{"id":1982,"date":"2016-12-08T17:44:23","date_gmt":"2016-12-08T16:44:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1982"},"modified":"2021-05-31T16:32:01","modified_gmt":"2021-05-31T14:32:01","slug":"menschenrechtstag-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/menschenrechtstag-2016\/","title":{"rendered":"Menschenrechtstag: Die Schweizer Kirchen erinnern an die Unverf\u00fcgbarkeit der Menschenw\u00fcrde"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Achtung und Schutz der Menschenw\u00fcrde sind in vielen Bereichen eine bleibende Aufgabe: in Migration, Globalisierung und Welthandel, Klimawandel und Umweltschutz oder in schwierigen Situationen am Beginn und Ende des Lebens. Die W\u00fcrde jedes Menschen ist dabei keine Frage von Selbstbestimmung, sondern geht dieser stets voraus. Weil kein Mensch seine W\u00fcrde selbst garantieren kann, gilt W\u00fcrdeschutz immer der und dem Anderen. W\u00fcrdeschutz betrifft alle, \u00fcberall auf der Welt. Diese \u00dcberzeugung betonen die r\u00f6misch-katholische, die christkatholische und die reformierten Kirchen der Schweiz zum internationalen Menschenrechtstag am 10. Dezember.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Zwischen Machen und Lassen<\/h5>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Zur Unverf\u00fcgbarkeit der menschlichen W\u00fcrde<\/h5>\n\n\n\n<p><em>\u00abEr aber antwortete mir: Meine Gnade gen\u00fcgt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit r\u00fchmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt\u00bb<\/em><br><em>2. Korinther 12,9<\/em><br><br>Die Globalisierung und die rasanten technologischen Entwicklungen haben uns die Welt verf\u00fcgbar gemacht. Im \u00abglobalen Dorf\u00bb gibt es kaum noch Regionen, auf die nicht von jedem beliebigen Standort aus zugegriffen werden kann. Satelliten- und Informationstechnologien machen jeden Winkel der Erde sichtbar, Biotechnologien erlauben tiefe Einblicke in das Leben selbst. Kaum etwas bleibt unbemerkt, fast alles erscheint wissenschaftlich erkl\u00e4rbar. Wir sind dabei, uns und unsere Umwelt restlos zu entzaubern, getrieben von der Idee, nichts mehr dem Zufall zu \u00fcberlassen.<br>So jedenfalls stellt sich im Grossen und Ganzen die Welt f\u00fcr die Menschen auf der n\u00f6rdlichen Erdhalbkugel dar. Wir profitieren von den Errungenschaften der wissenschaftlich-technologischen Neugierde. Nicht nur unsere Lebenserwartung ist st\u00e4ndig angestiegen, sondern mit ihr auch unsere Lebensqualit\u00e4t. Problematisch werden diese Entwicklungen, wenn sie auf Kosten anderer gehen, denen dadurch der Zugang zu einer menschenw\u00fcrdigen, lebensfreundlichen und gedeihlichen Existenz verbaut und unm\u00f6glich gemacht wird. Erst im globalen Kontext zeigt sich die prek\u00e4re Voraussetzung unserer Lebensweisen, bei der allein der Geburtsort, die Herkunft und das soziale Milieu dar\u00fcber entscheiden, ob jemandem ein Leben auf der Sonnen- oder Schattenseite bevorsteht. F\u00fcr die, denen es am Grundlegendsten mangelt, ist diese Vorentscheidung auf grausame Weise unverf\u00fcgbar, weil sie auf die Rahmenbedingungen ihres Lebens keinen Einfluss haben. Der fortschreitende Klimawandel macht die unverf\u00fcgbaren \u00e4usseren Lebensbedingungen f\u00fcr immer mehr Menschen zur nackten \u00dcberlebensfrage. In den Wohlstands- und Technologiegesellschaften der n\u00f6rdlichen Erdhalbkugel, die kaum noch etwas dem Schicksal \u00fcberlassen, werden Erfahrungen von Unverf\u00fcgbarkeit zur Ausnahme. Und die ethische Forderung nach Unverf\u00fcgbarkeit wird zumeist als St\u00f6rung wissenschaftlich-technologischer und \u00f6konomischer Betriebsamkeit zur\u00fcckgewiesen. Den Preis f\u00fcr diese Verf\u00fcgungsmacht zahlen diejenigen, die Unverf\u00fcgbarkeit in pervertierter Form als politische und \u00f6konomische Ohnmacht erleben m\u00fcssen: als Opfer himmelschreiender Gewalt und Ungerechtigkeit, gegen\u00fcber den Folgen des Klimawandels und als Machtlosigkeit derjenigen, die nicht mitreden und entscheiden d\u00fcrfen.<br>Das gilt f\u00fcr Menschen in den \u00e4rmsten und von politischem Terror, Gewalt und Korruption verw\u00fcsteten Regionen unserer Welt ebenso, wie in anderer Weise f\u00fcr Embryonen und F\u00f6ten bei uns, denen die fortpflanzungsmedizinische Diagnostik ein Leben mit Behinderung prognostiziert. Denn in beiden Situationen masst sich ein Teil der Menschheit v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich an, \u00fcber die Leben eines anderen Teils zu entscheiden: die Satten \u00fcber die Hungernden, die M\u00e4chtigen \u00fcber die Ohnm\u00e4chtigen, die Geborenen \u00fcber die Ungeborenen. Und es ist vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die Hochbetagten rechtfertigen m\u00fcssen, mit der gleichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dem gleichen Respekt und den gleichen Rechten in unserer Gesellschaft leben zu d\u00fcrfen, wie diejenigen, die ein souver\u00e4nes und \u00f6konomisch attraktives Leben f\u00fchren.