die Menschen hinaufsteigen, um dem Herrn vorzubringen, was sie auf dem Herzen haben.<\/strong><br><br>Der Gebets- und Bussfeier stand der Pr\u00e4sident der Schweizer Bischofskonferenz, Charles Morerod, vor. Er bekannte im Gebet: &#8222;Grosse Schuld ist in unserer Zeit in der Kirche und auch in unseren Di\u00f6zesen und Gemeinschaften offenbar geworden \u2013 eine Schuld Einzelner; eine Schuld, die auch durch bestimmte Strukturen sowie Verhaltens- und Denkmuster erm\u00f6glicht worden ist. Die Schuld ist mehrschichtig: der \u00dcbergriff, das gleichg\u00fcltige Schweigen, die unterlassene Hilfe f\u00fcr das Opfer. Wir f\u00fchlen uns auf verschiedenen Ebenen verantwortlich und verdanken den Opfern, dass sie uns die Augen ge\u00f6ffnet haben.&#8220;<br><br>Mit der Durchf\u00fchrung der Gebets- und Bussfeier folgte die Bischofskonferenz einem Wunsch von Papst Franziskus, dass die katholische Kirche weltweit solche Gebets- und Bussfeiern durchf\u00fchre. &nbsp;Gleichzeitig nahmen Vertreter und Vertreterinnen der Schweizer Bischofskonferenz, der Vereinigung der H\u00f6heren Ordensoberen (VOS&#8217;USM) und der R\u00f6misch-katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) die Gelegenheit wahr, um in einer separaten Medienkonferenz \u00fcber den Stand der Frage der sexuellen \u00dcbergriffe im kirchlichen Umfeld zu informieren.<br><br>Auf nationaler Ebene wurden die Richtlinien der SBK seit der ersten Ausgabe 2002 zwei Mal intensiv \u00fcberarbeitet und weiterentwickelt. Die SBK war eine der ersten Bischofskonferenzen weltweit, welche verbindliche Richtlinien erliess dar\u00fcber, wie \u00dcbergriffen auf Kinder oder Erwachsene vorzubeugen und wie mit Opfern und T\u00e4tern umzugehen ist. In der 2014 erschienenen dritten Auflage schloss sich die VOS&#8217;USM den Richtlinien der SBK an. Zudem beschr\u00e4nkt sich seither der Geltungsbereich der Richtlinien nicht mehr nur auf Personen, die im engeren Sinn in der Seelsorge t\u00e4tig sind, sondern umfasst alle im kirchlichen Bereich t\u00e4tigen Personen wie z.B. in der Katechese, in Jugend- und Sozialarbeit, Kirchenmusik.<br><br><strong>Genugtuungsfonds f\u00fcr verj\u00e4hrte F\u00e4lle<\/strong><br><br>Besonders bedr\u00fcckend empfinden die Kirchenverantwortlichen die Situation der Opfer fr\u00fcherer sexueller \u00dcbergriffe, die nach staatlichem und kirchlichem Recht verj\u00e4hrt sind, und die w\u00e4hrend langer Zeit von kirchlichen Instanzen weder Geh\u00f6r noch Genugtuung erhalten haben. Als j\u00fcngste der zahlreichen Massnahmen, die bisher umgesetzt wurden, wurden \u00fcber die Anerkennung der Mitschuld die rechtlichen und finanziellen Grundlagen zur Ausrichtung von Genugtuungsbeitr\u00e4gen geschaffen. Es existiert nun ein Genugtuungsfonds in der H\u00f6he von rund Fr. 500&#8217;000, der von der SBK, der VOS&#8217;USM und RKZ ge\u00e4ufnet worden ist. Eine eigenst\u00e4ndige Kommission entscheidet \u00fcber die Ausrichtung und H\u00f6he von Genugtuungsbeitr\u00e4gen. Die RKZ tr\u00e4gt den Genugtuungsfonds mit, weil in der Schweiz ein Grossteil der kirchlichen Mitarbeiter nach staatlichem Recht ihren Arbeitgeber in den staatskirchenrechtlichen K\u00f6rperschaften haben.