{"id":1063,"date":"2020-01-25T14:37:10","date_gmt":"2020-01-25T13:37:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1063"},"modified":"2021-01-21T21:39:36","modified_gmt":"2021-01-21T20:39:36","slug":"bischoefe-europas-zum-75-jahrestag-der-befreiung-des-deutschen-nazi-kz-auschwitz-birkenau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/bischoefe-europas-zum-75-jahrestag-der-befreiung-des-deutschen-nazi-kz-auschwitz-birkenau\/","title":{"rendered":"Bisch\u00f6fe Europas zum 75. Jahrestag der Befreiung des deutschen Nazi-KZ Auschwitz-Birkenau"},"content":{"rendered":"\n<p id=\"yui_3_15_0_1_1588768645830_198\"><strong>Erkl\u00e4rung des Pr\u00e4sidiums des Rats der Europ\u00e4ischen Bischofskonferenzen (CCEE) und des Pr\u00e4sidenten der Kommission der Bischofskonferenzen der Europ\u00e4ischen Union (COMECE)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es sind bereits 75 Jahre seit der Befreiung des deutschen Nazi-Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau (27.01.1945) vergangen, und dieser Ort ist nach wie vor ein Ort der Angst.<br><br>1.Es war das gr\u00f6\u00dfte Nazi-Konzentrationslager, das 1940 im besetzten Polen errichtet wurde. Urspr\u00fcnglich wurde es f\u00fcr Polen gegr\u00fcndet (Auschwitz), und dann wurde es auf dem Gebiet der benachbarten Brzezinka (Auschwitz-Birkenau) deutlich erweitert, so dass in den Jahren 1942-1945 \u2013 als Teil der \u201eEndl\u00f6sung\u201c \u2013 wurde es zu einem Ort der Massenvernichtung der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung. In KZ Auschwitz-Birkenau ermordeten die deutschen Nationalsozialisten mehr als eine Million Juden, zehntausenden von Polen (70-75.000) und Roma (21.000), Russen (15.000) und mehrere tausend Gefangene anderer Nationalit\u00e4ten. Aufgrund der ungeheuren Menge an j\u00fcdischen Opfern bleibt es der gr\u00f6\u00dfte Ort der Judenvernichtung und die gr\u00f6\u00dfte St\u00e4tte des Massengenozids in der Welt.<br><br>Auschwitz wurde zu einem Symbol f\u00fcr alle deutschen Konzentrationslager und sogar f\u00fcr alle derartigen Vernichtungsst\u00e4tten. Es ist wie ein Hohepunkt des Menschenhasses, der im 20. Jahrhundert viele Todesopfer forderte.&nbsp; Hier wurde die These \u00fcber die grundlegende Ungleichheit der Menschen an ihre letzten Grenzen gebracht. Hier eigneten sich die Nazis die Macht an, zu entscheiden, wer ein Mensch ist und wer nicht. Hier begegnete sich Euthanasie mit Eugenik. Auschwitz-Birkenau ist ein Ergebnis des Systems, das sich auf der nationalsozialistischen Ideologie st\u00fctzt, die die W\u00fcrde des Menschen als Abbild Gottes mit F\u00fc\u00dfen tritt. Das gleiche gilt f\u00fcr einen anderen Totalitarismus, den Kommunismus, der ebenfalls viele Millionen Todesopfer forderte.<br><br>2. Das ehemaliger KZ Auschwitz-Birkenau wird jedes Jahr von Hunderttausenden von Menschen besucht. Unter den Besuchern waren auch die letzten drei P\u00e4pste.