{"id":1069,"date":"2019-12-16T14:41:46","date_gmt":"2019-12-16T13:41:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1069"},"modified":"2021-01-21T12:10:30","modified_gmt":"2021-01-21T11:10:30","slug":"botschaft-des-heiligen-vaters-papst-franziskus-zur-feier-des-weltfriedenstages-1-januar-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/botschaft-des-heiligen-vaters-papst-franziskus-zur-feier-des-weltfriedenstages-1-januar-2020\/","title":{"rendered":"Botschaft des Heiligen Vaters Papst Franziskus zur Feier des Weltfriedenstages &#8211; 1. Januar 2020"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der Frieden als Weg der Hoffnung:<\/em><br><em>Dialog, Vers\u00f6hnung und \u00f6kologische Umkehr<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>1. <em>Der Frieden als Weg der Hoffnung angesichts der Hindernisse und der Pr\u00fcfungen<\/em><br><br>Der Frieden ist ein kostbares Gut, er ist Gegenstand unserer Hoffnung, nach dem die ganze Menschheit strebt. Auf den Frieden zu hoffen ist eine menschliche Haltung, die eine existentielle Spannung beinhaltet, weshalb auch eine zuweilen m\u00fchsame Gegenwart \u00bbgelebt und angenommen werden [kann], wenn sie auf ein Ziel zuf\u00fchrt und wenn wir dieses Ziels gewiss sein k\u00f6nnen; wenn dies Ziel so gro\u00df ist, dass es die Anstrengung des Weges rechtfertigt\u00ab&nbsp;<a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftn1\">[1]<\/a>. Auf diese Weise ist die Hoffnung die Tugend, die uns aufbrechen l\u00e4sst, die uns die Fl\u00fcgel verleiht, um weiterzugehen, selbst dann, wenn die Hindernisse un\u00fcberwindlich scheinen.<br><br>Unsere menschliche Gemeinschaft tr\u00e4gt im Ged\u00e4chtnis und am eigenen Fleisch die Zeichen der Kriege und Konflikte, die mit wachsender Zerst\u00f6rungskraft aufeinander gefolgt sind und die nicht aufh\u00f6ren, vor allem die \u00c4rmsten und die Schw\u00e4chsten zu treffen. Selbst ganze Nationen haben M\u00fche, sich von den Fesseln der Ausbeutung und der Korruption zu befreien, welche Hass und Gewalt sch\u00fcren. Auch heute noch bleiben vielen M\u00e4nnern und Frauen, Kindern und alten Menschen die W\u00fcrde, die physische Unversehrtheit, die Freiheit einschlie\u00dflich der Religionsfreiheit, die gemeinschaftliche Solidarit\u00e4t und die Hoffnung auf Zukunft versagt. Viele unschuldige Opfer m\u00fcssen die Qual der Dem\u00fctigung und des Ausgeschlossenseins, der Trauer und der Ungerechtigkeit ertragen, wenn nicht sogar Traumata, die von der systematischen Feindseligkeit gegen ihr Volk und ihre Angeh\u00f6rigen herr\u00fchren.<br><br>Die schrecklichen Pr\u00fcfungen nationaler und internationaler Konflikte, die oftmals durch erbarmungslose Gewalt verschlimmert werden, zeichnen Leib und Seele der Menschheit auf lange Zeit. Denn jeder Krieg entpuppt sich in Wirklichkeit als Brudermord, der das Projekt der Br\u00fcderlichkeit selbst zerst\u00f6rt, das der Berufung der Menschheitsfamilie eingeschrieben ist.<br><br>Der Krieg beginnt, wie wir wissen, h\u00e4ufig mit einer Unduldsamkeit gegen die Verschiedenartigkeit des anderen, die das Verlangen nach Besitz und den Willen zur Vorherrschaft sch\u00fcrt. Sie entsteht im Herzen des Menschen aus Egoismus und Stolz sowie aus dem Hass, der dazu verleitet, zu zerst\u00f6ren, den anderen allein negativ zu sehen, ihn auszuschlie\u00dfen oder auszul\u00f6schen. Der Krieg speist sich aus einer Verkehrung der Beziehungen, aus hegemonialen Ambitionen, aus Machtmissbrauch, aus der Angst vor dem anderen und vor der Verschiedenartigkeit, die f\u00fcr ein Hindernis gehalten wird; und zugleich n\u00e4hrt der Krieg dies alles.