{"id":1222,"date":"2017-09-08T18:24:09","date_gmt":"2017-09-08T16:24:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1222"},"modified":"2021-05-31T16:20:57","modified_gmt":"2021-05-31T14:20:57","slug":"fuer-eine-erneuerung-der-ehe-und-familienpastoral-im-lichte-von-amoris-laetitia-eine-gute-nachricht-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/fuer-eine-erneuerung-der-ehe-und-familienpastoral-im-lichte-von-amoris-laetitia-eine-gute-nachricht-fuer-alle\/","title":{"rendered":"F\u00fcr eine Erneuerung der Ehe-und Familienpastoral im Lichte von Amoris Laetitia : eine gute Nachricht f\u00fcr alle"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Botschaft der Schweizer Bischofskonferenz an alle pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Priester, Diakone und Laien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; In Dankbarkeit<\/strong><br><br><strong>F\u00fcr die gesamte Seelsorge<\/strong><br><br>Mit seinem Schreiben&nbsp;<em>Amoris Laetitia<\/em>&nbsp;macht uns Papst Franziskus ein Geschenk. Als Ergebnis eines breiten synodalen Prozesses (die zwei Bischofssynoden von 2014 und 2015) fordert uns Franziskus zur Umkehr und zu einem missionarischen Bekenntnis auf, nicht nur im Bereich der Seelsorge f\u00fcr Ehepaare und Familien, sondern in der pastoralen Arbeit \u00fcberhaupt. Er l\u00e4dt uns ein, einen neuen Stil im kirchlichen Leben zu entwickeln, der sich durch eine Willkommenskultur in der Begleitung, der Unterscheidung und der Integration in allen Bereichen der Seelsorge auszeichnet.<br><br><strong>Ein Dankesch\u00f6n<\/strong><br><br>Dieses p\u00e4pstliche Dokument gibt uns die Gelegenheit, all jenen herzlich zu danken, die in unseren Di\u00f6zesen am synodalen Prozess teilgenommen haben. Wir nehmen unser Schreiben zum Anlass, allen Ehepaaren und Familien in unserem Land zu danken, die je auf ihre Weise das Evangelium der Liebe leben. Das Evangelium Jesu Christi leuchtet in ihren konkreten und pers\u00f6nlichen Geschichten. Gleichzeitig bietet uns dieses Schreiben auch die Gelegenheit, allen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Priestern, Diakonen, Laien und Ehrenamtlichen f\u00fcr ihren jahrelangen Einsatz im Geiste von&nbsp;<em>Amoris Laetitia<\/em>&nbsp;f\u00fcr die Familienpastoral zu danken.<br><br><strong>Kontextualisierung und Inkulturation<\/strong><br><br>Im vorliegenden Dokument begn\u00fcgen wir uns damit, einige allgemeine Leitlinien vorzulegen und laden jedes Bistum und jede Kirchen-Region dazu ein, diese in ihren jeweiligen Kontext einzubringen und und entsprechend zu \u00fcbersetzen. Wir m\u00f6chten in diesem Schreiben einige Wege zur Erneuerung der Seelsorge f\u00fcr Ehepaare und Familien ebnen und w\u00fcnschen dabei gleichzeitig hervorzuheben, dass es sich hierbei um eine Aufgabe handelt, die die T\u00e4tigkeiten der gesamten Pastoral betrifft.<br><br>***<br><br><strong>2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Willkommenskultur als neuer Akzent<\/strong><br><br><strong>Ein prophetischer Aufruf<\/strong><br><br>Papst Franziskus f\u00f6rdert ohne Umschweife \u201edas Evangelium von Ehe und Familie\u201c. Das bedeutet, dass er das Zeugnis, das Ehepaare und Familien auf ihren unterschiedlichen Lebenswegen als Boten der Liebe Gottes f\u00fcr die ganze Menschheit ablegen, unterst\u00fctzt. \u201eAls Christen d\u00fcrfen wir nicht darauf verzichten, uns zugunsten der Ehe zu \u00e4ussern, nur um dem heutigen Empfinden nicht zu widersprechen, um in Mode zu sein oder aus Minderwertigkeitsgef\u00fchlen angesichts des moralischen und menschlichen Niedergangs. Wir w\u00fcrden der Welt Werte vorenthalten, die wir beisteuern k\u00f6nnen und m\u00fcssen\u201c (AL 35). Aber dieser Vorschlag soll nicht als alles \u00fcberragende und endg\u00fcltige Gesetzm\u00e4ssigkeit vorgebracht werden, sondern vielmehr als ein Licht und als eine Einladung an alle Menschen guten Willens: Wir sind alle dazu aufgerufen, die Freude der Liebe zu teilen. \u201eDenn viele\u201c, wie der Papst noch einmal schreibt, \u201ehaben nicht das Gef\u00fchl, dass die Botschaft der Kirche \u00fcber Ehe und Familie immer ein deutlicher Abglanz der Predigt und des Verhaltens Jesu gewesen ist, der zwar ein anspruchsvolles Ideal vorgeschlagen, zugleich aber niemals die mitf\u00fchlende N\u00e4he zu den Schwachen wie der Samariterin und der Ehebrecherin verloren hat\u201c (AL 38).