{"id":1048,"date":"2020-03-05T14:19:00","date_gmt":"2020-03-05T13:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1048"},"modified":"2021-01-21T22:05:20","modified_gmt":"2021-01-21T21:05:20","slug":"botschaft-von-papst-franziskus-zur-fastenzeit-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/botschaft-von-papst-franziskus-zur-fastenzeit-2020\/","title":{"rendered":"Botschaft von Papst Franziskus zur Fastenzeit 2020"},"content":{"rendered":"\n<p id=\"yui_3_15_0_1_1588767671926_198\"><strong>\u00bbWir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott vers\u00f6hnen!\u00ab (2 Kor 5,20)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern!<br><br>Auch in diesem Jahr gew\u00e4hrt uns der Herr eine besondere Zeit der Vorbereitung, damit wir mit erneuertem Herzen das gro\u00dfe Geheimnis des Todes und der Auferstehung Jesu feiern k\u00f6nnen, das Fundament des christlichen Lebens f\u00fcr den Einzelnen wie f\u00fcr die Gemeinschaft. Wir m\u00fcssen mit unserem Geist und unserem Herzen st\u00e4ndig zu diesem Geheimnis zur\u00fcckkehren. Tats\u00e4chlich h\u00f6rt es nicht auf, in uns in dem Ma\u00df zu wachsen, in dem wir uns von seiner geistlichen Dynamik ergreifen lassen und ihm mit einer freien und gro\u00dfz\u00fcgigen Antwort anhangen.<br><br><em>1. Das Ostergeheimnis, das Fundament der Bekehrung<\/em><br><br>Die Freude des Christen entspringt dem H\u00f6ren und Annehmen der Frohen Botschaft vom Tod und der Auferstehung Jesu: dem&nbsp;<em>Kerygma<\/em>. Dieses fasst das Geheimnis einer Liebe zusammen, die \u00bbso real, so wahr, so konkret [ist], dass sie uns eine Beziehung aufrichtigen und fruchtbaren Dialogs bietet\u00ab (Apostolisches Schreiben&nbsp;<em><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/apost_exhortations\/documents\/papa-francesco_esortazione-ap_20190325_christus-vivit.html\">Christus vivit<\/a><\/em>, 117). Wer an diese Botschaft glaubt, lehnt die L\u00fcge ab, dass unser Leben von uns selbst ausgeht, w\u00e4hrend es in Wirklichkeit aus der Liebe Gottes des Vaters, aus seinem Willen, Leben in F\u00fclle zu geben, geboren wird (vgl.&nbsp;<em>Joh<\/em>&nbsp;10,10). Wenn wir hingegen auf die einschmeichelnde Stimme des \u201eVaters der L\u00fcge\u201c h\u00f6ren (vgl.&nbsp;<em>Joh<\/em>&nbsp;8,45), laufen wir Gefahr, im Abgrund des Sinnlosen zu versinken und die H\u00f6lle bereits hier auf Erden zu erleben, wie leider viele dramatische Ereignisse pers\u00f6nlicher und kollektiver menschlicher Erfahrung zeigen.<br><br>In dieser Fastenzeit 2020 m\u00f6chte ich daher allen Christen sagen, was ich im Apostolischen Schreiben&nbsp;<em><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/apost_exhortations\/documents\/papa-francesco_esortazione-ap_20190325_christus-vivit.html\">Christus vivit<\/a><\/em>&nbsp;bereits den Jugendlichen geschrieben habe: \u00bbSieh dir die ge\u00f6ffneten Arme des gekreuzigten Christus an, lass dich immer von neuem retten. Und wenn du kommst, um deine S\u00fcnden zu bekennen, glaub fest an seine Barmherzigkeit, die dich von der Schuld befreit. Betrachte sein Blut, das er aus so gro\u00dfer Liebe vergossen hat, und lass dich von ihm reinigen. So kannst du immer wieder geboren werden\u00ab (Nr. 123). Tod und Auferstehung Jesu sind kein Ereignis der Vergangenheit: durch die Kraft des Heiligen Geistes ist das Ostergeschehen immer aktuell und erlaubt uns, das Fleisch Christi in vielen leidenden Menschen gl\u00e4ubig zu betrachten und zu ber\u00fchren.