<br><br>W\u00e4hrend meiner j\u00fcngsten Reise nach Japan hatte ich Gelegenheit, auf den offenbaren Widerspruch hinzuweisen, dass \u00bbunsere Welt in der abartigen Dichotomie [lebt], Stabilit\u00e4t und Frieden auf der Basis einer falschen, von einer Logik der Angst und des Misstrauens gest\u00fctzten Sicherheit verteidigen und sichern zu wollen. Am Ende vergiftet sie die Beziehungen zwischen den V\u00f6lkern und verhindert jeden m\u00f6glichen Dialog. Der Frieden und die internationale Stabilit\u00e4t sind unvereinbar mit jedwedem Versuch, sie auf der Angst gegenseitiger Zerst\u00f6rung oder auf der Bedrohung einer g\u00e4nzlichen Ausl\u00f6schung aufzubauen; sie sind nur m\u00f6glich im Anschluss an eine globale Ethik der Solidarit\u00e4t und Zusammenarbeit im Dienst an einer Zukunft, die von der Interdependenz und Mitverantwortlichkeit innerhalb der ganzen Menschheitsfamilie von heute und morgen gestaltet wird.\u00ab&nbsp;<a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftn2\">[2]<\/a><br><br>Jede Bedrohung n\u00e4hrt das Misstrauen und f\u00f6rdert den R\u00fcckzug auf die eigene Position. Misstrauen und Angst erh\u00f6hen die Br\u00fcchigkeit der Beziehungen und das Risiko der Gewalt; es handelt sich um einen Teufelskreis, der niemals zu einem Verh\u00e4ltnis des Friedens wird f\u00fchren k\u00f6nnen. In diesem Sinne kann auch die nukleare Abschreckung nur eine tr\u00fcgerische Sicherheit schaffen.<br><br>Daher d\u00fcrfen wir uns nicht einbilden, dass wir die Stabilit\u00e4t in der Welt durch die Angst vor der Vernichtung aufrechterhalten k\u00f6nnen; ein solches h\u00f6chst instabiles Gleichgewicht steht am Rande des nuklearen Abgrunds und ist in den Mauern der Gleichg\u00fcltigkeit eingeschlossen, wo man sozio\u00f6konomische Entscheidungen trifft, die dazu f\u00fchren, dass Mensch und Sch\u00f6pfung dramatisch herabgew\u00fcrdigt werden, anstatt dass man einander beh\u00fctet.&nbsp;<a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftn3\">[3]<\/a>&nbsp;Wie also kann man einen Weg des Friedens und der gegenseitigen Anerkennung aufbauen? Wie die krankhafte Logik von Drohung und Angst durchbrechen? Wie die derzeit vorherrschende Dynamik des Misstrauens unterbinden?<br><br>Wir m\u00fcssen eine echte Br\u00fcderlichkeit anstreben, die auf unserem gemeinsamen Ursprung in Gott gr\u00fcndet und im Dialog und im gegenseitigen Vertrauen gelebt wird. Der Wunsch nach Frieden ist tief in das Herz des Menschen eingeschrieben, und wir d\u00fcrfen uns mit nichts Geringerem als diesem abfinden.<br><br><em>2. Der Frieden als Weg des Zuh\u00f6rens auf der Grundlage der Erinnerung, der Solidarit\u00e4t und der Br\u00fcderlichkeit<\/em><br><br>Die&nbsp;<em>Hibakusha<\/em>, die \u00dcberlebenden der Atombombenangriffe von Hiroshima und Nagasaki, z\u00e4hlen zu denen, die das kollektive Bewusstsein lebendig erhalten. Sie bezeugen n\u00e4mlich den nachfolgenden Generationen das schreckliche Geschehen vom August 1945 und die uns\u00e4glichen Leiden, die bis heute daraus erwachsen sind. Auf diese Weise ruft ihr Zeugnis das Ged\u00e4chtnis an die Opfer wach und bewahrt es, damit das menschliche Gewissen immer st\u00e4rker werde gegen\u00fcber jedem Willen zur Vorherrschaft und zur Zerst\u00f6rung: \u00bbDeshalb d\u00fcrfen wir nicht zulassen, dass die gegenw\u00e4rtigen und k\u00fcnftigen Generationen die Erinnerung an das Geschehene verlieren; jene Erinnerung, die Garantie und Ansporn ist, um eine gerechtere und br\u00fcderlichere Welt zu erbauen.