<br><br><strong>Ein Text zum Lesen und Weitergeben<\/strong><br><br>Es lohnt sich wirklich die M\u00fche, den ganzen Text des Heiligen Vaters zu lesen und Andere zu dessen Lekt\u00fcre anzuregen. Denn die Sprache, die der Papst benutzt, zeichnet sich durch ihre N\u00e4he zum Alltag aus und bietet daher f\u00fcr Jede und Jeden einen leichten Zugang. Unsere pastoralen Arbeits- und Beratungsstellen k\u00f6nnten zum Beispiel auch \u201ekleine Leitf\u00e4den\u201c f\u00fcr&nbsp;<em>Amoris Laetitia<\/em>&nbsp;entwerfen, in denen Schl\u00fcsselaussagen \u00fcber die unterschiedlichen Schwerpunktthemen f\u00fcr potentielle Leserinnen und Leser festgehalten werden.<br><br><strong>Eine Grundhaltung der Aufnahmebereitschaft<\/strong><br><br>Die Betonung der Offenbarung, die in erster Linie als Berufung zu verstehen ist, gilt f\u00fcr die ganze Pastoral. Durch sie wird ein vertrauensvoller und realistischer Blick auf die unterschiedlichsten Situationen von Ehepaaren und Familien zum Ausdruck gebracht. Es geht nicht darum, \u201emit der Macht der Autorit\u00e4t Regeln durchsetzen zu wollen\u201c. Vielmehr geht es darum, \u201edie Gr\u00fcnde und die Motivationen aufzuzeigen, sich f\u00fcr die Ehe und die Familie zu entscheiden, so dass die Menschen eher bereit sind, auf die Gnade zu antworten, die Gott ihnen anbietet.\u201c (AL 35). Daher sollen Verurteilungen vermieden werden, welche die Komplexit\u00e4t der verschiedenen Situationen nicht ber\u00fccksichtigen, w\u00e4hrend gleichzeitig die Lehre klar formuliert wird. \u201eEs ist erforderlich, auf die Art und Weise zu achten, wie die Menschen leben und aufgrund ihres Zustands leiden\u201c (AL 79).<br><br>Diese positive Sichtweise ist die Basis der Willkommenskultur, die den drei anderen Aufgaben der Begleitung, der Unterscheidung und der Integration zugrunde liegt. Es geht um eine \u201ePastoral der Zeugung\u201c (<em>pastorale d\u2019engendrement<\/em>), wie sie Jesus in allen Kontexten des Evangeliums vorgelebt hat: Sie besteht in der Anerkennung, dass der Geist des HERRN bereits in jedem menschlichen Wesen wirkt, in welcher Situation auch immer wir es antreffen, in der Wertsch\u00e4tzung der Samenk\u00f6rner des WORTES (vgl. Gaudium et Spes 22; Ad Gentes 11), die sich in allen zwischenmenschlichen Beziehungen verstreut finden (AL 76-78).<br><br>Indem Papst Franziskus daran erinnert, dass \u201edie christliche Ehe ein Abglanz der Vereinigung Christi und seiner Kirche ist und voll verwirklicht wird in der Vereinigung zwischen einem Mann und einer Frau, die sich in ausschliesslicher Liebe und freier Treue einander schenken, einander bis zum Tod geh\u00f6ren und sich f\u00fcr die Weitergabe des Lebens \u00f6ffnen und geheiligt sind durch das Sakrament \u2026 und andere Formen der Vereinigung diesem Ideal von Grund auf widersprechen\u201c, bekr\u00e4ftigt er gleichzeitig, dass manche es \u201ezumindest teilweise und analog verwirklichen\u201c, und \u201edass die Kirche es nicht unterl\u00e4sst, die konstitutiven Elemente in jenen Situationen zu w\u00fcrdigen, die noch nicht oder nicht mehr in \u00dcbereinstimmung mit ihrer Lehre von der Ehe sind\u201c (AL 292).<br><br>Und so wendet sich die Kirche \u201ein der Perspektive der P\u00e4dagogik der g\u00f6ttlichen Liebe denen liebevoll zu, die auf unvollkommene Weise an ihrem Leben teilhaben: Sie bittet gemeinsam mit ihnen um die Gnade der Umkehr\u201c und \u201eermutigt sie, Gutes zu tun\u201c und \u201eliebevoll f\u00fcreinander zu sorgen\u201c (AL 78).<br><br><strong>Verlangen wecken nach dieser guten Nachricht<\/strong><br><br>Die Aufgabe aller pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Priester, Diakone und Laien ist es also, im strengen Sinne dieses Postulates, die Gnade sichtbar zu machen, die all unseren Handlungen vorausgeht, und die Werte zu w\u00fcrdigen, die jene Menschen schon verwirklichen, denen wir begegnen. Wir werden dazu aufgefordert, nicht etwas (Schweres) aufzub\u00fcrden, sondern vielmehr das Verlangen nach dem Evangelium der Familie zu wecken (AL 36) . \u201eDas Vertrauen auf die Gnade wachzurufen\u201c, welche die Ehe als \u201eerstrebenswerter und attraktiver\u201c einstuft, entspricht einer Sehnsucht, die junge Leute heute immer noch stark motiviert, trotz aller Zerbrechlichkeit in der aktuellen \u201eKultur des Provisorischen\u201c (AL 39).