<br><br><em>2. Dringlichkeit der Umkehr<\/em><br><br>Es ist heilsam, das Ostergeheimnis, dem wir das Geschenk der Barmherzigkeit Gottes verdanken, tiefer zu betrachten. Die Erfahrung der Barmherzigkeit ist in der Tat nur in einer pers\u00f6nlichen Begegnung \u201evon Angesicht zu Angesicht\u201c mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn m\u00f6glich, \u00bbder mich geliebt und sich f\u00fcr mich hingegeben hat\u00ab (<em>Gal<\/em>&nbsp;2,20). Ein Dialog von Herz zu Herz, von Freund zu Freund. Deshalb ist das Gebet in der Fastenzeit so wichtig. Es ist mehr als eine Pflicht, es ist Ausdruck der Notwendigkeit, die Liebe Gottes zu erwidern, die uns immer vorausgeht und st\u00fctzt. Ja, der Christ betet in dem Wissen, dass er solcher Liebe nicht w\u00fcrdig ist. Das Gebet kann verschiedene Formen annehmen, aber was in den Augen Gottes wirklich z\u00e4hlt, ist, dass es in uns eindringt und schlie\u00dflich unser hartes Herz erweicht, um es immer mehr zu ihm und seinem Willen zu bekehren.<br><br>Lassen wir uns daher in dieser besonderen Zeit wie das Volk Israel in die W\u00fcste f\u00fchren (vgl.&nbsp;<em>Hos<\/em>&nbsp;2,16), damit wir endlich die Stimme unseres Br\u00e4utigams h\u00f6ren k\u00f6nnen und sie in uns tiefer aufnehmen und ihr bereitwilliger folgen. Je mehr wir uns von seinem Wort ergreifen lassen, desto mehr werden wir seine unentgeltliche Barmherzigkeit uns gegen\u00fcber erfahren k\u00f6nnen. Lassen wir daher diese Zeit der Gnade nicht vergeblich verstreichen, in der Einbildung, wir k\u00f6nnten selbst die Zeiten und die Wege unserer Umkehr zu ihm bestimmen.<br><br><em>3. Gottes leidenschaftlicher Wille zum Dialog mit seinen Kindern<\/em><br><br>Die Tatsache, dass der Herr uns wieder einmal eine solche besondere Zeit zu unserer Umkehr anbietet, d\u00fcrfen wir nie f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich halten. Diese neue Gelegenheit sollte in uns ein Gef\u00fchl der Dankbarkeit wecken und uns aus unserer Tr\u00e4gheit aufr\u00fctteln. Trotz der mitunter sogar dramatischen Gegenwart des B\u00f6sen in unserem Leben, aber auch im Leben der Kirche und der Welt, dr\u00fcckt dieser Zeitraum, der uns die M\u00f6glichkeit zu einem Kurswechsel bietet, den beharrlichen Willen Gottes aus, den Dialog des Heils mit uns nicht abzubrechen. In Jesus, dem Gekreuzigten, den Gott \u00bbf\u00fcr uns zur S\u00fcnde gemacht\u00ab (<em>2 Kor<\/em>&nbsp;5,21) hat, ist dieser Wille so weit gegangen, dass er alle unsere S\u00fcnden seinem Sohn auferlegt hat, bis hin zu einer \u00bbWende Gottes gegen sich selbst\u00ab, wie Papst Benedikt XVI. sagte (Enzyklika&nbsp;<em><a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/benedict-xvi\/de\/encyclicals\/documents\/hf_ben-xvi_enc_20051225_deus-caritas-est.html\">Deus caritas est<\/a><\/em>, 12). Denn Gott liebt auch seine Feinde (vgl.&nbsp;<em>Mt<\/em>&nbsp;5,43-48).<br><br>Der Dialog, den Gott mit jedem Menschen durch das Paschamysterium seines Sohnes f\u00fchren will, ist nicht von der Art, wie sie den Bewohnern von Athen zugeschrieben wurde. Diese \u00bbtaten nichts lieber, als die letzten Neuigkeiten zu erz\u00e4hlen oder zu h\u00f6ren\u00ab (<em>Apg<\/em>&nbsp;17,21). Diese Art von Geschw\u00e4tz, diktiert von leerer und oberfl\u00e4chlicher Neugierde, ist typisch f\u00fcr die Weltlichkeit aller Zeiten und kann sich heute auch in eine verfehlte Nutzung der Kommunikationsmittel einschleichen.