{"id":1120,"date":"2019-09-30T15:54:00","date_gmt":"2019-09-30T13:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1120"},"modified":"2021-01-21T22:50:41","modified_gmt":"2021-01-21T21:50:41","slug":"apostolisches-schreiben-in-form-eines-motu-proprio-aperuit-illis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/apostolisches-schreiben-in-form-eines-motu-proprio-aperuit-illis\/","title":{"rendered":"Apostolisches Schreiben in Form eines Motu proprio &#8222;Aperuit illis&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zur Einf\u00fchrung des Sonntags des Wortes Gottes<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"64\" height=\"78\" src=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/logo-vatican_small.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1122\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>APOSTOLISCHES SCHREIBE<br><br>IN FORM EINES &#8222;MOTU PROPRIO&#8220;<br><br>DES HEILIGEN VATERS<br><strong>&nbsp;PAPST FRANZISKUS<\/strong><br><br><strong>\u201c<em>APERUIT ILLIS<\/em>\u201d<\/strong><br><br>ZUR EINF\u00dcHRUNG DES<br><br><em>SONNTAGS DES WORTES GOTTES<\/em><br><br>1. \u00bbDarauf \u00f6ffnete er ihren Sinn f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Schriften\u00ab (<em>Lk<\/em>&nbsp;24,45). Dies ist eine der letzten Handlungen des auferstandenen Herrn vor seiner Himmelfahrt. Er erscheint den J\u00fcngern, als sie versammelt sind, bricht das Brot mit ihnen und \u00f6ffnet ihren Sinn f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Heiligen Schriften. Diesen ver\u00e4ngstigten und entt\u00e4uschten Menschen offenbart er die Bedeutung des Ostergeheimnisses: dass n\u00e4mlich Jesus nach dem ewigen Plan des Vaters leiden und von den Toten auferstehen musste, um die Umkehr und die Vergebung der S\u00fcnden anzubieten (vgl.&nbsp;<em>Lk<\/em>&nbsp;24,26.46-47); und er verhei\u00dft ihnen den Heiligen Geist, der ihnen die Kraft geben wird, Zeugen dieses Geheimnisses der Erl\u00f6sung zu sein (vgl.&nbsp;<em>Lk<\/em>&nbsp;24,49).<br><br>Die Beziehung zwischen dem Auferstandenen, der Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen und der Heiligen Schrift ist f\u00fcr unsere Identit\u00e4t \u00e4u\u00dferst wichtig. Ohne den Herrn, der uns in die Heilige Schrift einf\u00fchrt, ist es unm\u00f6glich, sie in ihrer Tiefe zu verstehen. Das Gegenteil ist aber ebenso wahr: Ohne die Heilige Schrift sind die Ereignisse der Sendung Jesu und seiner Kirche in der Welt nicht zu verstehen. Zu Recht konnte der heilige Hieronymus schreiben: \u00bbDie Schrift nicht kennen hei\u00dft Christus nicht kennen\u00ab (<em>Comm. in Is.<\/em>, Prolog).<br><br>2. Zum Abschluss des&nbsp;<em>au\u00dferordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit<\/em>&nbsp;habe ich darum gebeten, einen \u00bbSonntag\u00ab in Erw\u00e4gung zu ziehen, \u00bbder ganz und gar dem Wort Gottes gewidmet ist, um den unersch\u00f6pflichen Reichtum zu verstehen, der aus diesem st\u00e4ndigen Dialog Gottes mit seinem Volk hervorgeht\u00ab (Apostolisches Schreiben&nbsp;<em>Misericordia et misera<\/em>, 7). Auf besondere Weise einen Sonntag des Kirchenjahres dem Wort Gottes zu widmen erm\u00f6glicht es vor allem, dass die Kirche die Handlung des Auferstandenen wieder erf\u00e4hrt, der auch uns den Schatz seines Wortes erschlie\u00dft, damit wir in der Welt Verk\u00fcnder dieses unersch\u00f6pflichen Reichtums sein k\u00f6nnen. In diesem Zusammenhang kommt einem in den Sinn, was der heilige Ephr\u00e4m gelehrt hat: \u00bbWer ist f\u00e4hig, Herr, den ganzen Reichtum auch eines deiner Worte zu erfassen, da doch das, was wir nicht mit dem Verstand begreifen, gr\u00f6\u00dfer ist als das, was wir wie Durstige von der Quelle aufnehmen? Es gibt ebenso viele M\u00f6glichkeiten, dein Wort zu deuten, wie Menschen, die es studieren. Gott hat sein Wort in so viele sch\u00f6ne Formen gekleidet, damit ein jeder von denen, die es untersuchen, das, das im gef\u00e4llt, bedenke; und er hat in seinem Wort alle Sch\u00e4tze verborgen, auf dass ein jeder von uns, der \u00fcber es nachdenkt, von ihm bereichert wird\u00ab (<em>Kommentar zum Diatessaron<\/em>, 1,18).