<br><br>Angesichts dieser Bedrohungen reichen wechselseitige Appelle an die Menschenw\u00fcrde nicht aus. Stattdessen ist ein Umdenken n\u00f6tig, dem ein anderes Handeln folgt. Das Diktat der Verf\u00fcgbarkeit bestreitet der W\u00fcrde ihren Platz in der Welt. Denn W\u00fcrde verweist gerade darauf, was der menschlichen Verf\u00fcgbarkeit auf immer entzogen bleiben soll. Die fixe Idee, alles machen zu wollen, l\u00e4sst den Gedanken nicht zu, etwas zu lassen, weil es, so wie es ist, gut ist. Die W\u00fcrde der Menschen und der Kreatur kann gerade nicht gemacht, sondern muss gelassen \u2013 zugelassen \u2013 werden. Die W\u00fcrde kann nur anerkannt und gesch\u00fctzt werden, wenn der Machbarkeitswahn von einer Lassensbesonnenheit durchbrochen wird.<br><br>Es ist ein menschliches Merkmal, sich nicht selbst zu gen\u00fcgen. Der moderne Mensch hat daraus die Strategie abgeleitet, sich selbst auf allen Ebenen verbessern zu wollen. Das Christentum hat aus der gleichen Einsicht die umgekehrte Konsequenz gezogen und l\u00e4sst sich von Gott mit den Worten an den Apostel Paulus zusprechen: \u00abMeine Gnade gen\u00fcgt dir\u00bb. Darin steckt bereits ein komplettes W\u00fcrdekonzept. Meine Gnade gen\u00fcgt dir, bedeutet zugleich: Gottes Gaben sind genug! Die Begabung eines jedes Menschen ist seine je eigene W\u00fcrde und entzieht sie als Gabe Gottes der menschlichen Verf\u00fcgung. Gottes Gaben brauchen keine menschliche Perfektionierung. Gerade das in unseren Augen Unperfekte erweist sich aus der Perspektive Gottes als das unverf\u00fcgbar Gute. Die W\u00fcrde ist kein Merkmal des Gemachten, sondern ausschliesslich des Gegebenen. Dem Gesch\u00f6pflichen den Titel der W\u00fcrde zuzusprechen fordert uns nicht dazu auf, es nach unseren Vorstellungen zuzurichten, sondern vor Verletzung und Missachtung zu sch\u00fctzen. Das Ende der Unverf\u00fcgbarkeit ist der Anfang der Entw\u00fcrdigung.<br><br>Der Schutz der W\u00fcrde ist keine Frage von Selbstbestimmung, sondern geht dieser stets voraus. Weil kein Mensch seine W\u00fcrde selbst garantieren kann, gilt W\u00fcrdeschutz immer der und dem Anderen. W\u00fcrdeschutz ist universal oder gar nicht. Gesch\u00fctzt wird die universale W\u00fcrde dann, wenn nicht nur die Ressourcen der Erde unter allen Mitgliedern der Menschheitsfamilie gerecht verteilt werden, sondern wenn auch die Bedrohungen und Sorgen gemeinsam wahrgenommen und angepackt werden. Darin stimmen W\u00fcrde und Klima \u00fcberein: Sie k\u00fcmmern sich nicht um von Menschen gezogene Grenzen.<br><br>Die Bibel bringt diese Einsicht auf den Begriff der und des N\u00e4chsten. Es ist die Person, die weder nach ihrem Pass, ihrer Herkunft, ihrem Glauben oder ihrer moralischen Integrit\u00e4t gefragt wird. Nat\u00fcrlich gilt das im Gleichnis vom barmherzigen Samaritaner f\u00fcr Menschen in Not. Aber diese produzieren unsere Machbarkeitslogiken t\u00e4glich neu.<br><br>Bern und Freiburg, im Dezember 2016<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Argumentarium_d.pdf\" download>Argumentarium ACAT 2016 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Petition_d.pdf\" download>Petition ACAT &#8211; 2016 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/20161103BegleitschreibenMR-tag2016_d.pdf\" download>Begleitbrief des Tages der Menschenrechte &#8211; 2016 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/20160922Verlautbarung2016_d.pdf\" download>Verlautbarung 2016 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Achtung und Schutz der Menschenw\u00fcrde sind in vielen Bereichen eine bleibende Aufgabe: in Migration, Globalisierung und Welthandel, Klimawandel und Umweltschutz oder in schwierigen Situationen am Beginn und Ende des Lebens. Die W\u00fcrde jedes Menschen ist dabei keine Frage von Selbstbestimmung, sondern geht dieser stets voraus. Weil kein Mensch seine W\u00fcrde selbst garantieren kann, gilt W\u00fcrdeschutz immer der und dem Anderen. W\u00fcrdeschutz betrifft alle, \u00fcberall auf der Welt. Diese \u00dcberzeugung betonen die r\u00f6misch-katholische, die christkatholische und die reformierten Kirchen der Schweiz zum internationalen Menschenrechtstag am 10. 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