\u00ab&nbsp;<a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftn4\">[4]<\/a><br><br>Wie sie erbringen viele Menschen in allen Teilen der Welt den k\u00fcnftigen Generationen den unabdingbaren Dienst des Ged\u00e4chtnisses. Dieses muss nicht nur deswegen bewahrt werden, damit die gleichen Fehler nicht wieder begangen werden oder die tr\u00fcgerischen Denkweisen der Vergangenheit erneut salonf\u00e4hig werden, sondern auch deshalb, damit es als Frucht der Erfahrung f\u00fcr die gegenw\u00e4rtigen und zuk\u00fcnftigen Friedensentscheidungen den Grund bilden und die Richtung vorgeben m\u00f6ge.<br><br>Dar\u00fcber hinaus ist das Ged\u00e4chtnis der Horizont der Hoffnung: Oftmals kann im Dunkel der Kriege und der Konflikte die Erinnerung auch an eine kleine Geste der Solidarit\u00e4t, die man empfangen hat, zu mutigen und sogar heroischen Entscheidungen anregen, sie kann neue Energien in Bewegung setzen und neue Hoffnung in den Einzelnen und den Gemeinschaften entz\u00fcnden.<br><br>Einen Weg des Friedens zu er\u00f6ffnen und festzulegen ist eine Herausforderung, die umso komplexer ist, je zahlreicher und widerspr\u00fcchlicher die Interessen sind, die bei Beziehungen zwischen Personen, Gemeinschaften und Nationen im Spiel sind. Es tut vor allem not, an das moralische Gewissen und an den pers\u00f6nlichen und politischen Willen zu appellieren. Den Frieden erlangt man n\u00e4mlich in der Tiefe des menschlichen Herzens und der politische Wille muss immer wieder gest\u00e4rkt werden, um neue Prozesse zu er\u00f6ffnen, die Personen und Gemeinschaften vers\u00f6hnen und vereinen.<br><br>Die Welt braucht keine leeren Worte, sondern glaubw\u00fcrdige Zeugen, \u201eHandwerker des Friedens\u201c, die offen f\u00fcr den Dialog sind, ohne dabei jemanden auszuschlie\u00dfen oder zu manipulieren. In der Tat kann man nicht wirklich zum Frieden gelangen, wenn es keinen \u00fcberzeugten Dialog von M\u00e4nnern und Frauen gibt, die \u00fcber die verschiedenen Ideologien und Meinungen hinaus nach der Wahrheit suchen. Der Frieden ist eine \u00bbimmer wieder neu zu erf\u00fcllende Aufgabe\u00ab&nbsp;<a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftn5\">[5]<\/a>, ein Weg, den wir gemeinsam gehen, indem wir auf das Gemeinwohl bedacht sind und uns daf\u00fcr einsetzen, das gegebene Wort zu halten und das Recht zu achten. Im gegenseitigen Zuh\u00f6ren k\u00f6nnen auch die Kenntnis und die Wertsch\u00e4tzung des anderen so sehr wachsen, dass man im Feind das Antlitz eines Bruders erkennt.<br><br>Der Friedensprozess ist also eine Aufgabe, die Zeit braucht. Er ist eine geduldige Arbeit der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit, die das Ged\u00e4chtnis an die Opfer ehrt und schrittweise eine gemeinsame Hoffnung er\u00f6ffnet, die st\u00e4rker ist als die Rache. In einem Rechtsstaat kann die Demokratie ein bedeutendes Paradigma dieses Prozesses sein, wenn sie auf Gerechtigkeit und auf dem Einsatz f\u00fcr den Schutz der Rechte aller in der best\u00e4ndigen Suche nach Wahrheit gr\u00fcndet, insbesondere, wenn sie schwach oder ausgegrenzt sind.&nbsp;<a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftn6\">[6]<\/a>&nbsp;Es geht um den sozialen Aufbau und um eine wachsende Ausgestaltung, in der jeder verantwortlich seinen Beitrag auf allen Ebenen der lokalen, nationalen und weltweiten Gemeinschaft beisteuert.