<br><br>Mit diesem Schreiben m\u00f6chte ich daher auf die vielen Bitten antworten, die vom Volk Gottes an mich herangetragen wurden, damit der&nbsp;<em>Sonntag des Wortes Gottes<\/em>&nbsp;in der ganzen Kirche \u00fcbereinstimmend gefeiert werden kann. Es ist bereits zu einer weit verbreiteten Praxis geworden, dass sich die christliche Gemeinschaft zu bestimmten Gelegenheiten auf den gro\u00dfen Wert besinnt, den das Wort Gottes in ihrem allt\u00e4glichen Leben einnimmt. In den verschiedenen Ortskirchen gibt es eine F\u00fclle von Initiativen, die den Gl\u00e4ubigen einen immer tieferen Zugang zur Heiligen Schrift er\u00f6ffnen; so sind sie dankbar f\u00fcr ein solch gro\u00dfes Geschenk, bem\u00fchen sich darum, es im Alltag zu leben, und f\u00fchlen sich verantwortlich, es glaubw\u00fcrdig zu bezeugen.<br><br>Mit der Dogmatischen Konstitution&nbsp;<em>Dei Verbum<\/em>&nbsp;gab das Zweite Vatikanische Konzil einen bedeutenden Impuls f\u00fcr die Wiederentdeckung des Wortes Gottes. Ihr Text ist es immer wert, dass man ihn meditiert und ins Leben umsetzt; er stellt die Natur der Heiligen Schrift und ihre Weitergabe von Generation zu Generation (Kapitel II), ihre g\u00f6ttliche Inspiration (Kapitel III), die das Alte und Neue Testament umfasst (Kapitel IV und V), und ihre Bedeutung f\u00fcr das Leben der Kirche (Kapitel VI) klar heraus. Um diese Lehre zu vertiefen, hat Benedikt XVI. im Jahr 2008 eine Bischofssynode zum Thema \u201eDas Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche\u201c einberufen. Im Anschluss daran ver\u00f6ffentlichte er das Nachsynodale Apostolische Schreiben&nbsp;<em>Verbum Domini<\/em>, das f\u00fcr unsere Gemeinschaften eine unverzichtbare Lehre darstellt.&nbsp;<a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/motu_proprio\/documents\/papa-francesco-motu-proprio-20190930_aperuit-illis.html#_ftn1\">[1]<\/a>&nbsp;In diesem Dokument wird insbesondere der performative Charakter des Wortes Gottes eingehend untersucht, dessen eigentlich sakramentaler Charakter vor allem im liturgischen Handeln deutlich wird.&nbsp;<a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/motu_proprio\/documents\/papa-francesco-motu-proprio-20190930_aperuit-illis.html#_ftn2\">[2]<\/a><br><br>Im Leben unseres Volkes m\u00f6ge daher diese entscheidende Beziehung zum lebendigen Wort Gottes nie fehlen, durch das der Herr unaufh\u00f6rlich zu seiner Braut spricht, damit sie in der Liebe und im Zeugnis des Glaubens wachsen kann.<br><br>3. Deshalb lege ich fest, dass der dritte Sonntag im Jahreskreis der Feier, der Betrachtung und der Verbreitung des Wortes Gottes gewidmet sein soll. Dieser&nbsp;<em>Sonntag des Wortes Gottes<\/em>&nbsp;f\u00e4llt so ganz passend in den Zeitabschnitt des Jahres, in dem wir unsere Beziehungen zu den Juden zu festigen und f\u00fcr die Einheit der Christen zu beten eingeladen sind. Es handelt sich dabei nicht um ein blo\u00df zeitliches Zusammentreffen: Die Feier des&nbsp;<em>Sonntags des Wortes Gottes<\/em>&nbsp;ist von \u00f6kumenischer Bedeutung, denn die Heilige Schrift zeigt denen, die auf sie h\u00f6ren, den Weg, der beschritten werden muss, um zu einer authentischen und soliden Einheit zu gelangen.<br><br>Die Gemeinschaften werden einen Weg finden, diesen Sonntag feierlich zu begehen. Wichtig ist jedenfalls, dass die Heilige Schrift w\u00e4hrend der Eucharistiefeier inthronisiert werden kann, um der Versammlung der Gl\u00e4ubigen den normativen Wert des Wortes Gottes zu verdeutlichen. An diesem Sonntag ist es besonders n\u00fctzlich, die Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes hervorzuheben und die Homilie so zu gestalten, dass der Dienst am Wort des Herrn herausgestellt wird. Die Bisch\u00f6fe k\u00f6nnen an diesem Sonntag die Beauftragung zum Lektorat oder einem \u00e4hnlichen Dienst erteilen, um an die Bedeutung der Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes in der Liturgie zu erinnern. Es ist in der Tat wesentlich, alles daf\u00fcr zu tun, dass einige Gl\u00e4ubige darauf vorbereitet werden, authentische Verk\u00fcnder des Wortes zu sein. Hierf\u00fcr braucht es eine angemessene Ausbildung, so wie es f\u00fcr die Akolythen oder au\u00dferordentlichen Kommunionspender bereits \u00fcblich ist. Desgleichen werden die Pfarrer Wege finden, die Bibel \u2013 oder eines ihrer B\u00fccher \u2013 der ganzen Gottesdienstgemeinde zu \u00fcbergeben, um hervorzuheben, wie wichtig es ist, im Alltag das Lesen und die Vertiefung der Heiligen Schrift wie auch das Beten mit ihr fortzusetzen, besonders im Hinblick auf die&nbsp;<em>lectio divina<\/em>.