{"id":1162,"date":"2019-04-05T16:41:00","date_gmt":"2019-04-05T14:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1162"},"modified":"2021-01-21T22:59:55","modified_gmt":"2021-01-21T21:59:55","slug":"botschaft-von-papst-franziskus-zur-fastenzeit-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/botschaft-von-papst-franziskus-zur-fastenzeit-2019\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Franziskus zur Fastenzeit 2019"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u00abDie Sch\u00f6pfung wartet sehns\u00fcchtig auf das Offenbarwerden der S\u00f6hne Gottes\u00bb <br>(R\u00f6m 8, 19)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Liebe Br\u00fcder und Schwestern,<\/em><br><br>jedes Jahr schenkt Gott durch die Mutter Kirche seinen \u00bbGl\u00e4ubigen die Gnade, das Osterfest in der Freude des Heiligen Geistes zu erwarten\u00ab. Er ruft uns \u00bbzur Feier der Geheimnisse, die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern\u00ab, und f\u00fchrt uns \u00bbmit gel\u00e4utertem Herzen [\u2026] zur F\u00fclle des Lebens durch unseren Herrn Jesus Christus\u00ab (Pr\u00e4fation f\u00fcr die Fastenzeit I). Auf diese Weise k\u00f6nnen wir von einem Osterfest zum n\u00e4chsten der Vollendung der Erl\u00f6sung entgegengehen, die wir bereits durch das Paschamysterium Christi empfangen haben: \u00bbDenn auf Hoffnung hin sind wir gerettet\u00ab(<em>R\u00f6m<\/em>&nbsp;8,24). Dieses Heilsgeheimnis, das in uns schon im irdischen Leben am Werk ist, ist ein dynamischer Prozess, der auch die Geschichte und die gesamte Sch\u00f6pfung umfasst. Der heilige Paulus sagt sogar: \u00bbDie Sch\u00f6pfung wartet sehns\u00fcchtig auf das Offenbarwerden der S\u00f6hne Gottes\u00ab (<em>R\u00f6m<\/em>&nbsp;8,19). Vor diesem Hintergrund m\u00f6chte ich ein paar Anst\u00f6\u00dfe zum Nachdenken geben, die unseren Weg der Umkehr w\u00e4hrend der n\u00e4chsten Fastenzeit begleiten sollen.<br><br><em>1. Die Erl\u00f6sung der Sch\u00f6pfung<\/em><br><br>Als H\u00f6hepunkt des Kirchenjahres ruft uns die Feier des Ostertriduums vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung Christi jedes Mal dazu auf, die Vorbereitung darauf in dem Bewusstsein zu leben, dass unsere Gleichgestaltung mit Christus (vgl.&nbsp;<em>R\u00f6m<\/em>&nbsp;8,29) ein unermessliches Geschenk der Barmherzigkeit Gottes ist.<br><br>Wenn der Mensch als Kind Gottes, als erl\u00f6ste Person lebt, die sich vom Heiligen Geist leiten l\u00e4sst (vgl.&nbsp;<em>R\u00f6m<\/em>&nbsp;8,14) und das Gesetz Gottes \u2013 angefangen bei dem Gesetz, das schon in sein Herz und in die Natur eingeschrieben ist \u2013 zu erkennen und in die Praxis umzusetzen wei\u00df, dann&nbsp;<em>wird er auch der Sch\u00f6pfung Gutes tun<\/em>&nbsp;und an ihrer Erl\u00f6sung mitwirken. Darum ist es der sehnliche Wunsch der Sch\u00f6pfung \u2013 so sagt Paulus \u2013, dass Gottes S\u00f6hne und T\u00f6chter offenbar werden, das hei\u00dft, dass diejenigen, die bereits die Gnade des Paschamysteriums Jesu empfangen haben, dessen Fr\u00fcchte in ihrer F\u00fclle leben. Sie sind n\u00e4mlich dazu bestimmt, ihre vollkommene Reife in der Erl\u00f6sung des menschlichen Leibes selbst zu erlangen. Wenn die Liebe Christi das Leben der Heiligen \u2013 Geist, Seele und Leib \u2013 verwandelt, dann lobpreisen sie Gott. In ihrem Gebet, in der Betrachtung und Kunst beziehen sie dabei auch die Gesch\u00f6pfe mit ein, wie es der \u201eSonnengesang\u201c des Franz von Assisi (vgl. Enzyklika&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html\">Laudato si<\/a>\u2019<\/em>, 87) wunderbar zeigt. Doch in dieser Welt ist die durch die Erl\u00f6sung geschaffene Harmonie noch immer und st\u00e4ndig von der negativen Kraft der S\u00fcnde und des Todes bedroht.