<br><br>Hl. Johannes Paul II. besuchte Auschwitz-Birkenau w\u00e4hrend seiner ersten Pilgerreise nach Polen (7. Juni 1979). In Auschwitz I durchquerte er ehrf\u00fcrchtig das Lagertor mit der Aufschrift \u201eArbeit macht frei\u201c, besuchte die Todeszelle von St. Maximilian Maria Kolbe und betete im Hof von Block 11, wo H\u00e4ftlinge erschossen wurden. Danach ging er nach Brzezinka, wo er die Heilige Messe feierte. W\u00e4hrend seiner Predigt sagte er: \u201eIch verweile gemeinsam mit euch, liebe Teilnehmer dieser Begegnung, vor der Tafel mit hebr\u00e4ischer Inschrift. Sie weckt das Andenken an das Volk, dessen S\u00f6hne und T\u00f6chter zur totalen Ausrottung bestimmt waren. Dieses Volk f\u00fchrt seinen Ursprung auf Abraham zur\u00fcck, der der Vater unseres Glaubens ist (vgl. R\u00f6m. 4,12), wie Paulus von Tarsus sich ausdr\u00fcckte. Gerade dieses Volk, das von Gott das Gebot empfing \u00abDu sollst nicht t\u00f6ten!\u00bb, hat an sich selbst in besonderem Ausma\u00df Mord erfahren. [\u2026] Niemals darf sich ein Volk auf Kosten eines anderen entwickeln, um den Preis seiner Eroberung und Versklavung, um den Preis seiner Ausbeutung und seines Todes!\u201c<br><br>Papst Benedikt XVI ging allein durch das Lagertor (28.05.2006) und w\u00e4hrend des Gottesdienstes am internationalen Denkmal \u201eMartyrium der Nationen\u201c hielt er eine Rede, in der er unter anderem sagte: \u201eWie Johannes Paul II. bin ich die Steine entlanggegangen, die in den verschiedenen Sprachen an die Opfer dieses Ortes erinnern. [\u2026] Da ist der Gedenkstein in hebr\u00e4ischer Sprache. Die Machthaber des Dritten Reiches wollten das j\u00fcdische Volk als ganzes zertreten, es von der Landkarte der Menschheit tilgen. [\u2026] Im tiefsten wollten jene Gewaltt\u00e4ter mit dem Austilgen dieses Volkes den Gott t\u00f6ten, der Abraham berufen, der am Sinai gesprochen und dort die bleibend g\u00fcltigen Ma\u00dfe des Menschseins aufgerichtet hat. [\u2026] Mit dem Zerst\u00f6ren Israels, mit der Schoah, sollte im letzten auch die Wurzel ausgerissen werden, auf der der christliche Glaube beruht und endg\u00fcltig durch den neuen, selbstgemachten Glauben an die Herrschaft des Menschen, des Starken, ersetzt werden.&nbsp;[\u2026] Ja, hinter diesen Gedenksteinen verbirgt sich das Geschick von unz\u00e4hligen Menschen. Sie r\u00fctteln unser Ged\u00e4chtnis auf, sie r\u00fctteln unser Herz auf. Nicht zum Ha\u00df wollen sie uns bringen: Sie zeigen uns, wie furchtbar das Werk des Hasses ist\u201c.<br><br>Papst Franziskus, w\u00e4hrend seines Besuchs in KZ Auschwitz-Birkenau (29.07.2016) trat in die Fu\u00dfstapfen seiner beiden Vorg\u00e4nger. Er hielt keine Rede, aber seine stille Anwesenheit war noch beredter. In das Gedenkbuch schrieb der Heilige Vater: \u201eHerr, erbarme dich deines Volkes! Herr, vergib so viel Grausamkeit!\u201c Er beendete seinen Aufenthalt mit einem Gebet am Denkmal \u201eMartyrium der Nationen\u201c.<br><br>3. Vor einigen Tagen hat Papst Franziskus einen Appell gemacht: \u201eDer Jahrestag der unverkennbaren Grausamkeit, die die Menschheit vor 75 Jahren entdeckt hat, ruft uns auf, in Schweigen zu verharren und in die Erinnerung zur\u00fcckzukehren. Wir brauchen das, um nicht gleichg\u00fcltig zu werden\u201c (Rede an die Delegation des \u201eSimon Wiesenthal Center\u201c, 20. Januar 2020).