<br><br>4. Die R\u00fcckkehr des Volkes Israel in seine Heimat nach dem babylonischen Exil war ma\u00dfgeblich durch das Lesen des Buches der Weisung gepr\u00e4gt. Die Bibel gibt uns eine bewegende Beschreibung dieses Moments im Buch Nehemia. Das Volk versammelt sich in Jerusalem auf dem Platz vor dem Wassertor, um auf die Weisung zu h\u00f6ren. Dieses Volk war durch die Deportation verstreut worden, aber jetzt ist es \u00bbgeschlossen\u00ab (<em>Neh<\/em>&nbsp;8,1) um die Heilige Schrift versammelt. W\u00e4hrend aus dem heiligen Buch vorgelesen wurde, \u00bblauschte\u00ab (<em>Neh<\/em>&nbsp;8,3) das Volk, weil es wusste, dass es in diesem Wort den Sinn der Ereignisse finden w\u00fcrde, die es erlebt hatte. Die Verk\u00fcndigung dieser Worte bewegte die Leute und sie weinten: \u00bbMan las aus dem Buch, der Weisung Gottes, in Abschnitten vor und gab dazu Erkl\u00e4rungen, sodass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten. Nehemia, das ist Hattirschata, der Priester und Schriftgelehrte Esra und die Leviten, die das Volk unterwiesen, sagten dann zum ganzen Volk: Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn, eures Gottes. Seid nicht traurig und weint nicht! Alle Leute weinten n\u00e4mlich, als sie die Worte der Weisung h\u00f6rten. [\u2026] Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure St\u00e4rke\u00ab (<em>Neh<\/em>&nbsp;8,8-10).<br><br>Diese Worte enthalten eine wichtige Lehre. Die Bibel kann nicht nur einigen wenigen geh\u00f6ren, geschweige denn eine Sammlung von B\u00fcchern f\u00fcr wenige Auserw\u00e4hlte sein. Sie geh\u00f6rt vor allem dem Volk, das versammelt ist, um sie zu h\u00f6ren und sich in diesem Wort selbst zu erkennen. Oft gibt es Tendenzen, welche die Heilige Schrift zu monopolisieren versuchen, indem man sie bestimmten Kreisen oder ausgew\u00e4hlten Gruppen vorbeh\u00e4lt. Das darf nicht so sein. Die Bibel ist das Buch des Gottesvolkes, das im H\u00f6ren auf die Schrift aus der Zerstreuung und Spaltung zur Einheit gelangt. Das Wort Gottes vereint die Gl\u00e4ubigen und macht sie zu&nbsp;<em>einem<\/em>&nbsp;Volk.<br><br>5. Innerhalb dieser Einheit, die das H\u00f6ren bewirkt, haben in erster Linie die Hirten die gro\u00dfe Verantwortung, die Heilige Schrift zu erkl\u00e4ren und jedem zu erm\u00f6glichen, sie zu verstehen. Da sie das Buch des Volkes ist, m\u00fcssen alle, die zum Dienst am Wort Gottes berufen sind, die dringende Notwendigkeit sp\u00fcren, ihrer Gemeinschaft einen Zugang zur Heiligen Schrift zu er\u00f6ffnen.<br><br>Vor allem die Homilie hat eine ganz besondere Funktion, denn sie hat \u00bbeinen geradezu sakramentalen Charakter\u00ab (Apostolisches Schreiben&nbsp;<em>Evangelii Gaudium<\/em>, 142). Wenn er mit einer einfachen, f\u00fcr die Zuh\u00f6rer geeigneten Sprache tief in das Wort Gottes einf\u00fchrt, ist es dem Priester m\u00f6glich, auch die \u00bbSch\u00f6nheit der Bilder [zu erschlie\u00dfen], die der Herr gebrauchte, um anzuregen, das Gute zu tun\u00ab (<em>ebd.<\/em>). Dies ist eine pastorale Gelegenheit, die man nicht verpassen darf!<br><br>F\u00fcr viele unserer Gl\u00e4ubigen ist dies in der Tat die einzige Gelegenheit, die Sch\u00f6nheit des Wortes Gottes zu erfassen und seinen Bezug zu ihrem t\u00e4glichen Leben zu erkennen. Der Vorbereitung der Homilie muss deshalb entsprechende Zeit gewidmet werden. Die Auslegung der Schriftlesungen kann man unm\u00f6glich improvisieren. Wir Prediger sind hingegen verpflichtet, uns nicht zu lange mit besserwisserischen Homilien oder nicht dazugeh\u00f6renden Themen aufzuhalten. Wenn man inneh\u00e4lt, um den Bibeltext zu meditieren und im Gebet zu betrachten, dann wird man f\u00e4hig, mit dem Herzen zu sprechen, um die Herzen der Zuh\u00f6rer zu erreichen, sodass das Wesentliche zum Ausdruck kommt, das erfasst wird und Frucht bringt. Lasst uns nie m\u00fcde werden, der Heiligen Schrift Zeit und Gebet zu widmen, damit sie \u00bbnicht als Menschenwort, sondern \u2013 was es in Wahrheit ist \u2013 als Gotteswort angenommen\u00ab wird (<em>1&nbsp;Thess<\/em>&nbsp;2,13).