<br><br>So hob der heilige Paul VI. hervor: \u00bbDas zweifache Bestreben nach Erlangung der Gleichheit und Mitverantwortung h\u00e4ngt aber mit der F\u00f6rderung eines demokratischen Gesellschaftsstils zusammen. [\u2026] Damit ist die Bedeutung jener Institution f\u00fcr das gesellschaftliche Leben genannt, durch die nicht nur die Kenntnis der pers\u00f6nlichen Rechte weitergegeben, sondern auch das ins Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckgerufen wird, was mit ihnen notwendig zusammenh\u00e4ngt: die Anerkennung der Pflichten, zu denen der eine dem anderen gegen\u00fcber gehalten ist. Bewusstsein und Wahrnehmung der damit verbundenen Aufgabe aber h\u00e4ngen vor allem wieder von der pers\u00f6nlichen Einstellung, von der geistigen Selbstzucht, von der \u00dcbernahme von Verantwortung und von der Einwilligung in Reglements ab, durch die sowohl f\u00fcr den Einzelnen als auch f\u00fcr einzelne Gruppen bestimmte Freiheitsgrenzen festgelegt werden.\u00ab&nbsp;<a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftn7\">[7]<\/a><br><br>Im Gegenteil, der Bruch zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft, die Zunahme sozialer Ungleichheit und die Ablehnung, die Mittel f\u00fcr eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zu gebrauchen, gef\u00e4hrden die Verwirklichung des Gemeinwohls. Die geduldige Arbeit hingegen, die auf der Kraft des Wortes und der Wahrheit gr\u00fcndet, kann in den Personen die F\u00e4higkeit zu Mitleid und kreativer Solidarit\u00e4t wiedererwecken.<br><br>In unserer christlichen Erfahrung haben wir stets Christus vor Augen, der sein Leben zu unserer Vers\u00f6hnung hingegeben hat (vgl.&nbsp;<em>R\u00f6m&nbsp;<\/em>5,6-11). Die Kirche nimmt an der Suche nach einer gerechten Ordnung auf umfassende Weise teil, indem sie dem Gemeinwohl dient und durch die Weitergabe der christlichen Werte, durch moralische Unterweisung und ihr soziales und erzieherisches Wirken die Hoffnung auf Frieden n\u00e4hrt.<br><br><em>3. Der Frieden als Weg der Vers\u00f6hnung in geschwisterlicher Gemeinschaft<\/em><br><br>Die Bibel ruft \u2013 besonders durch das Wort der Propheten \u2013 die Gewissen und die V\u00f6lker zum Bund Gottes mit den Menschen. Es geht darum, den Wunsch aufzugeben, \u00fcber die anderen zu herrschen, und zu lernen, einander als Menschen, als Kinder Gottes, als Br\u00fcder und Schwestern anzusehen. Der andere darf niemals auf das reduziert werden, was er sagen oder machen konnte, sondern muss im Hinblick auf die Verhei\u00dfung, die er in sich tr\u00e4gt, geachtet werden. Nur wenn der Weg der Achtung gew\u00e4hlt wird, kann man die Spirale der Rache aufbrechen und den Weg der Hoffnung beschreiten.<br><br>Hier leitet uns der Abschnitt aus dem Evangelium, der das folgende Gespr\u00e4ch zwischen Petrus und Jesus wiedergibt: \u00bb&nbsp;\u201eHerr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich s\u00fcndigt? Bis zu siebenmal?\u201c Jesus sagte zu ihm: \u201eIch sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal\u201c&nbsp;\u00ab (<em>Mt&nbsp;<\/em>18,21-22). Dieser Weg der Vers\u00f6hnung ruft uns auf, tief in unserem Herzen die Kraft zur Vergebung zu finden sowie die F\u00e4higkeit, uns als Br\u00fcder und Schwestern zu erkennen. Wenn wir in der Vergebung zu leben lernen, dann w\u00e4chst unsere F\u00e4higkeit, Frauen und M\u00e4nner des Friedens zu werden.