{"id":1054,"date":"2020-03-05T14:28:17","date_gmt":"2020-03-05T13:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1054"},"modified":"2021-01-21T21:42:41","modified_gmt":"2021-01-21T20:42:41","slug":"botschaft-von-papst-franziskus-zum-35-weltjugendtag-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/botschaft-von-papst-franziskus-zum-35-weltjugendtag-2020\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Franziskus zum 35. Weltjugendtag 2020"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u201cJunger Mensch, ich sage dir, steh auf!\u201d (vgl. Lk 7,14)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Liebe junge Freunde<\/em>,<br><br>im Oktober 2018 hat die Kirche mit der Bischofssynode zum Thema&nbsp;<em>Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung<\/em>&nbsp;einen Prozess der Reflexion \u00fcber eure Situation in der Welt von heute, \u00fcber eure Suche nach Sinn und Richtung im Leben wie auch \u00fcber eure Beziehung zu Gott eingeleitet.<br><br>Im Januar 2019 traf ich Hunderttausende eurer Altersgenossen aus der ganzen Welt, die sich in Panama zum Weltjugendtag versammelt hatten. Veranstaltungen dieser Art \u2013 Synode und Weltjugendtag \u2013 bringen eine wesentliche Dimension der Kirche zum Ausdruck: das \u201egemeinsame Unterwegssein\u201c.<br><br>Auf diesem Weg sind wir jedes Mal, wenn wir einen wichtigen Meilenstein erreichen, von Gott und dem Leben selbst herausgefordert, neu aufzubrechen. Ihr jungen Leute seid darin Experten! Ihr liebt es, zu reisen und mit Orten und Personen in Ber\u00fchrung zu kommen, die ihr noch nie zuvor gesehen habt. Ihr liebt es, neue Erfahrungen zu machen. Deshalb habe ich als Ziel eurer n\u00e4chsten die Kontinente \u00fcbergreifenden Pilgerreise im Jahr 2022 die Stadt Lissabon, die Hauptstadt Portugals, ausgew\u00e4hlt. Von dort aus brachen im 15. und 16. Jahrhundert viele junge Menschen, darunter viele Missionare, in unbekannte L\u00e4nder auf, auch, um ihre Erfahrung mit Jesus anderen V\u00f6lkern und Nationen weiterzugeben. Das Thema des Weltjugendtags in Lissabon wird lauten: \u00bbMaria machte sich eilends auf den Weg\u00ab (vgl.&nbsp;<em>Lk<\/em>&nbsp;1,39). F\u00fcr die beiden Jahre davor m\u00f6chte ich mit euch zwei andere biblische Texte betrachten: \u00bbJunger Mensch, ich sage dir: Steh auf!\u201c (vgl.&nbsp;<em>Lk<\/em>&nbsp;7,14) im Jahr 2020, und \u00bbSteh auf, ich erw\u00e4hle dich zum Zeugen f\u00fcr das, was du gesehen hast\u00ab (vgl.&nbsp;<em>Apg<\/em>&nbsp;26,16) im Jahr 2021.<br><br>Wie ihr sehen k\u00f6nnt, ist allen drei Themen das Verb&nbsp;<em>aufstehen<\/em>&nbsp;gemeinsam. Dieser Ausdruck hat manchmal auch die Bedeutung von auferstehen, zum Leben erwachen. Dieses Verb kommt auch im Schreiben&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/apost_exhortations\/documents\/papa-francesco_esortazione-ap_20190325_christus-vivit.html\">Christus vivit<\/a><\/em>&nbsp;(Christus lebt) wiederholt vor, das ich euch nach der Synode von 2018 gewidmet habe und das die Kirche euch zusammen mit dem Schlussdokument als Leuchtturm anbietet, der die Wege eures Lebens erhellen kann. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass der Weg, der uns nach Lissabon f\u00fchrt, \u00fcberall in der Kirche mit einem starken Engagement zur Umsetzung dieser beiden Dokumente einhergeht und den in der Jugendarbeit T\u00e4tigen Orientierung in ihrer Aufgabe gibt.<br><br>Wenden wir uns nun unserem diesj\u00e4hrigen Thema zu:&nbsp;<em>Junger Mensch, ich sage dir: Steh auf!<\/em>&nbsp;(vgl.&nbsp;<em>Lk<\/em>&nbsp;7,14). Ich habe diesen Vers des Evangeliums bereits in&nbsp;<em>&nbsp;&nbsp;<a href=\"http:\/\/w2.vatican.va\/content\/francesco\/de\/apost_exhortations\/documents\/papa-francesco_esortazione-ap_20190325_christus-vivit.html\">Christus vivit<\/a><\/em>&nbsp;zitiert: \u00bbWenn du die innere Kraft, die Tr\u00e4ume, den Enthusiasmus, die Hoffnung und die Gro\u00dfmut verloren hast, tritt Jesus vor dich, wie er vor dem toten Sohn der Witwe erschien, und fordert dich mit all seiner Auferstehungsmacht auf: Junger Mensch, \u201eich sage dir: Steh auf!\u201c\u00ab (Nr. 20).<br><br>Dieser Abschnitt erz\u00e4hlt uns, wie Jesus bei seiner Ankunft in der Stadt Nain in Galil\u00e4a auf einen Trauerzug trifft, der einen jungen Mann, den einzigen Sohn einer verwitweten Mutter, zu seiner Beerdigung geleitet. Jesus, der vom qu\u00e4lenden Schmerz dieser Frau betroffen ist, vollbringt das Wunder der Auferweckung ihres Sohnes. Aber zum Wunder kommt es erst nach einer Reihe von Verhaltensweisen und Gesten: \u00bbAls der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Und er trat heran und ber\u00fchrte die Bahre. Die Tr\u00e4ger blieben stehen\u00ab (<em>Lk<\/em>&nbsp;7,13-14). Lasst uns innehalten und einige dieser Gesten und Worte des Herrn bedenken.<br><br><em>Leid und Tod sehen<\/em><br><br>Jesus blickt aufmerksam auf diesen Trauerzug und l\u00e4sst sich nicht ablenken. In der Menge sieht er das Gesicht einer Frau, die extrem leidet. Sein Blick bewirkt die Begegnung, die zur Quelle neuen Lebens wird. Da braucht es nicht viele Worte.<br><br>Und wie steht es mit meinem Blick? Ist er aufmerksam oder eher so, wie wenn ich schnell durch die Tausenden von Fotos auf meinem Handy oder durch die Profile in den Social Media bl\u00e4ttere? Wie oft passiert es uns heute, dass wir Augenzeugen vieler Ereignisse sind, ohne dass wir sie unmittelbar erleben! Manchmal ist unsere erste Reaktion, dass wir die Szene mit unserem Mobiltelefon filmen und dabei vielleicht vergessen, den Beteiligten in die Augen zu schauen.<br><br>Um uns herum, aber manchmal auch in uns selbst, begegnen wir der Wirklichkeit des Todes: physisch, spirituell, emotional, sozial. Sind wir uns dessen bewusst oder nehmen wir die Folgen einfach hin? K\u00f6nnen wir etwas tun, um wieder Leben zu bringen?<br><br>Ich denke an viele negative Erlebnisse eurer Altersgenossen. Da gibt es etwa diejenigen, die f\u00fcr einen Moment alles aufs Spiel setzen und mit extremen Aktionen ihr Leben in Gefahr bringen. Andere junge Menschen hingegen sind \u201etot\u201c, weil sie die Hoffnung verloren haben. Eine Jugendliche sagte mir einmal: \u00bbBei meinen Freunden sehe ich, dass sie die Lust verloren haben, sich f\u00fcr irgendetwas einzusetzen, den Mut, aufzustehen.