{"id":1552,"date":"2019-01-24T23:12:21","date_gmt":"2019-01-24T22:12:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1552"},"modified":"2021-02-25T11:47:40","modified_gmt":"2021-02-25T10:47:40","slug":"krankensonntag-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/krankensonntag-2019\/","title":{"rendered":"Botschaft der Schweizer Bischofskonferenz zum Welttag der Kranken 2019 (11. Februar)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie viele wissen, hat die Schweizerische Akademie f\u00fcr medizinische Wissenschaften (SAMW) trotz Einspruchs von namhaften Institutionen wie des Berufsverbandes der Schweizer \u00c4rztinnen und \u00c4rzte (FMH) eine Richtlinie herausgegeben, die von den \u00c4rzten nicht in ihr Standesrecht \u00fcbernommen wurde.<\/strong><br><br>Unter dem nicht eingrenzbaren Begriff von \u00abunertr\u00e4glichem Leiden\u00bb soll nach den SAMW Richtlinien die Beihilfe zum Suizid durch \u00c4rzte ausgeweitet werden. Dabei wurde der Geltungsbereich auf Kinder und Jugendliche jeden Alters sowie auf geistig und psychisch Kranke und mehrfach Behinderte erweitert.<br><br>Jedes Jahr sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Gewalttaten, Verkehrsunf\u00e4lle und illegale Drogen. Um die \u00d6ffentlichkeit auf die Verdr\u00e4ngung des Problems aufmerksam zu machen, wird seit 2003 allj\u00e4hrlich der Welttag der Suizidpr\u00e4vention veranstaltet. Der Widerspruch ist offensichtlich: Auf der einen Seite soll der Suizid pr\u00e4ventiv verhindert werden, auf der anderen l\u00e4sst man die Suizidbeihilfe bei der Pr\u00e4ventionsfrage aussen vor. Es stellte sich die Frage: Gibt es einen \u00abguten\u00bb (in Anf\u00fchrungs- und Schlusszeichen) bzw. gerechtfertigten Suizid, f\u00fcr welchen sich die Organisationen f\u00fcr Suizidbeihilfe stark machen, und einen \u00abschlechten\u00bb, pr\u00e4ventiv zu verhindernden, welchen die staatlichen Pr\u00e4ventionsbem\u00fchungen verhindern wollen?<br><br>Die Akzeptanz der ersteren wird mit den Begriffen \u00abselbstbestimmt\u00bb und \u00abunertr\u00e4glichen Leiden\u00bb bzw. \u00abAutonomie\u00bb propagiert. Die letzteren sollen unbedingt vermieden werden, weil genau jene Gr\u00fcnde, welche f\u00fcr die Suizidbeihilfe als Rechtfertigung angef\u00fchrt werden, hier in Frage gestellt werden: Selbstbestimmung und Autonomie, weshalb f\u00fcrsorgliche und pr\u00e4ventive Massnahmen zu treffen sind. Warum geschieht dies nicht auch bei der Suizidbeihilfe? Jeder Suizid wird selbstverf\u00fcgt und vom Suizidenten wegen subjektiv als nicht weiter tragbar eingesch\u00e4tzten Leiden und Belastungen gew\u00e4hlt. In den meisten F\u00e4llen ist er auch geplant. Sozialpsychologische Faktoren, die bei allen Suiziden als freiheitsmindernde Faktoren angef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, geh\u00f6ren auch zum sogenannten Bilanzsuizid im Alter.<br><br>Jeder Suizid ist immer eine Art subjektiver Bilanz mit t\u00f6dlichem Ausgang. Noch einmal: Warum sollen die einen Suizide aus den genannten Gr\u00fcnden pr\u00e4ventiv vermieden, die anderen vereinsm\u00e4ssig organisiert und legitimiert werden? Die zuerst propagierten, engen Grenzen f\u00fcr die Suizidhilfe haben sich, wie man sieht, als vollkommene Illusion und bewusste T\u00e4uschung herausgestellt: Die schiefe Ebene, vor der von Anfang an gewarnt wurde, hat sich als eine tats\u00e4chliche erwiesen trotz aller gegenteiligen Behauptungen.<br><br>Menschliches Leben ist aus christlicher Sicht verdanktes Leben, Gabe Gottes. Leiden an abnehmenden Lebenskr\u00e4ften im Alter, an Krankheiten und im Sterben geh\u00f6ren zur Gesch\u00f6pflichkeit (Kontingenz) des Menschen. Sie sollen so gut wie m\u00f6glich gelindert werden. Nach christlicher Lehre haben auch Leiden eine besondere Bedeutung im Heilsplan Gottes mit den betroffenen Menschen.<br><br>Das Wohl des Kranken kann nicht in der Ausl\u00f6schung seiner Existenz liegen. Die Sorge f\u00fcr die Kranken muss aus christlicher Sicht \u00fcber allem stehen, denn Gesundheit und Krankheit sind \u00abrelational\u00bb. Sie h\u00e4ngen \u00abvon den zwischenmenschlichen Beziehungen ab und brauchen Vertrauen, Freundschaft und Solidarit\u00e4t (Papst Franziskus).\u00bb Und dies muss in unserem Kontext in einem Ausmass geschehen, dass kein Mensch auf den Gedanken kommt, sein Leben wegzuwerfen. Papst Franziskus erinnert in seiner diesj\u00e4hrigen Botschaft zum Welttag der Kranken daran, dass unser Leben \u00abweder Besitz noch Privateigentum\u00bb ist und sich deshalb jeder Manipulation entzieht. \u00abDas Leben ist eine Gabe Gottes; der heilige Paulus mahnt: \u2018Was hast du, das du nicht empfangen h\u00e4ttest?\u2019 (<em>1 Kor<\/em> 4,7)\u00bb. Der Papst erwartet von uns eine allumfassende und gratis verschenkte N\u00e4chstenliebe. Mutter Teresa ist f\u00fcr ihn eine Verk\u00f6rperung dieser Liebe. Sie \u00abhilft uns zu verstehen, dass das einzige Kriterium des Handelns die allen umsonst geschenkte Liebe sein muss!\u00bb<br><br>Mit den besten Segensw\u00fcnschen und im Namen der Schweizer Bischofskonferenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Mgr Marian Eleganti OSB<br>Weihbischof<br>Urdorferstrasse 44<br>8953 Dietikon  <br>+41 43 322 30 50 <br><a href=\"mailto:marian@jufabi.ch\">marian@jufabi.ch<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.bistum-chur.ch\">https:\/\/www.bistum-chur.ch<\/a>  <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Journ\u00e9edumalade2019_190118_d.pdf\" download>Journ\u00e9edumalade2019_190118_d <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie viele wissen, hat die Schweizerische Akademie f\u00fcr medizinische Wissenschaften (SAMW) trotz Einspruchs von namhaften Institutionen wie des Berufsverbandes der Schweizer \u00c4rztinnen und \u00c4rzte (FMH) eine Richtlinie herausgegeben, die von den \u00c4rzten nicht in ihr Standesrecht \u00fcbernommen wurde.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":1554,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1552"}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1552"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1552\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8204,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1552\/revisions\/8204"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1552"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1552"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}