<br><br>***<br><br><strong>3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die pastorale Absicht jeglicher Doktrin<\/strong><br><br><strong>Die Lehre ist Gabe und Barmherzigkeit zugleich<\/strong><br><br>Im Anschluss an das Heilige Jahr durchziehen zwei Ausdr\u00fccke das Schreiben wie ein Leitmotiv: Die Gnade eines trinitarischen Gottes der Liebe, die sich gibt (AL 71-72), und die Barmherzigkeit, welche N\u00e4he und Mitgef\u00fchl vonseiten jener einschliesst, die sich als Christinnen und Christen bezeichnen (AL 297).<br><br>Das \u201ePrinzip Barmherzigkeit\u201c ist das \u201eschlagende Herz\u201c der christlichen Lehre (AL 309), denn es ist die Mitte der Zuwendung eines Gottes, der uns und der ganzen Menschheit nahe gekommen ist. Es ist dieses Prinzip des Mitgef\u00fchls, welches die Verbindung schafft zwischen der \u201eLogik des Evangeliums\u201c, der Lehre und der Logik der Pastoral (AL 307-312). Wie Kardinal Sch\u00f6nborn geschrieben hat:&nbsp;<em>Die Doktrin ohne Pastoral ist l\u00e4rmende Pauke (1 Kor 13,1). Die Pastoral ohne die Lehre ist nur \u201eMenschenweisheit\u201c (Mt 16,23). Die Lehre, das ist zuerst das Evangelium: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er seinen eigenen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat. Dies ist die Verk\u00fcndigung der grundlegenden Glaubenswahrheit: Gott hat (uns) Barmherzigkeit erwiesen&nbsp;<\/em>(vgl. Der Blick des guten Hirten; Bex\/Paris, Parole et Silence, 2016, S. 86).<br><br><strong>Die g\u00f6ttliche P\u00e4dagogik<\/strong><br><br>Statt sie in einen unvers\u00f6hnlichen Gegensatz zu bringen, geht es darum, die Vorgabe eines anspruchsvollen, f\u00fcr die Gnade offenen Ideals, ohne unrealistische Idealisierung, mit der mitf\u00fchlenden N\u00e4he gegen\u00fcber zerbrechlichen Menschen zu verbinden (AL 35-38). Das sind die beiden Seiten ein und derselben Medaille, die zwei Aspekte desselben Geheimnisses der unverdienten Gabe in der \u201eg\u00f6ttlichen P\u00e4dagogik der Gnade\u201c uns gegen\u00fcber (AL 297).<br><br><strong>Eine missionarische Umkehr<\/strong><br><br>Wie soll man nun aus diesem beschriebenen Dilemma herausfinden? Es braucht ein pastorales Umdenken, einen wirklichen \u201eAufbruch\u201c, ein \u201eHinausgehen\u201c (vgl. Evangelii Gaudium 20-26) in Richtung von Begegnungen, in denen inmitten \u201ezahlloser Unterschiede der konkreten Situationen (AL 300) das Gute mit H\u00e4nden zu greifen ist, \u201edas der Heilige Geist inmitten der Schwachheit und Hinf\u00e4lligkeit verbreitet: Eine Mutter [die Kirche], die klar ihre objektive Lehre zum Ausdruck bringt und zugleich nicht auf das m\u00f6gliche Gute verzichtet, auch wenn sie Gefahr l\u00e4uft, sich mit dem Schlamm der Strasse zu beschmutzen\u201c (AL 308). Es braucht eine Pastoral der N\u00e4he, bei der wir \u201edem Gewissen der Gl\u00e4ubigen Raum geben\u201c (AL 37). Der Papst nennt dies eine Pastoral \u201eSchulter an Schulter\u201c (w\u00f6rtlich: K\u00f6rper an K\u00f6rper) (Brief des Papstes an die Bisch\u00f6fe der Region von Buenos Aires, 5.9.2016).<br><br>Die hohe theologische Tradition, die der Heilige Vater bei dieser Gelegenheit zur Unterst\u00fctzung seiner \u00dcberlegungen in Erinnerung ruft, geht in die gleiche Richtung. Der hl. Thomas von Aquin best\u00e4tigt in seiner Lehre, dass allgemeine Normen zwar \u201eein Gut darstellen\u201c, in ihren Ausformulierungen aber \u201eunm\u00f6glich alle Sondersituationen umfassen\u201c (AL 304; vgl. Thomas von Aquin, Summa theologica IIa-IIae, q. 94, art. 4). \u201eEs kommt also umso h\u00e4ufiger zu Fehlern, je mehr man in die spezifischen Einzelheiten absteigt\u201c (AL 304).<br><br>Das wirkliche Leben der Person ist dabei wichtiger als die Idee, gem\u00e4ss dem Prinzip, das in&nbsp;<em>Evangelii Gaudium<\/em>&nbsp;(EG 231-233) angef\u00fchrt wird. Der Wille Gottes ist immer konkret, in jeder Situation. Er reduziert sich nie auf eine simple \u00dcbereinstimmung mit den moralischen Gesetzen (AL 304-305), sondern verlangt eine spirituelle Begleitung, die akzeptiert, \u201emit dem konkreten Leben der anderen ernsthaft in Ber\u00fchrung zu kommen und die Kraft der Zartheit kennen (zu) lernen\u201c (AL 308, vgl. EG 270).