\u00ab Leider sind Depressionen auch unter jungen Menschen immer weiter verbreitet, was in einigen F\u00e4llen sogar zu Suizidversuchen f\u00fchren kann. So viele Situationen, in denen Apathie herrscht, in denen man sich im Abgrund von \u00c4ngsten und Schuldgef\u00fchlen verliert! Wie viele junge Menschen weinen, ohne dass jemand den Schrei ihrer Seele h\u00f6rt! Und oft sind sie umgeben von den abgelenkten und gleichg\u00fcltigen Blicken derer, die lieber die eigene&nbsp;<em>&nbsp;happy hour<\/em>&nbsp;genie\u00dfen und auf Distanz bleiben.<br><br>Es gibt diejenigen, die an der Oberfl\u00e4che leben und sich f\u00fcr lebendig halten, w\u00e4hrend sie im Inneren tot sind (vgl.&nbsp;<em>Offb<\/em>&nbsp;3,1). Ein Leben kann sich mit zwanzig Jahren in einem Abw\u00e4rtstrend befinden, der der eigenen W\u00fcrde nicht entspricht. Alles reduziert sich auf ein \u201eVor-sich-hinleben\u201c bei der Suche nach ein wenig Befriedigung: ein bisschen Spa\u00df, ein paar Kr\u00fcmel Aufmerksamkeit und Zuneigung von anderen&#8230; Es gibt auch einen weit verbreiteten digitalen Narzissmus, der sowohl junge Menschen als auch Erwachsene beeinflusst. Viele Menschen leben so! Einige von ihnen haben vielleicht den Materialismus derjenigen in ihrer Umgebung eingeatmet, die nur daran denken, Geld zu verdienen und sich irgendwie gut einzurichten, als w\u00e4ren diese Dinge die einzigen Ziele im Leben. Auf lange Sicht kommt es unweigerlich zu Abstumpfung, Apathie und einer immer be\u00e4ngstigenderen Unlust am Leben.<br><br>Solche negativen Grundeinstellungen k\u00f6nnen auch durch pers\u00f6nliches Versagen hervorgerufen werden, wenn etwas, das einem am Herzen lag und f\u00fcr das man sich eingesetzt hatte, nicht weitergeht oder nicht die gew\u00fcnschten Ergebnisse bringt. Das kann in der Schule passieren oder bei sportlichen, k\u00fcnstlerischen Ambitionen&#8230; Das Ende eines \u201eTraums\u201c kann dazu f\u00fchren, dass man sich wie tot f\u00fchlt. Aber Misserfolge geh\u00f6ren zum Leben eines jeden Menschen, und manchmal k\u00f6nnen sie sich sogar als eine Gnade erweisen! Oft entpuppt sich etwas, von dem wir dachten, es w\u00fcrde uns Gl\u00fcck bringen, als eine Illusion, als ein G\u00f6tze. Solche G\u00f6tzen verlangen alles von uns und machen uns zu Sklaven, aber sie geben einem nichts daf\u00fcr. Und am Ende zerfallen sie einfach und hinterlassen nichts als Staub und Rauch. In diesem Sinne sind Misserfolge, wenn sie G\u00f6tzen zu Fall bringen, gut, auch wenn sie uns leiden lassen.<br><br>Man k\u00f6nnte weitere Situationen physischen oder moralischen Todes nennen, in denen sich ein junger Mensch befinden kann, wie z.B. Sucht, Kriminalit\u00e4t, Elend, eine schwere Krankheit&#8230; Aber ich \u00fcberlasse es euch, pers\u00f6nlich dar\u00fcber nachzudenken und euch bewusst zu machen, was den \u201eTod\u201c in euch oder in jemandem, der euch nahesteht, in der Gegenwart oder in der Vergangenheit verursacht hat. Denkt aber gleichzeitig auch daran, dass dieser junge Mann aus dem Evangelium, der wirklich gestorben war, wieder ins Leben zur\u00fcckkehrte, weil er von jemandem&nbsp;<em>angeschaut&nbsp;<\/em>wurde, der wollte, dass er lebt. Dies kann auch heute jeden Tag geschehen.