<br><br>Was f\u00fcr den Frieden im sozialen Bereich zutrifft, das stimmt auch im politischen und wirtschaftlichen Bereich, weil die Frage des Friedens alle Dimensionen des gemeinschaftlichen Lebens durchdringt: Es wird nie einen wahren Frieden geben, wenn wir nicht in der Lage sind, ein gerechteres Wirtschaftssystem aufzubauen. So schrieb vor zehn Jahren Benedikt XVI. in der Enzyklika&nbsp;<em>Caritas in veritate<\/em>: \u00bbDie \u00dcberwindung der Unterentwicklung erfordert ein Eingreifen nicht nur zur Verbesserung der auf G\u00fctertausch beruhenden Transaktionen, nicht nur im Bereich der Leistungen der \u00f6ffentlichen Hilfseinrichtungen, sondern vor allem eine fortschreitende Offenheit auf weltweiter Ebene f\u00fcr wirtschaftliche T\u00e4tigkeiten, die sich durch einen Anteil von Unentgeltlichkeit und Gemeinschaft auszeichnen\u00ab (Nr. 39).<br><br><em>4. Der Frieden als Weg der \u00f6kologischen Umkehr<\/em><br><br>\u00bbWenn ein falsches Verst\u00e4ndnis unserer eigenen Grunds\u00e4tze uns auch manchmal dazu gef\u00fchrt hat, die schlechte Behandlung der Natur oder die despotische Herrschaft des Menschen \u00fcber die Sch\u00f6pfung oder die Kriege, die Ungerechtigkeit und die Gewalt zu rechtfertigen, k\u00f6nnen wir Glaubenden erkennen, dass wir auf diese Weise dem Schatz an Weisheit, den wir h\u00e4tten h\u00fcten m\u00fcssen, untreu gewesen sind.\u00ab&nbsp;<a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftn8\">[8]<\/a><br><br>Angesichts der Folgen unserer Feindseligkeit den anderen gegen\u00fcber und der Auswirkungen der fehlenden Achtung f\u00fcr das gemeinsame Haus und der missbr\u00e4uchlichen Ausbeutung der nat\u00fcrlichen Ressourcen \u2013 einzig als Mittel f\u00fcr schnellen Profit heute gesehen, ohne auf die Gemeinschaften vor Ort, das Gemeinwohl und die Natur zu achten \u2013 brauchen wir eine \u00f6kologische Umkehr.<br><br>Die k\u00fcrzlich stattgefundene Amazonien-Synode dr\u00e4ngt uns, wieder neu zu einer friedlichen Beziehung zwischen den Gemeinschaften und der Erde, zwischen der Gegenwart und dem Ged\u00e4chtnis, zwischen Erfahrungen und Hoffnungen aufzurufen.<br><br>Dieser Weg der Vers\u00f6hnung bedeutet auch, die Welt zu h\u00f6ren und zu betrachten, die uns von Gott geschenkt wurde, damit wir sie zu unserem gemeinsamen Haus machen. Die nat\u00fcrlichen Ressourcen, die vielen Formen des Lebens und die Erde selbst wurden uns n\u00e4mlich anvertraut, damit sie unter verantwortlicher und t\u00e4tiger Mitwirkung eines jeden auch f\u00fcr die k\u00fcnftigen Generationen \u201ebearbeitet und geh\u00fctet\u201c w\u00fcrden (vgl.&nbsp;<em>Gen&nbsp;<\/em>2,15). Ferner brauchen wir einen Wandel der \u00dcberzeugungen und des Blicks, der uns offener macht f\u00fcr die Begegnung mit dem anderen und f\u00fcr die Annahme des Geschenks der Sch\u00f6pfung, die die Sch\u00f6nheit und Weisheit ihres Sch\u00f6pfers widerspiegelt.<br><br>Daraus entspringen insbesondere solide Beweggr\u00fcnde und eine neue Art und Weise, wie wir das gemeinsame Haus bewohnen und in unserer Verschiedenheit f\u00fcreinander da sein sollen, wie wir das empfangene und gemeinsame Leben f\u00fchren und achten sollen, wie wir uns um die Voraussetzungen und Modelle einer Gesellschaft, welche die Bl\u00fcte und den Verbleib des Lebens in der Zukunft sichern, k\u00fcmmern sollen und wie wir das Gemeinwohl der ganzen Menschheitsfamilie f\u00f6rdern sollen.