<br><br><strong>Das Gesetz der Gradualit\u00e4t<\/strong><br><br>Deswegen sprechen wir von einem Gesetz der Gradualit\u00e4t (AL 293-295), das jede pastorale Bem\u00fchung bestimmen muss, und das erlaubt, unter allen Umst\u00e4nden das m\u00f6gliche Gute zu suchen (EG 44). Die Lehre der Kirche dient auf diesem Weg als Wegweiser, um sich nicht zu verlieren; das Evangelium ist der Gipfel, zu dem wir aufsteigen, die Kraft, die uns anschiebt, die Freude des Heiligen Geistes in unserem innersten Wesen; pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Bergf\u00fchrer, die unterst\u00fctzen und ermutigen, und das Sakrament der Ehe ist nicht eine Art Belohnung, sondern kostbares Mittel und Zeichen der Liebe Gottes, die wir immer nur auf unvollkommene Weise verwirklichen: \u201eMan sollte nicht zwei begrenzten Menschen die gewaltige Last aufladen, in vollkommener Weise die Vereinigung nachzubilden, die zwischen Christus und seiner Kirche besteht, denn die Ehe als Zeichen beinhaltet einen \u00abdynamischen Prozess von Stufe zu Stufe entsprechend der fortschreitenden Hereinnahme der Gaben Gottes\u00bb\u201c (AL 122).<br><br><strong>Die Hl. Schrift als Wegbegleiterin<\/strong><br><br>Auf diesem Weg, erweist sich das Wort Gottes nicht als eine Anh\u00e4ufung abstrakter Thesen, sondern als \u201eWegbegleiter\u201c, und zwar auch f\u00fcr die Familien, die sich in einer Krise befinden oder leiden: Allen zeigt das Wort Gottes das Ziel des Weges (AL 22).<br><br>Daraus ergeben sich bestimmte Haltungen und pastorale Kompetenzen, die erworben und entwickelt werden m\u00fcssen.<br><br>***<br><br><strong>4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Lernen, (genau) hinzuschauen<\/strong><br><br><strong>Eine Pastoral des liebenden Blickes<\/strong><br><br>Durch das Lesen der Hl. Schrift lernen wir, uns die Sichtweise Jesu anzueignen. Denn alle Glaubensgeheimnisse h\u00e4ngen mit der Nachahmung Jesu zusammen. Daraus ergeben sich sowohl die Lehre wie die seelsorgliche Praxis.<br><br>Wir m\u00fcssen also, um Papst Franziskus zu folgen, lernen, in die Tiefe zu blicken, um uns auf den Wegen des Lebens gegenseitig zu best\u00e4rken und zu unterst\u00fctzen. Es geht darum, die eigene Erfahrung nicht nur oberfl\u00e4chlich, im Halbdunkel eigener und gesellschaftlicher Gewohnheiten zu erfassen, sondern in der Tiefe des Gewissens und im Dialog und Austausch mit der gesamten Kultur des Umfeldes, auch unter Zuhilfenahme der Ergebnisse der Humanwissenschaften wie der Psychologie, Soziologie, P\u00e4dagogik u.a.m. Auf diese Weise lernen wir jene missionarische Wende in der Kirche zu vollziehen, zu der uns der Bischof von Rom auffordert.<br><br>Das gilt ebenso f\u00fcr jeden Blick des Einzelnen auf seine N\u00e4chsten (Kap. 4 u. 5) wie auch f\u00fcr den Blick der pastoralen Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters bzw. des P\u00e4dagogen (Kap. 6 u. 7): \u201eEs ist eine tiefe geistliche Erfahrung, jeden geliebten Menschen mit den Augen Gottes zu betrachten und in ihm Christus zu erkennen\u201c (AL 323).<br><br><strong>In allen Phasen<\/strong><br><br>Es ist dieser kontemplative Blick, den Franziskus anhand des Hohenliedes der Liebe des hl. Paulus (1 Kor 13), in dem Einzelaspekte der Liebe wie Perlen zu einer Rosenkranzschnur zusammengef\u00fcgt werden (AL 90-119), im Detail beschreibt. Die Jugendkatechese und die gesamte Familienpastoral sind aufgerufen, auf den Etappen ihrer inneren Reifung den Blick f\u00fcr die Liebe und die Freundschaft&nbsp; zu sch\u00e4rfen, z.B. bei der Ehevorbereitung, bei der die Liebe durch das Sakrament der Ehe erleuchtet werden soll: \u201eEs ist die Liebe, welche \u2013 geheiligt, bereichert und erleuchtet durch die Gnade des Ehesakramentes \u2013 die Eheleute vereint. Es ist eine \u00abaffektive\u00bb (Thomas von Aquin, Summa theologica IIa-IIae, q. 27 art. 2), geistige und oblative, \u00abschenkende\u00bb Vereinigung, die aber auch die Z\u00e4rtlichkeit der Freundschaft und die erotische Leidenschaft umfasst, obschon sie f\u00e4hig ist weiterzubestehen, auch wenn die Gef\u00fchle und die Leidenschaft schw\u00e4cher werden\u201c (AL 120).