<br><br>Es ist gut, dass auch die Katechisten sp\u00fcren, dass f\u00fcr ihren Dienst am Wachstum im Glauben eine Erneuerung durch die Vertrautheit mit der Heiligen Schrift und durch ihr Studium dringlich ist. Dies macht es ihnen m\u00f6glich, einen echten Dialog zwischen ihren Zuh\u00f6rern und dem Wort Gottes zu f\u00f6rdern.<br><br>6. Bevor der Auferstandene zu den J\u00fcngern kommt, die sich im Haus eingeschlossen haben, und ihren Sinn f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Heiligen Schrift \u00f6ffnet (vgl.&nbsp;<em>Lk<\/em>&nbsp;24,44-45), erscheint er zweien von ihnen auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus (vgl.&nbsp;<em>Lk<\/em>&nbsp;24,13-35). Der Bericht des Evangelisten Lukas merkt an, dass es der gleiche Tag der Auferstehung ist, also der Sonntag. Diese beiden J\u00fcnger sprechen \u00fcber die j\u00fcngsten Ereignisse, \u00fcber das Leiden und den Tod Jesu. Ihr Weg ist von der Traurigkeit und Entt\u00e4uschung \u00fcber das tragische Ende Jesu gepr\u00e4gt. Sie hatten auf ihn als Messias und Befreier gehofft, und nun sind sie mit der schockierenden Erfahrung des Gekreuzigten konfrontiert. Der Auferstandene selbst n\u00e4hert sich unaufdringlich den J\u00fcngern und geht mit ihnen, sie aber erkennen ihn nicht (vgl. V. 16). Unterwegs befragt sie der Herr und erkennt, dass sie den Sinn seines Leidens und seines Todes nicht verstanden haben; er nennt sie \u00bbunverst\u00e4ndig und tr\u00e4ge im Herzen\u00ab (vgl. V. 25), und \u00bber legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift \u00fcber ihn geschrieben steht\u00ab (V. 27). Christus ist der erste Exeget! Schon die alten Schriften haben vorweggenommen, was er vollbringen sollte, doch er selbst wollte diesem Wort treu sein, um die eine Heilsgeschichte, die in Christus ihre Erf\u00fcllung findet, zu offenbaren.<br><br>7. Als Heilige Schrift spricht die Bibel daher von Christus und verk\u00fcndet ihn als denjenigen, der durch das Leiden gehen muss, um in seine Herrlichkeit zu gelangen (vgl. V. 26). Nicht nur ein Teil, sondern alle Schriften sprechen von ihm. Sein Tod und seine Auferstehung sind ohne sie nicht zu verstehen. Aus diesem Grund betont eines der \u00e4ltesten Glaubensbekenntnisse: \u00bbChristus ist f\u00fcr unsere S\u00fcnden gestorben, gem\u00e4\u00df der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gem\u00e4\u00df der Schrift, und er erschien dem Kephas\u00ab (<em>1&nbsp;Kor<\/em>&nbsp;15,3-5). Da die Schriften von Christus sprechen, k\u00f6nnen wir glauben, dass sein Tod und seine Auferstehung nicht der Mythologie angeh\u00f6ren, sondern geschichtliches Ereignis sind und im Zentrum des Glaubens seiner J\u00fcnger stehen.<br><br>Die Verbindung zwischen der Heiligen Schrift und dem Glauben der Getauften ist tief. Da der Glaube vom H\u00f6ren kommt und das H\u00f6ren auf das Wort Christi ausgerichtet ist (vgl.&nbsp;<em>R\u00f6m<\/em>&nbsp;10,17), ergibt sich daraus die Einladung an die Gl\u00e4ubigen, die Dringlichkeit und Wichtigkeit des H\u00f6rens auf das Wort des Herrn sowohl in der Liturgie als auch im pers\u00f6nlichen Beten und Betrachten ernst zu nehmen.<br><br>8. \u201eDie Reise\u201c des Auferstandenen mit den J\u00fcngern von Emmaus endet mit dem Abendessen. Der geheimnisvolle Wanderer kommt der beharrlichen Bitte der beiden nach: \u00bbBleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt\u00ab (<em>Lk<\/em>&nbsp;24,29). Sie setzen sich zu Tisch, Jesus nimmt das Brot, spricht den Lobpreis, bricht es und reicht es ihnen. Da tun sich ihre Augen auf und sie erkennen ihn (vgl. V. 31).<br><br>Wir verstehen durch diese Szene, wie untrennbar die Beziehung zwischen Heiliger Schrift und Eucharistie ist. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt: \u00bbDie Kirche hat die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlass das Brot des Lebens nimmt und den Gl\u00e4ubigen reicht\u00ab (<em>Dei Verbum<\/em>, 21).<br><br>Das best\u00e4ndige regelm\u00e4\u00dfige Lesen der Heiligen Schrift und die Feier der Eucharistie erm\u00f6glichen es den Menschen zu erkennen, dass sie zueinander geh\u00f6ren. Als Christen sind wir&nbsp;<em>ein<\/em>&nbsp;Volk, das in der Geschichte unterwegs ist, gest\u00e4rkt durch die Gegenwart des Herrn in unserer Mitte, der zu uns spricht und uns n\u00e4hrt. Der der Bibel gewidmete Tag soll nicht \u201eeinmal im Jahr\u201c, sondern einmal f\u00fcr das ganze Jahr stattfinden. Wir versp\u00fcren n\u00e4mlich die dringende Notwendigkeit, uns mit der Heiligen Schrift und dem Auferstandenen eng vertraut zu machen, der nie aufh\u00f6rt, das Wort und das Brot in der Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen zu brechen. Aus diesem Grund m\u00fcssen wir zu einer st\u00e4ndigen Vertrautheit mit der Heiligen Schrift gelangen, sonst bleibt das Herz kalt und die Augen verschlossen, da wir, wie wir nun einmal sind, von unz\u00e4hligen Formen der Blindheit betroffen sind.<br><br>Die Heilige Schrift und die Sakramente sind untrennbar miteinander verbunden. Wenn das Wort Gottes in die Sakramente einf\u00fchrt und sie erhellt, zeigen sich diese deutlicher als das Ziel eines Weges, auf dem Christus selbst den Geist und das Herz \u00f6ffnet, damit wir sein Heilswirken erkennen. In diesem Zusammenhang d\u00fcrfen wir die Lehre aus dem Buch der Offenbarung nicht vergessen. Hier wird gelehrt, dass der Herr vor der T\u00fcr steht und anklopft. Wenn einer seine Stimme h\u00f6rt und ihm \u00f6ffnet, tritt er ein und h\u00e4lt Mahl mit ihm (vgl. 3,20). Jesus Christus klopft durch die Heilige Schrift an unsere T\u00fcr; wenn wir zuh\u00f6ren und die T\u00fcr des Geistes und des Herzens \u00f6ffnen, dann tritt er in unser Leben ein und bleibt bei uns.<br><br>9. Im Zweiten Brief an Timotheus, der in gewisser Weise sein geistliches Testament darstellt, empfiehlt der heilige Paulus seinem treuen Mitarbeiter, best\u00e4ndig die Heilige Schrift zu lesen. Der Apostel ist \u00fcberzeugt: \u00bbJede Schrift ist, als von Gott eingegeben, auch n\u00fctzlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung\u00ab (3,16). Diese Empfehlung des Paulus an Timotheus stellt eine Grundlage dar, auf der die Konzilskonstitution&nbsp;<em>Dei Verbum<\/em>&nbsp;das wichtige Thema der Inspiration der Heiligen Schrift behandelt; aus dieser Grundlage ergibt sich insbesondere die&nbsp;<em>Heilsfinalit\u00e4t<\/em>, die&nbsp;<em>geistliche Dimension<\/em>&nbsp;und das&nbsp;<em>Inkarnationsprinzip<\/em>&nbsp;f\u00fcr die Heilige Schrift.<br><br>Unter Hinweis vor allem auf die Empfehlung des Paulus an Timotheus betont&nbsp;<em>Dei Verbum<\/em>, dass die B\u00fccher der Heiligen Schrift \u00bbsicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte\u00ab (Nr. 11). Da diese uns weise machen k\u00f6nnen zum Heil durch den Glauben an Jesus Christus (vgl.&nbsp;<em>2&nbsp;Tim<\/em>&nbsp;3,15), dienen die in ihnen enthaltenen Wahrheiten unserer Erl\u00f6sung. Die Bibel stellt weder eine Sammlung von Geschichtsb\u00fcchern noch von Chroniken dar, sondern ist v\u00f6llig auf das ganzheitliche Heil des Menschen ausgerichtet. Die unbestreitbaren historischen Wurzeln der in der Heiligen Schrift enthaltenen B\u00fccher d\u00fcrfen uns dieses urspr\u00fcngliche Ziel nicht vergessen lassen, n\u00e4mlich unsere Erl\u00f6sung. Alles ist auf dieses Ziel hin ausgerichtet, das tief in die Natur der Bibel eingeschrieben ist. Sie ist als Heilsgeschichte verfasst, in der Gott spricht und handelt, um allen Menschen zu begegnen und sie vor dem B\u00f6sen und dem Tod zu retten.<br><br>Um dieses Heilsziel zu erreichen, verwandelt die Heilige Schrift unter dem Wirken des Heiligen Geistes das nach Menschenart verfasste Menschenwort in Gotteswort (vgl.