<br><br><em>Erbarmen haben<\/em><br><br>Die Heilige Schrift berichtet oft von der inneren Haltung dessen, dem der Schmerz anderer \u201ean die Nieren\u201c geht. Jesu Ergriffenheit l\u00e4sst ihn teilhaben am Leben seines N\u00e4chsten. Er nimmt das Elend der anderen auf sich. Der Schmerz dieser Mutter wird zu seinem Schmerz. Der Tod ihres Sohnes wird zu seinem Tod.<br><br>Bei vielen Gelegenheiten zeigt ihr jungen Leute, dass ihr&nbsp;<em>mit-leiden<\/em>&nbsp;k\u00f6nnt. Man sieht das schon daran, dass viele von euch sich gro\u00dfz\u00fcgig und hingebungsvoll einsetzen, wenn die Umst\u00e4nde es erfordern. Es gibt keine Katastrophe, kein Erdbeben, keine \u00dcberschwemmung, bei der nicht viele junge Freiwillige bereit sind, mitzuhelfen. Auch die gro\u00dfe Mobilisierung junger Menschen, die Willens sind f\u00fcr die Sch\u00f6pfung einzutreten, zeugt von eurer F\u00e4higkeit, den Schrei der Erde zu h\u00f6ren.<br><br>Liebe Jugendliche, lasst euch dieses Gesp\u00fcr nicht nehmen! Ich hoffe, dass ihr immer auf die Schreie derer h\u00f6rt, die leiden; lasst euch anr\u00fchren vom Schicksal derer, die in unserer heutigen Welt weinen und sterben. \u00bbGewisse Realit\u00e4ten des Lebens sieht man nur mit Augen, die durch Tr\u00e4nen reingewaschen sind\u00ab (<em>Christus vivit<\/em>, 76). Wenn ihr wisst, wie man mit denen weint, die weinen, dann werdet ihr wirklich gl\u00fccklich sein. Vielen eurer Altersgenossen mangelt es an Chancen, viele leiden unter Gewalt und Verfolgung. M\u00f6gen ihre Wunden zu euren werden, dann werdet ihr zu Hoffnungstr\u00e4gern in dieser Welt. Ihr werdet zu eurem Bruder, zu eurer Schwester sagen k\u00f6nnen: \u00bbSteh auf, du bist nicht allein\u00ab, und ihr werdet sie erfahren lassen, dass Gott, der Vater, uns liebt und dass er in Jesus seine Hand ausstreckt, um uns aufzurichten.<br><br><em>N\u00e4he und \u201eBer\u00fchrung\u201c<\/em><br><br>Jesus h\u00e4lt den Trauerzug an. Er kommt n\u00e4her, er macht sich zum N\u00e4chsten. Die N\u00e4he geht weiter und wird zur mutigen Geste, damit der andere lebt. Es ist eine prophetische Geste. Es ist die Ber\u00fchrung durch Jesus, den Lebendigen, die das Leben vermittelt. Eine Ber\u00fchrung, die dem toten K\u00f6rper des jungen Mannes den Heiligen Geist einhaucht und ihn neu belebt.<br><br>Diese Ber\u00fchrung durchbricht die Situation der Entmutigung und Verzweiflung. Es ist die Ber\u00fchrung durch das G\u00f6ttliche, die auch durch echte menschliche Liebe vermittelt wird und unvorstellbare R\u00e4ume der Freiheit, der W\u00fcrde, der Hoffnung und eines neuen Lebens in F\u00fclle er\u00f6ffnet. Die Wirksamkeit dieser Geste Jesu ist unvorhersehbar. Sie erinnert uns daran, dass selbst ein einfaches aber konkretes Zeichen der N\u00e4he Kr\u00e4fte der Auferstehung wecken kann.<br><br>Ja, auch ihr jungen Menschen k\u00f6nnt euch den Gegebenheiten von Leid und Tod, denen ihr begegnet, n\u00e4hern, ihr k\u00f6nnt an sie r\u00fchren und Leben wecken wie Jesus. Das erm\u00f6glicht der Heilige Geist, wenn ihr zuerst von seiner Liebe ber\u00fchrt und euer Herz durch eure eigene Erfahrung seiner G\u00fcte erweicht wurde. Wenn ihr dann in eurem Inneren die sehnsuchtsvolle Z\u00e4rtlichkeit Gottes f\u00fcr jedes lebende Gesch\u00f6pf sp\u00fcrt, besonders f\u00fcr eure hungrigen, durstigen, kranken, nackten und gefangenen Br\u00fcder und Schwestern, dann k\u00f6nnt ihr euch ihnen n\u00e4hern und sie ber\u00fchren, wie er es getan hat, und sein Leben an eure Freunde weitergeben, die im Inneren gestorben sind, die leiden oder den Glauben und die Hoffnung verloren haben.