<br><br>Das gilt auch f\u00fcr den weiteren famili\u00e4ren Rahmen durch die allt\u00e4glichen Schwierigkeiten hindurch, um durch Br\u00fcderlichkeit und Solidarit\u00e4t eine Welt aufzubauen, in der sich niemand allein f\u00fchlt (AL 187-194.321). \u201eVielleicht sind wir uns dessen nicht immer bewusst, aber gerade die Familie bringt die Br\u00fcderlichkeit in die Welt hinein! Angefangen bei dieser ersten Erfahrung der Br\u00fcderlichkeit, gen\u00e4hrt von der Zuneigung und der Erziehung in der Familie, strahlt der Stil der Br\u00fcderlichkeit als Verheissung auf die ganze Gesellschaft [\u2026] aus\u201c (AL 194). Das gilt umso mehr, als wir immer \u00e4lter werden und die Umwandlung der erotischen Liebe in Z\u00e4rtlichkeit und Treue eine immer gr\u00f6ssere Notwendigkeit und Herausforderung wird: \u201eDie Verl\u00e4ngerung des Lebens l\u00e4sst ein Ph\u00e4nomen entstehen, das in vergangenen Zeiten eher ungew\u00f6hnlich war: Die vertraute Beziehung und die gegenseitige Zugeh\u00f6rigkeit m\u00fcssen \u00fcber vier, f\u00fcnf oder sechs Jahrzehnte hin bewahrt werden, und das wird zu einer Notwendigkeit, einander immer wieder neu zu erw\u00e4hlen\u201c (AL 163-164).<br><br><strong>Ein differenzierter Blick<\/strong><br><br>So sind wir eingeladen, einen &nbsp;\u201edifferenzierten Blick\u201c auf die Wirklichkeit zu werfen, wie er bereits in&nbsp;<em>Familiaris consortio<\/em>&nbsp;von Johannes Paul II. skizziert wurde (FC 84&nbsp;; cf. AL 297-300). Man sollte die Leute dort abholen, wo sie sind, und die bereits gelebten positiven Elemente in Partnerschaft und Familie entdecken \u2013 auch in jenen, die das christliche Ideal nicht verk\u00f6rpern. Von hier aus geht es darum, sie voranzubringen: \u201eAll diese Situationen m\u00fcssen in konstruktiver Weise angegangen werden, indem versucht wird, sie in Gelegenheiten f\u00fcr einen Weg hin zur F\u00fclle der Ehe und der Familie im Licht des Evangeliums zu verwandeln. Es geht darum, sie mit Geduld und Feingef\u00fchl anzunehmen und zu begleiten\u201c (AL 294).<br><br><strong>Eine \u201efokussierende\u201c Pastoral<\/strong><br><br>Damit weist Franziskus sowohl Rigorismus wie Laxismus zur\u00fcck: eine strenge Pastoral, die behauptet, alles durch die blosse Anwendung allgemeiner Normen zu l\u00f6sen (AL 304; 308), wie auch eine Pastoral der Zugest\u00e4ndnisse, die zur Annahme verleiten k\u00f6nnte, die Kirche vertrete eine Doppelmoral (vgl. AL 300; 2). Diese neue Zugangsweise ist in der Tat eine Herausforderung. Sie verlangt von uns, mit einer grossen Offenheit des Herzens unseren inneren Blick wie das Objektiv einer Kamera zu fokussieren, kurz, mit der best\u00e4ndigen Notwendigkeit den Weg der Liebe einzuschlagen.<br><br>***<br><br><strong>5.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Lernen, zu begleiten<\/strong><br><br><strong>Gott begleitet uns<\/strong><br><br>Eine pastorale Kompetenz, die es zu entwickeln gilt, ist die Begleitung. \u201eAuf diese Weise zeigt Jesus, wie Gottes Entgegenkommen den Weg der Menschen immer begleitet, die verh\u00e4rteten Herzen mit seiner Gnade heilt und verwandelt und sie \u00fcber den Weg des Kreuzes auf ihren Ursprung hin ausrichtet.\u201c (AL 62) Die Kirche \u201eweiss sehr wohl, dass Jesus sich selbst als Hirten von hundert Schafen darstellt und nicht von neunundneunzig. Er will sie alle. Aufgrund dieses Bewusstseins wird es m\u00f6glich sein, dass alle, Glaubende und Fernstehende, [\u2026] das Salb\u00f6l der Barmherzigkeit erfahren [k\u00f6nnen], als Zeichen des Reiches Gottes, das schon unter uns gegenw\u00e4rtig ist\u201c (AL 309).<br><br><strong>Eine Begleitung durch und f\u00fcr alle<\/strong><br><br>Wie die Eheleute nach der lateinischen Tradition die Spender des Sakramentes (AL 75) sind, sind sie gleichzeitig auch die \u201ewirklichen sakramentalen Diener der Erziehung\u201c (AL 85), \u201edenn wenn sie ihre Kinder heranbilden, bauen sie die Kirche auf, und damit nehmen sie eine Berufung Gottes an.\u201c (AL 85) Durch das Sakrament der Ehe werden sie selbst zu den hauptverantwortlichen Akteuren der Familienpastoral (vgl. AL 200). Man muss also auf die eigenen, genuinen Familienkompetenzen setzen und die Eltern bef\u00e4higen, Gerechtigkeit, Frieden, Wahrheit, Liebe und Glaube in ihren Kindern wachzurufen (vgl. Kap. 7).