<br><br>Die \u00f6kologische Umkehr, zu der wir aufrufen, f\u00fchrt uns also zu einem neuen Blick auf das Leben. Dabei betrachten wir die Freigebigkeit des Sch\u00f6pfers, der uns die Erde geschenkt hat und zur frohen Gen\u00fcgsamkeit des Teilens mahnt. Eine solche Umkehr ist ganzheitlich zu verstehen, als eine Ver\u00e4nderung unserer Beziehungen zu unseren Schwestern und Br\u00fcdern, zu den anderen Lebewesen, zur Sch\u00f6pfung in ihrer so reichen Vielfalt und zum Sch\u00f6pfer, dem Urgrund allen Lebens. F\u00fcr Christen hei\u00dft dies, dass sie verlangt, \u00bballes, was ihnen aus ihrer Begegnung mit Jesus Christus erwachsen ist, in ihren Beziehungen zu der Welt, die sie umgibt, zur Bl\u00fcte zu bringen\u00ab&nbsp;<a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftn9\">[9]<\/a>.<br><br><em>5. Man erlangt so viel, wie man erhofft<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftn10\">[10]<\/a><br><br>Der Weg der Vers\u00f6hnung erfordert Geduld und Vertrauen. Man erh\u00e4lt keinen Frieden, wenn man ihn nicht erhofft.<br><br>Es geht vor allem darum, an die M\u00f6glichkeit des Friedens zu glauben, zu glauben, dass der andere ebenso wie wir Frieden braucht. Darin kann uns die Liebe Gottes zu einem jeden von uns inspirieren, die eine befreiende, uneingeschr\u00e4nkte, unentgeltliche und unerm\u00fcdliche Liebe ist.<br><br>Die Angst ist oft Quelle von Konflikten. Es ist daher wichtig, dass wir unsere menschliche Furcht \u00fcberwinden und uns zugleich vor dem als bed\u00fcrftige Kinder erkennen, der uns wie der Vater des verlorenen Sohns liebt und erwartet (vgl.&nbsp;<em>Lk&nbsp;<\/em>15,11-24). Die Kultur der Begegnung zwischen Br\u00fcdern und Schwestern bricht mit der Kultur der Bedrohung. Sie macht aus jeder Begegnung eine M\u00f6glichkeit und eine Gabe der freigebigen Liebe Gottes. Sie leitet uns, die Grenzen unserer engen Horizonte zu \u00fcberschreiten, um immer bestrebt zu sein, die Br\u00fcderlichkeit aller Menschen als S\u00f6hne und T\u00f6chter des einen himmlischen Vaters zu leben.<br><br>F\u00fcr die J\u00fcnger Christi wird dieser Weg auch vom Sakrament der Vers\u00f6hnung getragen, das der Herr zur Vergebung der S\u00fcnden der Getauften geschenkt hat. Dieses Sakrament der Kirche, das die Menschen und Gemeinschaften erneuert, ruft dazu auf, den Blick auf Jesus gerichtet zu halten, der \u00bballes im Himmel und auf Erden\u00ab vers\u00f6hnt hat und \u00bbder Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut\u00ab (<em>Kol&nbsp;<\/em>1,20). Dieses Sakrament verlangt zudem, jede Gewalt in Gedanken, Worten und Werken sowohl gegen den N\u00e4chsten als auch gegen die Sch\u00f6pfung abzulegen.<br><br>Die Gnade Gottes des Vaters wird als bedingungslose Liebe geschenkt. Wenn wir in Christus seine Vergebung empfangen haben, k\u00f6nnen wir uns auf den Weg machen, um diese Vergebung den M\u00e4nnern und Frauen unserer Zeit anzubieten. Tag f\u00fcr Tag gibt uns der Heilige Geist Haltungen und Worte ein, damit wir zu \u201eHandwerkern\u201c der Gerechtigkeit und des Friedens werden.<br><br>M\u00f6ge der Gott des Friedens uns segnen und uns zu Hilfe kommen.<br><br>M\u00f6ge Maria, die Mutter des Friedensf\u00fcrsten und die Mutter aller V\u00f6lker der Erde, uns Schritt f\u00fcr Schritt auf dem Weg der Vers\u00f6hnung begleiten und unterst\u00fctzen.<br><br>M\u00f6ge jeder Mensch in dieser Welt ein friedliches Dasein finden und die Verhei\u00dfung von Liebe und Leben, die er in sich tr\u00e4gt, vollkommen entfalten.<br><br><em>Aus dem Vatikan, am 8. Dezember 2019<\/em><br><br><strong>Franziskus<\/strong><br><br><a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftnref1\">[1]<\/a>&nbsp;Benedikt XVI., Enzyklika&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/benedict-xvi\/de\/encyclicals\/documents\/hf_ben-xvi_enc_20071130_spe-salvi.html\">Spe salvi<\/a><\/em>&nbsp;(30. November 2007), 1.