<br><br><em>\u00bbJunger Mensch, ich sage dir: Steh auf!\u00ab<\/em><br><br>Der Name des jungen Mannes, den Jesus in Nain von den Toten auferweckt hat, wird im Evangelium nicht genannt. Dies ist eine Einladung an den Leser, sich mit ihm zu identifizieren. Jesus spricht zu euch, zu mir, zu jedem von uns und sagt: \u00bbSteh auf!\u00ab. Wir wissen sehr gut, dass auch wir Christen immer wieder hinfallen und dann wieder aufstehen m\u00fcssen. Nur wer sich nicht bewegt, f\u00e4llt nicht, aber er kommt auch nicht voran. Deshalb m\u00fcssen wir das Eingreifen Christi zulassen und einen Akt des Glaubens an Gott vollziehen. Der erste Schritt besteht darin, zu akzeptieren, dass man aufstehen muss. Das neue Leben, das er uns schenken wird, wird gut und lebenswert sein, weil es von jemandem gehalten wird, der uns auch in Zukunft begleiten wird, ohne uns jemals zu verlassen, und der uns hilft, dieses unser Leben auf eine w\u00fcrdige und fruchtbare Weise zu gestalten.<br><br>Hier geht es wirklich um eine neue Sch\u00f6pfung, eine neue Geburt und nicht etwa um eine psychologische Konditionierung. Wahrscheinlich haben viele von euch in schwierigen Zeiten wiederholt die \u201emagischen\u201c Worte geh\u00f6rt, die heute in Mode sind und die angeblich alle Probleme l\u00f6sen: \u201eDu musst an dich selbst glauben\u201c, \u201eDu musst deine dir innewohnenden Ressourcen finden\u201c, \u201eDu musst dir deiner positiven Energie bewusst werden\u201c&#8230; Aber all dies sind nur Worte und f\u00fcr diejenigen, die wirklich \u201einnerlich tot\u201c sind, funktionieren sie nicht. Das Wort Christi ist von anderer Qualit\u00e4t, es ist unendlich \u00fcberlegen. Es ist ein g\u00f6ttliches und sch\u00f6pferisches Wort, und nur dieses Wort kann wieder Leben bringen, wo es verloschen ist.<br><br><em>Das neue Leben der \u201eAuferstandenen\u201c<\/em><br><br>Der junge Mann, so sagt das Evangelium, \u00bbbegann zu sprechen\u00ab (<em>Lk&nbsp;<\/em>7,15). Die erste Reaktion eines Menschen, der von Christus ber\u00fchrt und ins Leben zur\u00fcckgeholt wurde, besteht darin, dass er ohne Angst und Komplexe das, was in ihm ist, seine Pers\u00f6nlichkeit, seine W\u00fcnsche, seine Bed\u00fcrfnisse und seine Tr\u00e4ume zum Ausdruck bringt. Vielleicht hatte er das noch nie getan, vielleicht war er \u00fcberzeugt davon, dass niemand ihn verstehen w\u00fcrde!<br><br>Reden bedeutet auch, mit anderen in Beziehung zu treten. Wenn man \u201etot\u201c ist, hat man keinen Kontakt mehr nach au\u00dfen, Beziehungen brechen ab, oder sie werden oberfl\u00e4chlich, falsch, heuchlerisch. Wenn Jesus uns das Leben zur\u00fcckgibt, gibt er uns den anderen zur\u00fcck (vgl. V. 15).<br><br>Obwohl wir heute vielfach vernetzt sind, gibt es oft keine Kommunikation. Die Verwendung elektronischer Ger\u00e4te kann, wenn sie nicht in rechtem Ma\u00dfe geschieht, dazu f\u00fchren, dass wir st\u00e4ndig am Bildschirm kleben. Mit dieser Botschaft m\u00f6chte ich ausgehend von diesem Jesus-Wort \u201eSteh auf!