<br><br>Dazu kommt, dass die ganze christliche Gemeinde f\u00fcr diese seelsorgliche Begleitung mitverantwortlich ist (AL 202; 206; 207). Denn die gegenseitige Hilfestellung in den Gemeinden geschieht durch junge, ausstrahlende Ehepaare und Familien. Unsere Pastoralpl\u00e4ne und -projekte m\u00fcssen also die Ehe- und Familienpastoral zu einem genuinen und priorit\u00e4ren Anliegen machen (AL 200) und ihr jene Mittel zur Verf\u00fcgung stellen, die sie ausbauen und st\u00e4rken. Sie ist eine Angelegenheit und Aufgabe f\u00fcr alle und nicht nur f\u00fcr einige Spezialisten. In jedem Pastoralteam sollte jemand damit besonders beauftragt sein.<br><br><strong>Eine fortschreitende Begleitung<\/strong><br><br>Wie schon im Zusammenhang der Pastoral des liebenden Blickes ausgef\u00fchrt wurde, sollte die Begleitung von Ehepaaren und Familien sich in Etappen und entsprechend den spirituellen Herausforderungen vollziehen, die mit jeder einzelnen von ihnen verbunden sind. Dabei entfaltet sie sich als eine wirkliche Pastoral des Weges:<br><br>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Verlobungszeit muss in ihrer Bedeutung neu entdeckt werden.<br><br>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Vorbereitung auf die Ehe muss dem Erwerb evangeliumskonformer Tugenden und der Vertiefung ehelicher Spiritualit\u00e4t (AL 205-216) dienen, eine Art \u201eEhekatechumenat\u201c, das in die gesamte christliche Initiation integriert wird (in Verbindung mit Taufe, Firmung, Eucharistie und Beichte). Die Bist\u00fcmer sollen sich darum bem\u00fchen, gemeinsame Minimalstandards zu definieren, welche die pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4che mit dem Zelebranten kombiniert mit Begegnungen der Paare untereinander.<br><br>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Begleitung der ersten Ehejahre muss durch flexible Formen weiterf\u00fchrender Hilfestellungen ausgebaut werden, um Paare dabei zu unterst\u00fctzen, wie man den Alltag besser bestreitet (<em>best practices<\/em>), eine starke Bindung in der Partnerschaft erlebt und mit anderen Paaren in Kontakt tritt (AL 217-230). Denn das Sakrament der Ehe ist nicht die Endstation, sondern der Ausgangspunkt eines Glaubensprozesses. \u201eEine der Ursachen, die zu Br\u00fcchen in der Ehe f\u00fchren, besteht in den \u00fcbertrieben hohen Erwartungen an das Eheleben. Wenn man die Wirklichkeit entdeckt, die begrenzter und herausfordernder ist als das, was man sich ertr\u00e4umt hatte, liegt die L\u00f6sung nicht darin, schnell und unverantwortlich an eine Trennung zu denken, sondern darin, die Ehe als einen Weg der Reifung anzunehmen, wo jeder der Ehepartner ein Werkzeug Gottes ist, um den anderen wachsen zu lassen\u201c (AL 221).<br><br>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Unvermeidliche Pr\u00fcfungen (AL 231-238), auch aufgrund bereits vorhandener Verwundungen (AL 239-240), m\u00fcssen aufgefangen werden; Kinder sollen nicht Opfer der Konflikte werden (AL 245-246); und schliesslich muss auch Trauerarbeit geleistet werden, wo der geliebte Partner oder ein gemeinsames Kind stirbt (Der Stachel des Todes. AL 253-258).<br><br>***<br><br><strong>6.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Lernen, zu erkennen<\/strong><br><br><strong>Bis zuletzt begleiten, in welcher Situation auch immer<\/strong><br><br>Eine solche Begleitung erfordert best\u00e4ndiges Fingerspitzengef\u00fchl und Achtsamkeit, um in den unterschiedlichsten Situationen Unterst\u00fctzung leisten zu k\u00f6nnen. Sie muss durch Krisen hindurchf\u00fchren und nicht zuletzt in ihnen eine entscheidende Chance des Neubeginns sehen: \u201eJede Krise birgt eine gute Nachricht, die zu h\u00f6ren man lernen muss, indem man das Ohr des Herzens verfeinert\u201c (AL 232).<br><br><strong>Eine Kultur der Unterscheidung<\/strong><br><br>Das geht nur mit einer neuen Kultur der ignatianischen Unterscheidung innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft, insbesondere in unserem Kontext der vielen und komplexen Beziehungssituationen (AL 247-252; 296-300).<br><br>Auch wenn die allgemeine Norm f\u00fcr alle eine verbindliche Referenz bleibt, muss sie in Bezug auf das Evangelium \u00fcberpr\u00fcft und angepasst werden, indem sie die Einzigartigkeit und Problematik jeder Situation angemessen ber\u00fccksichtigt (AL 304-305). In der Tat gibt es mildernde Umst\u00e4nde, die in bestimmten F\u00e4llen Verantwortung und Schuld vermindern oder gar aufheben: &nbsp;\u201eDie Anrechenbarkeit einer Tat und die Verantwortung f\u00fcr sie k\u00f6nnen durch Unkenntnis, Unachtsamkeit, Gewalt, Furcht, Gewohnheiten, \u00fcberm\u00e4ssige Affekte sowie weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren vermindert, ja sogar aufgehoben sein\u201c (AL 302; KKK 1735).