{"id":1232,"date":"2017-01-30T21:42:00","date_gmt":"2017-01-30T20:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1232"},"modified":"2021-05-31T16:21:45","modified_gmt":"2021-05-31T14:21:45","slug":"der-verborgene-schatz-auf-dem-acker-des-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/der-verborgene-schatz-auf-dem-acker-des-lebens\/","title":{"rendered":"Der verborgene Schatz auf dem Acker des Lebens"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wort der Bisch\u00f6fe zum Krankensonntag 2017 (5. M\u00e4rz 2017)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ob wir krank oder gesund sind, wir alle sind herausgefordert, \u00fcber den Sinn der Krankheit nachzudenken und die m\u00f6glichen Situationen, in die wir an unserem Lebensende geraten k\u00f6nnen, im Geiste vorwegzunehmen. Jener Tag, den viele als den letzten f\u00fcrchten, war f\u00fcr Seneca (\u202065) \u201eder Geburtstag der Ewigkeit.\u201c \u201eLebt wie Menschen, die t\u00e4glich sterben\u201d, sagt der W\u00fcstenvater Antonius (\u2020356) seinen Br\u00fcdern vor seinem Tod. Der franz\u00f6sische Skeptiker Montaigne (\u20201592) versteht Philosophieren als ein Ein\u00fcben des Sterbens. \u201cWarum Angst vor dem Tod haben?\u201d, sagt der blinde M\u00f6nch der Grossen Kartause im Film \u00bbDie grosse Stille\u00ab, \u201eje mehr man sich Gott n\u00e4hert, umso gl\u00fccklicher ist man. Das ist die Vollendung unseres Lebens\u201d.<br><br>Wie man sieht, gibt es einen Zusammenhang zwischen der Lebensf\u00fchrung und dem Erleben des Todes eines Menschen. Franziskus (\u20201226) stirbt nackt auf dem Boden der Portiuncula, umgeben von seinen Br\u00fcdern; Benedikt (\u2020547) stirbt stehend im Gebet der Psalmen, auf zwei Br\u00fcder gest\u00fctzt; Seraphin von Sarov (\u20201833) \u00fcbergibt seine Seele Gott kniend vor der Ikone der Gottesmutter der Freude.<br><br>&nbsp;<br>Das Alter bzw. \u00c4lterwerden ist geeignet, nach dem Sinn des Lebens zu fragen, eine Frage, die durch die Dringlichkeit und Sinnhaftigkeit der Alltagsgesch\u00e4fte oft in den Hintergrund gedr\u00e4ngt wird. Bei Thomas von Kempen (\u20201471) heisst es: \u201eWas antwortest Du auf die Frage: Warum bist du auf die Welt gekommen? Es ist von Zeit zu Zeit gut, dir diese Frage zu stellen.\u201c Das gilt vor allem f\u00fcr den letzten Lebensabschnitt. Im Psalm 138, Verse 13-16 lesen wir: \u201eDu hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoss meiner Mutter. &#8230; Deine Augen sahen, wie ich entstand, in Deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war.\u201c Gott hat also all meine Tage angeschaut und gesegnet: auch die letzten. Ihr Sinn liegt wie ein verborgener Schatz auf dem Acker des Lebens und muss geborgen werden.<br><br>&nbsp;<br>Der drohende Verlust der geistigen Kontrolle \u00fcber sein Leben hat Gunter Sachs (\u20202011) als einen w\u00fcrdelosen Zustand betrachtet, dem er durch Selbstt\u00f6tung entschieden entgegentreten bzw. zuvorkommen wollte. Keinen Augenblick lang habe ich jedoch pers\u00f6nlich den Verlust der geistigen Kraft bei meinen betagten Eltern als einen Verlust ihrer W\u00fcrde erlebt. W\u00fcrde hat jeder Mensch, gerade der Schwache. Allenfalls sind wir es, die sie ihm absprechen oder ihn nicht seiner W\u00fcrde gem\u00e4ss behandeln.<br><br>&nbsp;<br>Was hat Abh\u00e4ngigkeit mit W\u00fcrdelosigkeit zu tun? Ist ein Kind w\u00fcrdelos, weil es noch nicht vollkommen \u00fcber sein Leben zu verf\u00fcgen vermag, auf Hilfe angewiesen ist? Darf unser Dasein keine Schw\u00e4che dulden? Muss nun jeder, der schwach ist, sich als eine Zumutung f\u00fcr die Gesellschaft sehen, als ein Kostenfaktor, als emotionale und kr\u00e4ftem\u00e4ssige \u00dcberforderung f\u00fcr sein Umfeld?<br><br>&nbsp;<br>Die Suizidraten bei alten Menschen nehmen zu, auch weil Teile der Gesellschaft daran sind, neue Standards zu setzen durch die Rechtfertigung und Legitimierung der Selbstt\u00f6tung als Versuch der Suizidenten, bis zum Schluss die Autonomie und damit die menschliche W\u00fcrde zu bewahren. Der christliche Glaube hingegen spricht seit jeher vom \u00dcbergang und Heimgang der Verstorbenen und sieht das Leben als eine grosse Bew\u00e4hrungs- und Vorbereitungszeit auf die Vollendung in Gott. Das l\u00e4sst Christen zuversichtlich auf die Todesstunde blicken.<br><br>&nbsp;<br>Mit meinen besten Segensw\u00fcnschen<br><br>Im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz<br><br>\u2720 &nbsp;Marian Eleganti<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob wir krank oder gesund sind, wir alle sind herausgefordert, \u00fcber den Sinn der Krankheit nachzudenken und die m\u00f6glichen Situationen, in die wir an unserem Lebensende geraten k\u00f6nnen, im Geiste vorwegzunehmen. Jener Tag, den viele als den letzten f\u00fcrchten, war f\u00fcr Seneca (\u202065) \u201eder Geburtstag der Ewigkeit.\u201c \u201eLebt wie Menschen, die t\u00e4glich sterben\u201d, sagt der W\u00fcstenvater Antonius (\u2020356) seinen Br\u00fcdern vor seinem Tod. 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