\u201c gemeinsam mit euch jungen Menschen auch die Herausforderung eines kulturellen Wandels anregen. In einer Kultur, die junge Menschen will, die isoliert und auf virtuelle Welten bezogen sind, lasst uns dieses Wort Jesu verbreiten: \u201eSteh auf!\u201c Dies ist eine Einladung, sich einer Realit\u00e4t zu \u00f6ffnen, die weit \u00fcber das Virtuelle hinausgeht. Das bedeutet nicht, die Technik zu verachten, sie jedoch als Mittel und nicht als Zweck zu benutzen. \u201eSteh auf\u201c bedeutet auch \u201etr\u00e4ume\u201c, \u201eriskiere etwas\u201c, \u201estrebe danach, die Welt zu ver\u00e4ndern\u201c, entfache neu deine Sehns\u00fcchte, betrachte den Himmel, die Sterne, die Welt um dich herum. \u201eSteh auf und werde, was du bist!\u201c Dank dieser Botschaft werden viele erloschene Gesichter junger Menschen um uns herum lebendig werden und viel sch\u00f6ner sein als jede virtuelle Realit\u00e4t.<br><br>Denn wenn du Leben schenkst, wird jemand dieses Geschenk annehmen. Eine junge Frau sagte einmal: \u201eDu stehst von der Couch auf, wenn du etwas Sch\u00f6nes siehst, und du beschlie\u00dft, das auch selbst zu tun\u201c. Was sch\u00f6n ist, weckt die Leidenschaft. Und wenn ein junger Mensch sich f\u00fcr etwas, oder besser gesagt, f\u00fcr eine Person begeistert, steht er schlie\u00dflich auf und beginnt, gro\u00dfe Dinge zu tun; aus einem Toten, der er war, kann er zu einem Zeugen Christi werden und sein Leben ihm \u00fcbereignen.<br><br>Liebe junge Freunde, was sind eure Leidenschaften und eure Tr\u00e4ume? Bringt sie zur Geltung und bietet dadurch der Welt, der Kirche und anderen jungen Menschen etwas Sch\u00f6nes im spirituellen, k\u00fcnstlerischen und sozialen Bereich. Ich wiederhole es euch in meiner Muttersprache:&nbsp;<em>hagan l\u00eco!<\/em>&nbsp;Macht euch bemerkbar! Ein anderer Jugendlicher sagte einmal: \u201eW\u00e4re Jesus jemand gewesen, der sich nur um seine eigenen Angelegenheiten k\u00fcmmert, w\u00e4re der Sohn der Witwe nicht auferstanden\u201c.<br><br>Die Auferstehung des jungen Mannes brachte ihn wieder mit seiner Mutter zusammen. In dieser Mutter d\u00fcrfen wir Maria sehen, unsere Mutter, der wir die ganze Jugend der Welt anvertrauen. In ihr k\u00f6nnen wir auch die Kirche erkennen, die alle jungen Menschen ohne Ausnahme liebevoll annehmen will. Bitten wir Maria also f\u00fcr die Kirche, dass sie ihren Kindern, die im Schatten des Todes leben, immer Mutter sein m\u00f6ge. erbitten wir ihnen flehentlich neues Leben. Mit jedem ihrer Kinder, das stirbt, stirbt auch die Kirche, und mit jedem ihrer Kinder, das wieder ins Leben zur\u00fcckkehrt, ersteht auch sie wieder auf.<br><br>Ich segne euren Weg. Und vergesst bitte nicht, f\u00fcr mich zu beten.<br><br><em>Rom, Sankt Johannes im Lateran, am 11. Februar 2020, dem Gedenktag unserer Lieben Frau von Lourdes<\/em><br><br><strong>FRANZISKUS<\/strong><br><br>\u00a9 Copyright &#8211; Libreria Editrice Vaticana<\/p>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/03\/papa-francesco_20200211_messaggio-giovani_2020_d-1.pdf\" download>Weltjugendtag 2020 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cJunger Mensch, ich sage dir, steh auf!\u201d (vgl. 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