&nbsp;<em>Dei Verbum<\/em>, 12). Die Rolle des Heiligen Geistes in der Heiligen Schrift ist von grundlegender Bedeutung. Ohne sein Wirken g\u00e4be es immer die Gefahr, im blo\u00df geschriebenen Text eingeschlossen zu bleiben. Das f\u00fchrt leicht zu einer fundamentalistischen Auslegung, von der man sich fernhalten muss, um den inspirierten, dynamischen und spirituellen Charakter des biblischen Textes nicht zu verraten. Der Apostel erinnert dementsprechend: \u00bbDer Buchstabe t\u00f6tet, der Geist aber macht lebendig\u00ab (<em>2&nbsp;Kor<\/em>&nbsp;3,6). Der Heilige Geist verwandelt also die Heilige Schrift in lebendiges Wort Gottes, das im Glauben seines heiligen Volkes gelebt und weitergegeben wird.<br><br>10. Das Wirken des Heiligen Geistes betrifft nicht nur die Herausbildung der Heiligen Schrift, sondern ist auch in denen am Werk, die auf das Wort Gottes h\u00f6ren. Die Feststellung der Konzilsv\u00e4ter, dass die Heilige Schrift \u00bbin dem Geist gelesen und ausgelegt werden muss, in dem sie geschrieben wurde\u00ab (<em>Dei Verbum<\/em>, 12), ist dabei wichtig. Mit Jesus Christus erreicht die Offenbarung Gottes ihren H\u00f6hepunkt und ihre Vollendung; und doch wirkt der Heilige Geist weiter. Es w\u00e4re in der Tat eine Verk\u00fcrzung, wollte man das Wirken des Heiligen Geistes nur auf die g\u00f6ttlich inspirierte Natur der Heiligen Schrift und ihrer verschiedenen Autoren beschr\u00e4nken. Es ist daher notwendig, Vertrauen in das Wirken des Heiligen Geistes zu haben, der weiterhin eine besondere Form der Inspiration aus\u00fcbt, wenn die Kirche die Heilige Schrift verk\u00fcndet, das Lehramt sie verbindlich auslegt (vgl.&nbsp;<em>ebd.<\/em>, 10) und jeder Gl\u00e4ubige sie zu seinem eigenen geistlichen Ma\u00dfstab macht. In diesem Sinne k\u00f6nnen wir die Worte Jesu verstehen, wenn er zu den J\u00fcngern, die best\u00e4tigen, die Bedeutung seiner Gleichnisse verstanden zu haben, sagt: \u00bbDeswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein J\u00fcnger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt\u00ab (<em>Mt&nbsp;<\/em>13,52).<br><br>11. Schlie\u00dflich pr\u00e4zisiert&nbsp;<em>Dei Verbum<\/em>: \u00bbGottes Worte, durch Menschenzunge formuliert, sind menschlicher Rede \u00e4hnlich geworden, wie einst des ewigen Vaters Wort durch die Annahme menschlich-schwachen Fleisches den Menschen \u00e4hnlich geworden ist\u00ab (Nr. 13). So k\u00f6nnte man sagen, dass die Inkarnation des Wortes Gottes dem Verh\u00e4ltnis zwischen Gottes Wort und menschlicher Sprache mit ihrer geschichtlichen und kulturellen Bedingtheit Form und Sinn verleiht. In eben diesem Ereignis nimmt die \u00dcberlieferung Gestalt an, die selbst auch Wort Gottes ist (vgl.&nbsp;<em>ebd.<\/em>, 9). Oft l\u00e4uft man Gefahr, Heilige Schrift und \u00dcberlieferung voneinander zu trennen, ohne zu verstehen, dass sie gemeinsam die alleinige Quelle der Offenbarung sind. Der schriftliche Charakter der ersten l\u00e4sst sie nicht weniger vollwertiges lebendiges Wort sein; so wie auch die lebendige \u00dcberlieferung der Kirche, die sie im Laufe der Jahrhunderte von Generation zu Generation unaufh\u00f6rlich weitergibt, dieses heilige Buch als \u00bbh\u00f6chste Richtschnur ihres Glaubens\u00ab besitzt (<em>ebd.<\/em>, 21). Die Heilige Schrift wurde ja, bevor sie zu einem schriftlichen Text wurde, m\u00fcndlich \u00fcberliefert und durch den Glauben eines Volkes lebendig bewahrt, das sie als seine Geschichte und sein Identit\u00e4tsprinzip inmitten vieler anderer V\u00f6lkern anerkannte. Der biblische Glaube gr\u00fcndet also auf dem lebendigen Wort, nicht auf einem Buch.<br><br>12. Wenn die Heilige Schrift im gleichen Geist gelesen wird, mit dem sie geschrieben wurde, bleibt sie immer neu. Das Alte Testament ist nie alt, wenn es einmal Teil des Neuen ist, denn alles wird durch den einen Geist verwandelt, der es inspiriert. Die gesamte Heilige Schrift hat eine prophetische Funktion: diese betrifft nicht die Zukunft, sondern das Heute derer, die sich von diesem Wort n\u00e4hren. Jesus selbst sagt dies zu Beginn seines Wirkens deutlich: \u00bbHeute hat sich das Schriftwort, das ihr eben geh\u00f6rt habt, erf\u00fcllt\u00ab (<em>Lk<\/em>&nbsp;4,21). Wer sich jeden Tag vom Wort Gottes n\u00e4hrt, wird wie Jesus zu einem Zeitgenossen der Menschen, denen er begegnet; er ist nicht versucht, einer fruchtlosen Vergangenheitsnostalgie zu verfallen oder vagen Zukunftsutopien nachzujagen.