<br><br><em>2. Die zerst\u00f6rerische Kraft der S\u00fcnde<\/em><br><br>Wenn wir nicht als S\u00f6hne und T\u00f6chter Gottes leben, ist unser Verhalten unserem N\u00e4chsten und den anderen Gesch\u00f6pfen \u2013 aber auch uns selbst \u2013 gegen\u00fcber oft zerst\u00f6rerisch, da wir mehr oder weniger bewusst davon ausgehen, von allem nach unserem Belieben Gebrauch machen zu k\u00f6nnen. Dann gewinnt die Unm\u00e4\u00dfigkeit die Oberhand und f\u00fchrt zu einer Lebensweise, die jene Grenzen verletzt, die zu respektieren unser Menschsein und die Natur von uns verlangen. Wir geben den ungez\u00fcgelten W\u00fcnschen nach, die im Buch der Weisheit den Ungl\u00e4ubigen zugeschrieben werden beziehungsweise denen, die weder Gott zum Bezugspunkt ihres Handelns nehmen noch eine Hoffnung f\u00fcr die Zukunft haben (vgl. 2,1-11). Wenn wir uns nicht st\u00e4ndig nach dem Osterfest ausrichten und die Auferstehung als Ziel vor Augen halten, dann ist klar, dass sich am Ende die Logik des&nbsp;<em>&nbsp;Alles-und-sofort<\/em>&nbsp;und des&nbsp;<em>Immer-mehr-haben<\/em>&#8211;<em>Wollens<\/em>&nbsp;durchsetzt.<br><br>Die Ursache von allem B\u00f6sen ist, wie wir wissen, die S\u00fcnde. Seit ihrem ersten Auftreten unter den Menschen hat sie die Gemeinschaft mit Gott, mit den anderen und mit der Sch\u00f6pfung, der wir vor allem durch unseren Leib verbunden sind, unterbrochen. Durch den Bruch der Gemeinschaft mit Gott wurde auch die Harmonie des Menschen mit der ihm zugedachten Umwelt gest\u00f6rt, sodass der Garten zu einer W\u00fcste wurde (vgl.&nbsp;<em>Gen<\/em>&nbsp;3,17-18). Es handelt sich dabei um jene S\u00fcnde, die den Menschen dazu f\u00fchrt, sich f\u00fcr den Gott der Sch\u00f6pfung zu halten, sich als ihr absoluter Herrscher zu f\u00fchlen und sie nicht zu dem von Gott bestimmten Zweck zu nutzen, sondern nur im eigenen Interesse und auf Kosten der Gesch\u00f6pfe und der Mitmenschen.<br><br>Wenn das Gesetz Gottes, das Gesetz der Liebe, aufgegeben wird, setzt sich das Gesetz des St\u00e4rkeren gegen den Schw\u00e4cheren durch. Die S\u00fcnde, die im Herzen des Menschen wohnt (vgl.&nbsp;<em>Mk<\/em>&nbsp;7,20-23) \u2013 sie dr\u00fcckt sich in der Begierde, im Verlangen nach unm\u00e4\u00dfigem Wohlstand, in der Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber dem Wohl der anderen und h\u00e4ufig auch gegen\u00fcber dem eigenen Wohl aus \u2013, f\u00fchrt zur Ausbeutung der Sch\u00f6pfung, der Menschen und der Umwelt in einer uners\u00e4ttlichen Gier, f\u00fcr die jeder Wunsch zu einem Recht wird und die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auch den zerst\u00f6ren wird, der von ihr beherrscht wird.<br><br><em>3. Die heilende Kraft von Reue und Vergebung<\/em><br><br>Daher ist es f\u00fcr die Sch\u00f6pfung so dringend notwendig, dass die S\u00f6hne und T\u00f6chter Gottes, all jene, die \u201eneue Sch\u00f6pfung\u201c geworden sind, offenbar werden: \u00bbWenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Sch\u00f6pfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden\u00ab (<em>2&nbsp;Kor<\/em>&nbsp;5,17). Durch ihr Offenbarwerden kann n\u00e4mlich auch&nbsp;<em>die Sch\u00f6pfung selbst&nbsp;<\/em>\u201e<em>Ostern feiern\u201c<\/em>: sich dem neuen Himmel und der neuen Erde \u00f6ffnen (vgl.&nbsp;<em>Offb<\/em>&nbsp;21,1). Der Weg auf Ostern hin ruft uns eben dazu auf, unser christliches Angesicht und unser christliches Herz durch Reue, Umkehr und Vergebung zu erneuern, damit wir den ganzen Reichtum der Gnade des Paschamysteriums leben k\u00f6nnen.