<br><br><em>4. Ein Reichtum, den man teilt und nicht f\u00fcr sich selbst anh\u00e4uft<\/em><br><br>Das Ostergeheimnis in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen bedeutet Mitleid f\u00fcr die Wunden des gekreuzigten Christus zu empfinden, die heute immer noch gegenw\u00e4rtig sind \u2013 in den vielen unschuldigen Opfern der Kriege, der \u00dcbergriffe gegen das Leben, vom ungeborenen bis zum alten Menschen, der vielen Formen von Gewalt, der Umweltkatastrophen, der ungleichen Verteilung der G\u00fcter der Erde, des Menschenhandels in all seinen Formen und des ungez\u00fcgelten Profitstrebens, das eine Form des G\u00f6tzendienstes ist.<br><br>Auch heute ist es wichtig, alle M\u00e4nner und Frauen guten Willens aufzurufen, etwas von ihrem Besitz an die Bed\u00fcrftigsten weiterzugeben. Solche Almosen sind eine Form der pers\u00f6nlichen Teilnahme am Aufbau einer gerechteren Welt. Das Teilen aufgrund der N\u00e4chstenliebe macht den Menschen menschlicher; das Anh\u00e4ufen droht ihn h\u00e4sslich zu machen, weil es ihn in seinem Egoismus einschlie\u00dft. Angesichts der strukturellen Dimensionen der Wirtschaft k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir noch weitergehen. Aus diesem Grund habe ich f\u00fcr die Fastenzeit 2020 vom 26. bis 28. M\u00e4rz junge \u00d6konomen, Unternehmer und&nbsp;<em>Changemakers<\/em>&nbsp;nach Assisi eingeladen, um zum Entwurf einer Wirtschaft beizutragen, die gerechter und integrativer als die derzeitige ist. Wie das kirchliche Lehramt mehrfach wiederholt hat, ist die Politik eine herausragende Form der N\u00e4chstenliebe (vgl. Pius XI.,&nbsp;<em>Ansprache an die FUCI&nbsp;<\/em>[Federazione Universitaria Cattolica Italiana], 18. Dezember 1927). Dasselbe wird man von der Wirtschaft sagen k\u00f6nnen, wenn sie sich auf eben diesen Geist des Evangeliums einl\u00e4sst, auf den Geist der Seligpreisungen.<br><br>Ich bitte f\u00fcr die kommende Fastenzeit die allerseligste Jungfrau Maria um ihre F\u00fcrsprache, dass wir diesen Appell aufgreifen und uns mit Gott vers\u00f6hnen lassen, den Blick unserer Herzen auf das Ostergeheimnis richten und uns zu einem offenen und aufrichtigen Dialog mit Gott bekehren. Auf diese Weise k\u00f6nnen wir das werden, was Christus von seinen J\u00fcnger sagt: Salz der Erde und Licht der Welt (vgl.&nbsp;<em>Mt<\/em>&nbsp;5,13-14).<br><br><em>Franziskus<\/em><br><br>Rom bei St. Johannes im Lateran, am 7. Oktober 2019,<br>Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz.<br><br>\u00a9 Copyright &#8211; Libreria Editrice Vaticana<\/p>\n\n\n<a class=\"download\" href=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/03\/papa-francesco_20191007_messaggio-quaresima2020_d-1.pdf\" download>Fastenzeit 2020 <i class=\"fa btn btn-download fa-download\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbWir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott vers\u00f6hnen!\u00ab (2 Kor 5,20)<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":7063,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1048"}],"collection":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1048"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1048\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6579,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1048\/revisions\/6579"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7063"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}