<br><br>Die Heilige Schrift vollzieht ihr prophetisches Wirken vor allem an dem, der auf sie h\u00f6rt. Sie ruft S\u00fc\u00dfe und Bitterkeit hervor. Hier kommen einem die Worte des Propheten Ezechiel in den Sinn. Als er, vom Herrn aufgefordert, die Schriftrolle isst, bekennt er: \u00bbSie wurde in meinem Mund s\u00fc\u00df wie Honig\u00ab (3,3). Auch der Evangelist Johannes macht auf der Insel Patmos diese Erfahrung Ezechiels mit dem Essen des Buches, f\u00fcgt aber noch eine Konkretisierung an: \u00bbIn meinem Mund war es s\u00fc\u00df wie Honig. Als ich es aber gegessen hatte, wurde mein Magen bitter\u00ab (<em>Offb<\/em>&nbsp;10,10).<br><br>Die S\u00fc\u00dfe des Wortes Gottes dr\u00e4ngt uns, es mit denen zu teilen, denen wir in unserem Leben begegnen, um der in ihm enthaltenen Gewissheit der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, (vgl.&nbsp;<em>1&nbsp;Petr<\/em>&nbsp;3,15-16). Bitterkeit hingegen stellt sich oft ein, wenn wir feststellen m\u00fcssen, wie schwierig es f\u00fcr uns ist, das Wort Gottes konsequent zu leben, oder wenn wir konkret erfahren m\u00fcssen, dass es auf Ablehnung st\u00f6\u00dft, weil man ihm nicht zutraut, dem Leben Sinn zu verleihen. Wir d\u00fcrfen uns daher nie an das Wort Gottes gew\u00f6hnen, sondern m\u00fcssen uns von ihm n\u00e4hren, um unsere Beziehung zu Gott und zu unseren Br\u00fcdern und Schwestern zu entdecken und intensiv zu leben.<br><br>13. Eine weitere Herausforderung aus der Heiligen Schrift betrifft die N\u00e4chstenliebe. St\u00e4ndig ruft das Wort Gottes zur barmherzigen Liebe des Vaters auf, der von seinen Kinder verlangt, in der Liebe zu leben. Das Leben Jesu ist der vollkommene Ausdruck dieser g\u00f6ttlichen Liebe, die nichts f\u00fcr sich selbst beh\u00e4lt, sondern sich uneingeschr\u00e4nkt an alle verschenkt. Im Gleichnis vom armen Lazarus finden wir einen wertvollen Hinweis. Als Lazarus und der Reiche sterben, bittet letzterer, als er den Armen im Scho\u00df Abrahams sieht, diesen zu seinen Br\u00fcdern zu schicken, um sie zu ermahnen, die N\u00e4chstenliebe zu leben, damit sie nicht auch seine Qualen erleiden. Abrahams Antwort ist hart: \u00bbSie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie h\u00f6ren\u00ab (<em>Lk<\/em>&nbsp;16,29). Auf die Heilige Schrift h\u00f6ren, um Barmherzigkeit zu \u00fcben: das ist eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr unser Leben. Das Wort Gottes ist in der Lage, unsere Augen zu \u00f6ffnen, damit wir aus dem Individualismus herauskommen, der zu Erstickung und Sterilit\u00e4t f\u00fchrt. Dazu tut es uns den Weg des Miteinanders und der Solidarit\u00e4t auf.<br><br>14. Eines der bedeutendsten Ereignisse in der Beziehung zwischen Jesus und seinen J\u00fcngern ist die Verkl\u00e4rung. Jesus steigt mit Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg, um zu beten. Die Evangelisten erw\u00e4hnen, dass, w\u00e4hrend sein Gesicht und sein Gewand hell erstrahlten, zwei M\u00e4nner mit Jesus sprachen: Mose und Elija, die das Gesetz bzw. die Propheten, also die Heiligen Schriften darstellen. Petrus reagiert auf diesen Anblick voll freudiger Verwunderung: \u00bbMeister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei H\u00fctten bauen, eine f\u00fcr dich, eine f\u00fcr Mose und eine f\u00fcr Elija\u00ab (<em>Lk<\/em>&nbsp;9,33). Da \u00fcberschattet sie eine Wolke und die J\u00fcnger werden von Furcht ergriffen.<br><br>Die Verkl\u00e4rung erinnert an das Laubh\u00fcttenfest, als Esra und Nehemia nach der R\u00fcckkehr aus dem Exil dem Volk die Heilige Schrift vorlasen. Gleichzeitig antizipiert sie die Herrlichkeit Jesu, um auf das schockierende Ereignis der Passion vorzubereiten. Auf diese g\u00f6ttliche Herrlichkeit verweist auch die Wolke, welche die J\u00fcnger umh\u00fcllt und ein Symbol f\u00fcr die Gegenwart des Herrn ist. Der Verkl\u00e4rung Jesu ist die \u201eVerkl\u00e4rung\u201c der Heiligen Schrift \u00e4hnlich, die sich selbst transzendiert, wenn sie das Leben der Gl\u00e4ubigen n\u00e4hrt.