<br><br><strong>Das Gewissen erleuchten<\/strong><br><br>Die Anerkennung der Komplexit\u00e4t und Bedingtheit existenzieller Situationen, in denen Menschen sich befinden, muss die Pastoral auch dazu bewegen, das moralische Gewissen der Menschen zu sch\u00e4rfen und seine Bedeutung in diesem Prozess der Unterscheidung noch mehr zu beachten (AL 37; 222; 303). Die Rolle der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besteht darin, das Gewissen der Menschen zu erleuchten bzw. zu bilden und sie auf diesen inneren Kompass zu verweisen (AL 298-300): \u201eDas Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem Innersten zu h\u00f6ren ist\u201c (GS 16).<br><br>***<br><br><strong>7.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Lernen, zu integrieren<\/strong><br><br><strong>Kirche f\u00fcr alle<\/strong><br><br>Entsprechend der Lehre von Papst Franziskus bem\u00fchen wir uns um eine Kultur der Integration und des Mitgef\u00fchls (AL 296). Hierzu z\u00e4hlen auch die Paare und Familien, die sich in objektiven Situationen des Bruches und der Nicht\u00fcbereinstimmung mit der kirchlichen Norm befinden. \u201eAufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es m\u00f6glich, dass man mitten in einer objektiven Situation der S\u00fcnde \u2013 die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht v\u00f6llig ist \u2013 in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt\u201c (AL 305). In einigen F\u00e4llen k\u00f6nnte dies auch die Hilfe der Sakramente einschliessen (AL Fussnoten 336 u. 351).<br><br><strong>Eine Logik der Integration<\/strong><br><br>Wir laden also ein, jederzeit die Logik der Integration jener des Ausschlusses vorzuziehen: \u201eZwei Arten von Logik [\u2026] durchziehen die gesamte Geschichte der Kirche: ausgrenzen und wiedereingliedern[\u2026] Der Weg der Kirche ist vom Jerusalemer Konzil an immer der Weg Jesu: der Weg der Barmherzigkeit und der Eingliederung [\u2026] Der Weg der Kirche ist der, niemanden auf ewig zu verurteilen, die Barmherzigkeit Gottes \u00fcber alle Menschen auszugiessen, die sie mit ehrlichem Herzen erbitten [\u2026] Denn die wirkliche Liebe ist immer unverdient, bedingungslos und gegenleistungsfrei\u201c (AL 296).<br><br>***<br><br><strong>8.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Einige pastorale Auswirkungen<\/strong><br><br><strong>Vorschl\u00e4ge, die bereits gemacht wurden<\/strong><br><br>Wir haben bereits mehrere Vorschl\u00e4ge angef\u00fchrt: Verlangen nach dem Evangelium der Liebe, Ehe und Familie wecken; so vielen Interessierten wie m\u00f6glich einen Leitfaden f\u00fcr das Studium von&nbsp;<em>Amoris Laetitia<\/em>&nbsp;anbieten; sich eine achtsame Seelsorgepraxis aneignen, die eine Willkommenskultur der Integration, der st\u00e4ndigen Begleitung, Unterscheidung und Gewissensbildung beg\u00fcnstigt, wie auch immer die konkrete Situation gerade aussieht.<br><br>Wir unterst\u00fctzen die bereits bestehenden Angebote im Bereich der Ehevorbereitung und Familienpastoral wie auch der Erwachsenenkatechese und verstehen sie als Hilfe f\u00fcr Eltern, um ihre Ehe und Erziehungsarbeit besser zu verwirklichen und die F\u00f6rderung von Austauschgruppen f\u00fcr Eheleute zu st\u00e4rken.<br><br><strong>Weiterbildungsangebote zum bewussteren Zuh\u00f6ren und besseren Begleiten<\/strong><br><br>Des Weiteren m\u00f6chten wir als integrative und vielf\u00e4ltige Kirche die Grundausbildung und st\u00e4ndige Weiterbildung der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sinne einer durch&nbsp;<em>Amoris Laetitia<\/em>&nbsp;angestossenen, differenzierten Pastoral ausbauen. Dies kann auf regionaler und di\u00f6zesaner Ebene geschehen. Dazu geh\u00f6rt auch eine vertiefte Kenntnis der Kunst der Unterscheidung und einer diesbez\u00fcglichen, immer wieder neuen Standortbestimmung (Supervision).