<br><br>Die 75 Jahre, die seit der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau vergangen sind, zwingen uns, uns klar gegen alle Erscheinungsformen der Zerschlagung der Menschenw\u00fcrde zu wenden: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. An diesem Jahrestag appellieren wir an die moderne Welt f\u00fcr Vers\u00f6hnung und Frieden, f\u00fcr die Achtung des Rechts jeder Nation auf Existenz und auf Freiheit, auf Unabh\u00e4ngigkeit und auf Bewahrung eigener Kultur. Wir d\u00fcrfen nicht zulassen, dass die Wahrheit ignoriert oder f\u00fcr unmittelbare politische Bed\u00fcrfnisse manipuliert wird. Dieser Aufruf ist \u00e4u\u00dferst wichtig jetzt, denn trotz der dramatischen Erfahrungen der Vergangenheit ist die Welt, in der wir leben, immer noch neuen Bedrohungen und neuen Erscheinungsformen von Gewalt ausgesetzt. Grausame Kriege, F\u00e4lle von V\u00f6lkermord, Verfolgung, verschiedene Formen von Fanatismus finden weiterhin statt, obwohl die Geschichte lehrt, dass Gewalt nie zum Frieden f\u00fchrt, sondern neue Gewalt und Tod hervorruft.<br><br>4. Es sollte daran erinnert werden, dass, obwohl nach dem Zweiten Weltkrieg eine Vers\u00f6hnung zwischen den Nationen menschlich unm\u00f6glich schien, konnten wir doch, vereint in der Liebe Christi, vergeben und um Vergebung bitten, wovon unter anderem das Brief polnischer Bisch\u00f6fe an ihre deutschen Amtsbr\u00fcder aus dem Jahr 1965 Zeugnis ablegte. Die Erfahrung der Vergangenheit lehrt, wie wichtig und fruchtbar es ist, ein Europa der Nationen aufzubauen, die vers\u00f6hnt sind und sich gegenseitig vergeben.<br><br>Am 27. Januar um 15:00 Uhr, d.h. in der Stunde der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau, lasst uns eine Kerze anz\u00fcnden und f\u00fcr die in den Todeslagern ermordeten Menschen aller Nationalit\u00e4ten und Religionen und f\u00fcr ihre Angeh\u00f6rigen beten. M\u00f6ge unser Gebet die Vers\u00f6hnung und Br\u00fcderlichkeit erweitern, deren Gegenteil Feindlichkeit, zerst\u00f6rerische Konflikte und angefachte Missverst\u00e4ndnisse sind. M\u00f6ge die Kraft der Liebe Christi in uns gewinnen.<br><br><strong>Kardinal Angelo BAGNASCO<\/strong><br>Pr\u00e4sident des Rats der Europ\u00e4ischen Bischofskonferenzen (CCEE)<br><br><strong>Kardinal Jean-Claude HOLLERICH<\/strong><br>Pr\u00e4sident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europ\u00e4ischen Union (COMECE)<br><br><strong>Kardinal Vincent NICHOLS<\/strong><br>Vizepr\u00e4sident des Rats der Europ\u00e4ischen Bischofskonferenzen (CCEE)<br><br><strong>Erzbischof Stanis\u0142aw G\u0104DECKI<\/strong><br>Vizepr\u00e4sident des Rats der Europ\u00e4ischen Bischofskonferenzen (CCEE)<br><br>Genua, Br\u00fcssel, London, Warschau, 25. Januar 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erkl\u00e4rung des Pr\u00e4sidiums des Rats der Europ\u00e4ischen Bischofskonferenzen (CCEE) und des Pr\u00e4sidenten der Kommission der Bischofskonferenzen der Europ\u00e4ischen Union (COMECE)<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":7058,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1063"}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1063"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1063\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6582,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1063\/revisions\/6582"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7058"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1063"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1063"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1063"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}