<br><br>Diese \u201eUngeduld\u201c, diese Erwartung der Sch\u00f6pfung wird erf\u00fcllt, wenn die S\u00f6hne und T\u00f6chter Gottes offenbar werden, das hei\u00dft, wenn die Christen und alle Menschen diese \u201eGeburtswehen\u201c der Umkehr entschlossen auf sich nehmen. Die gesamte Sch\u00f6pfung soll gemeinsam mit uns \u00bbvon der Knechtschaft der Verg\u00e4nglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes\u00ab (<em>R\u00f6m<\/em>&nbsp;8,21). Die Fastenzeit ist sakramentales Zeichen dieser Umkehr. Sie ruft die Christen dazu auf, das Paschamysterium in ihrem pers\u00f6nlichen, famili\u00e4ren und gesellschaftlichen Leben st\u00e4rker und konkreter Gestalt werden zu lassen, insbesondere durch das Fasten, Beten und Almosengeben.<br><br><em>Fasten<\/em>&nbsp;bedeutet zu lernen, unsere Haltung gegen\u00fcber den anderen und den Gesch\u00f6pfen zu \u00e4ndern: von der Versuchung, alles zu \u201everschlingen\u201c, um unsere Begierde zu befriedigen, hin zu der F\u00e4higkeit, aus Liebe zu leiden, welche die Leere unseres Herzens f\u00fcllen kann.&nbsp;<em>Beten,&nbsp;<\/em>damit wir auf die Idiolatrie und die Selbstgen\u00fcgsamkeit unseres Ichs verzichten lernen und eingestehen, dass wir des Herrn und seiner Barmherzigkeit bed\u00fcrfen.&nbsp;<em>Almosen geben<\/em>, damit wir die Torheit hinter uns lassen, nur f\u00fcr uns zu leben und alles f\u00fcr uns anzuh\u00e4ufen in der Illusion, uns so eine Zukunft zu sichern, die uns nicht geh\u00f6rt. So finden wir die Freude an dem Plan wieder, den Gott der Sch\u00f6pfung und unserem Herzen eingepr\u00e4gt hat: ihn, unsere Br\u00fcder und Schwestern und die gesamte Welt zu lieben und in dieser Liebe das wahre Gl\u00fcck zu finden.<br><br>Liebe Br\u00fcder und Schwestern, die \u201eFastenzeit\u201c des Sohnes Gottes war ein Eintreten in die&nbsp;<em>W\u00fcste<\/em>&nbsp;der Sch\u00f6pfung, um sie wieder zu dem&nbsp;<em>Garten<\/em>&nbsp;der Gemeinschaft mit Gott werden zu lassen, der sie vor dem S\u00fcndenfall war (vgl.&nbsp;<em>Mk<\/em>&nbsp;1,12-13;&nbsp;<em>Jes<\/em>&nbsp;51,3). In unserer Fastenzeit wollen wir den gleichen Weg noch einmal gehen, um auch der Sch\u00f6pfung die Hoffnung Christi zu bringen, dass sie \u00bbvon der Knechtschaft der Verg\u00e4nglichkeit befreit werden [soll] zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes\u00ab (<em>R\u00f6m<\/em>&nbsp;8,21). Lassen wir diese g\u00fcnstige Zeit nicht nutzlos verstreichen! Bitten wir Gott um seine Hilfe, den Weg wahrer Umkehr einzuschlagen. Lassen wir den Egoismus, den auf uns selbst fixierten Blick hinter uns und wenden wir uns dem Ostern Jesu zu; unsere Br\u00fcder und Schwestern in Not sollen unsere N\u00e4chsten sein, mit denen wir unsere geistlichen und materiellen G\u00fcter teilen. So ziehen wir, wenn wir in unserem konkreten Leben den Sieg Christi \u00fcber S\u00fcnde und Tod annehmen, seine verwandelnde Kraft auch auf die Sch\u00f6pfung herab.<br><br><em>Aus dem Vatikan, am 4. Oktober 2018,<\/em><br><em>&nbsp;dem Fest des heiligen Franz von Assisi<\/em><br><br><strong>FRANZISKUS<\/strong><br><br>\u00a9 Copyright &#8211; Libreria Editrice Vaticana<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abDie Sch\u00f6pfung wartet sehns\u00fcchtig auf das Offenbarwerden der S\u00f6hne Gottes\u00bb<br \/>\n(R\u00f6m 8, 19)<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":7075,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1162"}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1162"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1162\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6616,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1162\/revisions\/6616"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}