<br><br><strong>Interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit<\/strong><br><br>Das verlangt auch eine Zusammenarbeit mit Nichttheologinnen und -theologen, die in unserem Kontext professionelle Hilfe anbieten (Psychologen, Therapeutinnen, Juristen), um die konkreten Probleme der Familien in ihrer unbegrenzten Vielfalt besser angehen zu k\u00f6nnen.<br><br><strong>St\u00e4ndige Erreichbarkeit<\/strong><br><br>Die Familienpastoral soll durch besonders beauftragte Personen und Kompetenzzentren unterst\u00fctzt werden, um eine wirkliche Pastoral der N\u00e4he zu erm\u00f6glichen, deren Rat st\u00e4ndig zur Verf\u00fcgung steht und die permanent Beistand und Hilfe bietet, wie es der Papst genannt hat: \u201eSchulter an Schulter\u201c (vgl. oben).<br><br><strong>Gruppenbegleitung<\/strong><br><br>Eine so konzipierte Pastoral der N\u00e4he kann zur Bildung von individuellen Gruppen (Verheiratete, Alleinstehende, Geschiedene, zivil Wiederverheiratete, Homosexuelle etc.) f\u00fchren, welche miteinander das Wort Gottes teilen, einander helfen und begleiten, nicht zuletzt jene, die nach einer Trennung oder einer Scheidung alleine in der Treue zur Unaufl\u00f6slichkeit ihrer Ehe leben m\u00fcssen.<br><br>***<br><br><strong>9.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ziel: Ein Weg des inneren Wachstums f\u00fcr alle<\/strong><br><br><em>Amoris Laetitia<\/em>&nbsp;ist nichts anderes als eine Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils und seiner Sensibilit\u00e4t f\u00fcr unsere historische Lage im Bereich der Familienpastoral. Daf\u00fcr stehen Ausdr\u00fccke wie Zeit, Weg, Wachstum, Reifung, Prozess. Der Aufbau einer stabilen Liebesbeziehung setzt eine Dynamik voraus, die mit Feingef\u00fchl und Beharrlichkeit begleitet werden muss. Sie gilt vor dem Hintergrund unserer grundlegenden Ebenb\u00fcrtigkeit aufgrund der Taufe f\u00fcr jede und jeden Einzelnen von uns. \u201eDenn, wie wir mehrere Male in diesem Schreiben in Erinnerung gerufen haben, ist keine Familie eine himmlische Wirklichkeit und ein f\u00fcr alle Mal gestaltet, sondern sie verlangt eine fortschreitende Reifung ihrer Liebesf\u00e4higkeit. Es besteht ein st\u00e4ndiger Aufruf, der aus der vollkommenen&nbsp;<em>Communio<\/em>&nbsp;der Dreifaltigkeit, aus der kostbaren Vereinigung zwischen Christus und seiner Kirche, aus jener so sch\u00f6nen Gemeinschaft der Familie von Nazareth und aus der makellosen Geschwisterlichkeit unter den Heiligen des Himmels hervorgeht\u201c (AL 325).<br><br>Daher l\u00e4sst uns der Aufruf des Papstes, der das Dokument abschliesst, nie an der Wirkkraft der Gnade zweifeln: \u201eAlle sind wir aufgerufen, das Streben nach etwas, das \u00fcber uns selbst und unsere Grenzen hinausgeht, lebendig zu erhalten, und jede Familie muss in diesem st\u00e4ndigen Anreiz leben. Gehen wir voran als Familien, bleiben wir unterwegs! Was uns verheissen ist, ist immer noch mehr. Verzweifeln wir nicht an unseren Begrenztheiten, doch verzichten wir ebenso wenig darauf, nach der F\u00fclle der Liebe und der&nbsp;<em>Communio<\/em>&nbsp;zu streben, die uns verhei\u00dfen ist\u201c (AL 325).<br><br>Es geht in unseren pastoralen Bem\u00fchungen schliesslich darum, mit Geduld die Etappen des jeweils m\u00f6glichen geistlichen Wachstums zu begleiten, um den Weg offen zu halten \u201ef\u00fcr die Barmherzigkeit des Herrn, die uns anregt, das m\u00f6gliche Gute zu tun\u201c (AL 308; EG 44).<br><br>St. Niklausen (OW), den 5. September 2017<br><br><strong><em>Die Bisch\u00f6fe und Territorial\u00e4bte der Schweiz<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/09\/BotschaftderSBK_AmorisLaetitia_genehmigt317OV_170907_d-1.pdf\" download>Botschaft Amoris Laetitia 2017 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Botschaft der Schweizer Bischofskonferenz an alle pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Priester, Diakone und Laien<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":7717,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[150],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1222"}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1222"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1222\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8807,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1222\/revisions\/8807"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7717"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}