<br><br>Vor sechs Jahren, im Sommer 2010, hatten sich die Bisch\u00f6fe mit einem besonderen Gebet in der Gnadenkapelle von Einsiedeln \u00f6ffentlich zur Mitschuld der Kirche am Leiden jener Menschen bekannt, die in der Vergangenheit im kirchlichen Umfeld sexuellen \u00dcbergriffen ausgesetzt waren. Sie hatten zudem dazu aufgerufen und ermutigt, dass sich Opfer melden. Die seither umgesetzten vielf\u00e4ltigen Massnahmen auf nationaler, di\u00f6zesaner, regionaler und kantonaler Ebene dienen sowohl zur Vorbeugung von \u00dcbergriffen als auch zur Aufarbeitung aktueller und zur\u00fcckliegender F\u00e4lle.<br><br><strong>Statistische \u00dcbersicht 2010-2015<\/strong><br><br>Das Fachgremium &#8222;Sexuelle \u00dcbergriffe im kirchlichen Umfeld&#8220; der SBK hat seit dem Aufruf von 2010 j\u00e4hrlich eine Statistik der gemeldeten F\u00e4lle erstellt. W\u00e4hrend 2010 im Zeichen des erstmaligen starken Aufrufs in der Schweiz 115 F\u00e4lle sexueller \u00dcbergriffe den di\u00f6zesanen Stellen gemeldet wurden, waren die Zahlen der folgenden Jahre deutlich niedriger: 24 (2011), 9 (2012), 11 (2013), 11(2014), 24 (2015). Der grosse Teil der gemeldeten F\u00e4lle sexueller \u00dcbergriffe geschah in der Zeit von 1950 bis 1990.<br><br>Von den 223 in den genannten sechs Jahren gemeldeten Opfern waren zum Zeitpunkt der Taten 49 Kinder unter 12 Jahren, 23 weibliche und 56 m\u00e4nnliche Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, 43 erwachsene Frauen und 38 erwachsene M\u00e4nner. Bei 14 Opfern waren \u00fcber das Alter zum Tatzeitpunkt keine Angaben erh\u00e4ltlich.<br><br>Was die gemeldeten T\u00e4ter betrifft, zeigt die Statistik f\u00fcr den genannten Zeitraum ein Total von 204 T\u00e4tern, davon waren 103 Weltpriester, 47 Ordenspriester oder Ordensbr\u00fcder, 11 Ordensfrauen, 5 Laientheologen oder Laientheologinnen, 6 aus anderen Berufen. Zu 32 gemeldeten T\u00e4tern waren keine Angaben erh\u00e4ltlich. Die Statistik des Fachgremiums erfasst das ganze Spektrum m\u00f6glicher sexueller \u00dcbergriffe von sexuell gef\u00e4rbten \u00c4usserungen und Gesten bis zur Vergewaltigung und Sch\u00e4ndung.<br><br>Die Schweizer Bisch\u00f6fe und Ordensoberen sind weiterhin dankbar f\u00fcr jede Meldung von sexuellen \u00dcbergriffen im kirchlichen Umfeld. Sie rufen die Opfer dazu auf, sich an die kirchlichen Anlaufstellen oder an kantonale Opferhilfestellen zu wenden. Den Opfern muss Recht widerfahren und die T\u00e4ter m\u00fcssen zur Rechenschaft gezogen werden, auch wenn die \u00dcbergriffe lange Zeit zur\u00fcckliegen. \u2013 Die Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz halten sich vom 5. bis 7. Dezember zu ihrer 314. ordentlichen Versammlung in Sitten und Visp auf.<br><br>Sitten, 5. Dezember 2016<\/p>\n\n\n\n<p>Schweizer Bischofskonferenz<strong><br>Walter M\u00fcller<\/strong><br>Informationsbeauftragter<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Einladung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat am Montag in der Basilika von Valeria in Sitten eine Gebets- und Bussfeier f\u00fcr die Opfer sexueller \u00dcbergriffe im kirchlichen Umfeld stattgefunden. 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