{"id":1006,"date":"2020-03-27T11:44:00","date_gmt":"2020-03-27T10:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bischoefe.ch\/?p=1006"},"modified":"2020-11-26T19:14:41","modified_gmt":"2020-11-26T18:14:41","slug":"moegen-unsere-entscheidungen-von-hoffnung-und-nicht-von-aengsten-geleitet-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/moegen-unsere-entscheidungen-von-hoffnung-und-nicht-von-aengsten-geleitet-sein\/","title":{"rendered":"\u00abM\u00f6gen unsere Entscheidungen von Hoffnung und nicht von \u00c4ngsten geleitet sein\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bischoefe.ch\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/ces_bioethique_large-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1008\" width=\"325\" height=\"43\" srcset=\"https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/ces_bioethique_large-1.png 800w, https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/ces_bioethique_large-1-300x40.png 300w, https:\/\/staging.sbkcescvs.ch\/bischoefe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/ces_bioethique_large-1-768x102.png 768w\" sizes=\"(max-width: 325px) 100vw, 325px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Zwei moderne Mythen br\u00f6ckeln. Zum einen erweist sich die Medizin als nicht allm\u00e4chtig. Entgegen der Auffassung von Descartes sind wir nicht \u00abHerr und Meister\u00bb der Natur. Gewiss sind wir besser ger\u00fcstet, um Pandemien zu begrenzen und einige der sie verursachenden Erkrankungen zu behandeln. Die Wirklichkeit ver\u00e4ndern wir dadurch jedoch nicht, sie f\u00fchrt uns vielmehr eine wesentliche Wahrheit vor Augen \u2013 alles Leben ist fragil, und wir m\u00fcssen Sorge dazu tragen.<br><br>Zum anderen erweist sich die individuelle Selbstbestimmung als Trugbild. Unsere Gesellschaft ist von einer profunden Ambivalenz gekennzeichnet: Einerseits widmen wir unserem K\u00f6rper, unserer Gesundheit, unserer Leistungsf\u00e4higkeit und unserer Langlebigkeit eine enorme Aufmerksamkeit. All dies wird von einem individuellen Standpunkt aus verstanden. Andererseits wird angesichts dieses Ultraliberalismus die Bedeutung des Kollektivs vernachl\u00e4ssigt. Wir vergessen, dass die Handlung eines Menschen Auswirkungen auf andere Menschen hat. Viel mehr noch als der Fragilit\u00e4t des Lebens m\u00fcssen wir uns heute der Fragilit\u00e4t unserer Werte wie der Solidarit\u00e4t, des Gemeinwohls und der Unterst\u00fctzung der Schw\u00e4chsten bewusst werden.<br><br>Diese Krise wird auch ihr Gutes haben \u2013 wenn es uns gelingt, sie zu nutzen, um Grosses zu bewirken. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass am Ende alles von unserer Solidarit\u00e4t, dem Wissensaustausch, dem Geist der Offenheit und der Bereitschaft zur Pr\u00e4vention abh\u00e4ngt. Nat\u00fcrlich werden wir diese Krise nicht schadlos \u00fcberstehen. Wir werden mit den Narben, die wir davontragen werden, leben m\u00fcssen. Aber diese Pandemie ist eine gute Gelegenheit, unser soziales Gef\u00fcge zu st\u00e4rken und einen Mentalit\u00e4tswandel einzuleiten.<br><br>Ein Beispiel: Die Quarant\u00e4ne ist zweifellos f\u00fcr uns alle schwer zu bew\u00e4ltigen. Das Einzige, was wir an dieser Situation \u00e4ndern k\u00f6nnen, ist unsere Einstellung. Wir m\u00fcssen unsere panische Angst \u00fcberwinden und uns von der Hoffnung leiten lassen. Wir k\u00f6nnen diese Zeit nutzen, um ein einfacheres Leben zu entdecken, die Vorteile der Langeweile, die Platz f\u00fcr die Fantasie schafft, sch\u00e4tzen zu lernen und wieder Freude an den kleinen Dingen des Lebens zu haben. Wir k\u00f6nnen die Chance nutzen, mit unseren Kindern zu spielen, uns mit unserem Partner oder Partnerin auszusprechen, wieder aufeinander zuzugehen. Wir k\u00f6nnten uns Gedanken machen, wie wir anderen auch aus der Ferne nah sein k\u00f6nnen; indem wir Freunde anrufen, vom Balkon aus mit den Nachbarn plaudern \u2026<br><br>Die Pandemie wird abklingen. \u00abSogar die dunkelste Nacht wird enden, und die Sonne wird aufgehen\u00bb, schrieb Victor Hugo. Die Frage ist nur, ob wir es schaffen, im Interesse des Kollektivs zu handeln, um diese Krise zu begrenzen und dieses so fragile Gef\u00fchl der solidarischen Gemeinschaft sp\u00e4ter aufrechtzuerhalten. Werden wir das Gesundheitspersonal, von je her unsere stillen Helden, unterst\u00fctzen und f\u00fcr die Volksinitiative f\u00fcr eine starke Pflege stimmen? Werden wir nach der Coronavirus-Krise auch weiterhin f\u00fcr unsere Lieben da sein? Werden wir die \u00fcberlebenswichtigen Werte des Zusammenlebens weiter verteidigen?<br><br>St\u00e8ve Bobillier, wissenschaftlicher Mitarbeiter<br><br>25.&nbsp;3.&nbsp;2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei moderne Mythen br\u00f6ckeln. Zum einen erweist sich die Medizin als nicht allm\u00e4chtig. Entgegen der Auffassung von Descartes sind wir nicht \u00abHerr und Meister\u00bb der Natur. Gewiss sind wir besser ger\u00fcstet, um Pandemien zu begrenzen und einige der sie verursachenden Erkrankungen zu behandeln. 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