<br><a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftnref2\">[2]<\/a>&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/speeches\/2019\/november\/documents\/papa-francesco_20191124_messaggio-arminucleari-nagasaki.html\">Botschaft \u00fcber Atomwaffen<\/a><\/em>, Nagasaki, Atomic Bomb Hypocenter Park, 24. November 2019.<br><a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftnref3\">[3]<\/a>&nbsp;Vgl.&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/homilies\/2013\/documents\/papa-francesco_20130708_omelia-lampedusa.html\">Predigt in Lampedusa<\/a>,&nbsp;<\/em>8. Juli 2013.<br><a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftnref4\">[4]<\/a>&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/speeches\/2019\/november\/documents\/papa-francesco_20191124_messaggio-incontropace-hiroshima.html\">Friedensansprache<\/a><\/em>, Hiroshima, Friedensdenkmal, 24. November 2019.<br><a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftnref5\">[5]<\/a>&nbsp;Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html\">Gaudium et spes<\/a><\/em>, 78.<br><a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftnref6\">[6]<\/a>&nbsp;Vgl. Benedikt XVI.,&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/benedict-xvi\/de\/speeches\/2006\/january\/documents\/hf_ben-xvi_spe_20060127_acli.html\">Ansprache an die Mitglieder der italienischen christlichen Arbeiterverb\u00e4nde<\/a>,<\/em>&nbsp;27. Januar 2006.<br><a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftnref7\">[7]<\/a>&nbsp;Apostolisches Schreiben&nbsp;<em>Octogesima adveniens<\/em>&nbsp;(14. Mai 1971), 24.<br><a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftnref8\">[8]<\/a>&nbsp;Enzyklika&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html\">Laudato si\u2019<\/a><\/em>&nbsp;(24. Mai 2015), 200.<br><a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftnref9\">[9]<\/a>&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/encyclicals\/documents\/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html\">Ebd<\/a>.<\/em>, 217.<br><a href=\"https:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/messages\/peace\/documents\/papa-francesco_20191208_messaggio-53giornatamondiale-pace2020.html#_ftnref10\">[10]<\/a>&nbsp;Vgl. hl. Johannes vom Kreuz,&nbsp;<em>Die dunkle Nacht<\/em>, II, 21, 8.<br><br>\u00a9 Copyright &#8211; Libreria Editrice Vaticana<\/p>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/12\/191208_MessagedelaPaix-53-PapaFrancesco_2020_d-1.pdf\" download>Botschaft Papst Franziskus-1.1.2020 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Frieden als Weg der Hoffnung:<br \/>\n Dialog, Vers\u00f6hnung und \u00f6kologische Umkehr<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1070,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,26],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1069"}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1069"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1069\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7005,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1069\/revisions\/7005"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1070"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1069"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1069"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1069"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}