&nbsp;<em>Verbum Domini<\/em>&nbsp;erinnert daran: \u00bbWenn die Gliederung zwischen den verschiedenen Sinngehalten der Schrift festgestellt wird, ist es also entscheidend, den&nbsp;<em>\u00dcbergang vom Buchstaben zum Geist<\/em>&nbsp;zu erfassen. Dieser \u00dcbergang findet nicht automatisch und nicht von sich aus statt; vielmehr bedarf es einer \u00dcberschreitung des Buchstabens\u00ab (Nr. 38).<br><br>15. Auf dem Weg der Annahme des Wortes Gottes begleitet uns die Mutter des Herrn. Sie wird selig genannt, weil sie geglaubt hat, dass sich erf\u00fcllt, was der Herr ihr sagen lie\u00df (vgl.&nbsp;<em>Lk<\/em>&nbsp;1,45). Die Seligpreisung Mariens geht allen Seligpreisungen voraus, die Jesus f\u00fcr die Armen, die Trauernden, die Sanftm\u00fctigen, die Friedensstifter und die Verfolgten ausgesprochen hat, denn sie ist die notwendige Voraussetzung f\u00fcr jede andere Seligpreisung. Kein armer Mensch ist selig, weil er arm ist; er wird es, wenn er wie Maria an die Erf\u00fcllung des Wortes Gottes glaubt. Daran erinnert der heilige Augustinus, ein gro\u00dfer J\u00fcnger und Meister der Heiligen Schrift: \u00bbJemand aus der Menge sprach voll Bewunderung: \u201eSelig der Leib, der dich getragen.\u201c Und er [Jesus]: \u201eVielmehr selig diejenigen, welche das Wort Gottes h\u00f6ren und beobachten.\u201c Das hei\u00dft so viel als: Auch meine Mutter, die ihr selig genannt habt, ist deshalb selig, weil sie das Wort Gottes bewahrt; nicht weil in ihr das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat, sondern weil sie eben dieses Wort Gottes bewahrt, durch welches sie geworden ist, und welches in ihr Fleisch geworden ist\u00ab (<em>Tract. in Io. Ev.<\/em>, 10,3).<br><br>Der dem Wort Gottes gewidmete Sonntag m\u00f6ge im Volk Gottes die and\u00e4chtige und best\u00e4ndige Vertrautheit mit der Heiligen Schrift wachsen lassen, so wie es der heilige Verfasser bereits in alter Zeit gelehrt hat: \u00bbDas Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten\u00ab (<em>Deut<\/em>&nbsp;30,14).<br><br><em>Gegeben zu Rom, bei St. Johannes im Lateran, am 30. September 2019<\/em><br><em>Gedenktag des heiligen Hieronymus zu Beginn des Jubil\u00e4umsjahres anl\u00e4sslich seines 1600. Todestages<\/em><br><br><strong>FRANZISKUS<\/strong><br><br><a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/motu_proprio\/documents\/papa-francesco-motu-proprio-20190930_aperuit-illis.html#_ftnref1\">[1]<\/a>&nbsp;Vgl.&nbsp;<em>AAS<\/em>&nbsp;102 (2010), 692-787.<br><br><a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/motu_proprio\/documents\/papa-francesco-motu-proprio-20190930_aperuit-illis.html#_ftnref2\">[2]<\/a>&nbsp;\u00bbDie Sakramentalit\u00e4t des Wortes l\u00e4sst sich so in Analogie zur Realpr\u00e4senz Christi unter den Gestalten des konsekrierten Brotes und Weines verstehen. Wenn wir zum Altar gehen und am eucharistischen Mahl teilnehmen, empfangen wir wirklich den Leib und das Blut Christi. Die Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes in der liturgischen Feier geschieht in der Einsicht, dass Christus selbst in ihr gegenw\u00e4rtig ist und sich uns zuwendet, um aufgenommen zu werden\u00ab (<em>Verbum Domini<\/em>, 56).<br><br>\u00a9 Copyright &#8211; Libreria Editrice Vaticana<\/p>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/09\/MotuProprioAperuitillis_20190930_d.pdf\" download>Apostolisches Schreiben Aperuit illis <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Einf\u00fchrung des Sonntags des Wortes Gottes<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":7072,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1120"}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1120"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6613,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1120\/revisions\/6613"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7072"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}